Spurensicherung im Jänner am Tatort in Pitten (Bezirk Neunkirchen)

© Wammerl Patrick

Anklage
05/29/2020

Ehrenmord mit Ansage: Bilder des Leichnams verschickt

Die Staatsanwaltschaft hat nach der Bluttat in einer Pizzeria im Bezirk Neunkirchen Mordanklage erhoben.

von Patrick Wammerl

Laut der 16-seitigen Anklageschrift war es ein eiskalt geplanter und in einer langen Audionachricht angekündigter Ehrenmord. Die Ehefrau des getöteten 33-jährigen Hasan Ö. erhielt sogar eine WhatsApp-Nachricht mit dem Foto ihres getöteten Mannes. Die dreifache Mutter erlitt einen Nervenzusammenbruch.

Nach der Bluttat in einer Pizzeria in Pitten im Bezirk Neunkirchen (NÖ) im vergangenen Jänner hat die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt Mordanklage gegen den 31-jährigen Türken Gökhan Y. eingebracht. Der Pizzeriabetreiber soll seinen ehemals besten Freund und Geschäftspartner Hasan Ö., nachdem dieser bei ihm in Ungnade gefallen war, mit mehr als 20 Messerstichen im Lokal ermordet haben.

„Er bereut die Tat zutiefst, aber er ist von seinem Freund hintergangen worden. Er hat sich massiv in sein Leben eingemischt und einen Keil in die Ehe getrieben“, sagt der Anwalt des Angeklagten, Nikolaus Rast.

Familie attackiert

Laut Anklage war Gökhan Y. selbst am Scheitern seiner Ehe schuld. Seit er 2009 mit seiner Frau nach Österreich immigrierte, kam es zu zahlreichen gewaltvollen Übergriffen in der Familie gegen die Frau und auch die Kinder. Seit 2011 gab es mehrere Anzeigen, Prozesse, Betretungsverbote und diversionell erledigte Verfahren, weil er seine Ehefrau würgte und schlug. Auch wegen Körperverletzung und gefährlicher Drohung gegen die Stieftochter wurde er verurteilt. Eine bereits eingebrachte Scheidungsklage zog die Ehefrau aber wieder zurück.

Weil die Ehe zerrüttet war, warf Gökhan Y. laut Anklage und Zeugenaussagen ein Auge auf andere Frauen. Er dürfte sich heimlich in Wien mit einer Liebschaft getroffen haben. Außerdem stellte er einer Reinigungskraft in der Pizzeria nach. Diese ließ ihn aber abblitzen.

Als die Ehefrau von Gökhan Y. von den Frauengeschichten ihres Mannes erfuhr, eskalierte die Lage. Der Türke bezichtigte seinen Freund, ihn verraten und hintergangen zu haben. Er befürchtete, sein Freund und Geschäftspartner Hasan Ö., dem er immer vertraut hatte, könnte einen Keil in seine Ehe treiben. Die Wut intensivierte sich zunehmend, heißt es in der Anklage.

Auf der Fahrt in die Pizzeria am 20. Jänner fasste der 31-Jährige den Plan, seinen Partner zu töten. Er zeichnete mit dem Handy eine Sprachnachricht auf, in der er mehrmals ankündigte, den Kontrahenten wegen seiner zutiefst gekränkten Ehre umzubringen. Die Botschaft verschickte er in seinem Umfeld.

In der Pizzeria schnappte er sich vor den Augen von zwei Kellnern ein 35 Zentimeter langes Küchenmesser und stach so gewaltvoll auf Hasan Ö. ein, dass dessen Rippen durchtrennt wurden und sich die Klinge verbog. Anschließend stellte er Aufnahmen des Leichnams in sozialen Medien online. Die Datei verbreitete sich wie ein Lauffeuer.

Einen Termin für den Mordprozess am Landesgericht Wiener Neustadt gibt es noch nicht.