Der Ebreichsdorfer Stadtchef Kocevar, ÖBB-Direktor Bauer, Nationalrätin Carmen Jeitler-Cincelli und  Bundesdenkmalamt-Präsident Bazil bewundern den Schatz (li.), der auf der Bahntrasse entdeckt wurde

© Foschum Markus

Chronik Niederösterreich
10/02/2021

Die „Schatzhüter“ von der „Sonneninsel“

Bei Bauarbeiten für die Pottendorfer Linie wurde eine Siedlung aus der Bronzezeit gefunden.

von Markus Foschum

Ziemlich genau dort, wo der neue Bahnhof Ebreichsdorf (Bezirk Baden) als Herzstück der Pottendorfer Bahnlinie entsteht, gab es schon früher, vor 3.000 Jahren, einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt. „Der Kreis schließt sich“, sagt Franz Bauer, Vorstandsdirektor ÖBB-Infrastruktur AG, wenn er über die „Vorgänger“ spricht, die von hier aus europaweit verbunden gewesen sein dürften und der Nachwelt nicht nur einen Goldschatz, sondern auch viele Fragen hinterlassen haben.

Der „Goldschatz von Ebreichsdorf“, der bei archäologischen Grabungen im Zuge des Ausbaus der Pottendorfer Linie entdeckt und diese Woche präsentiert wurde, ist ein „spektakulärer, einmaliger Fund von europaweiter Bedeutung“, betont Christoph Bazil, Präsident des Bundesdenkmalamts. Da ist einmal der „Schatz“ selbst: eine reich verzierte Goldschale, Goldspiralen und Reste eines golddurchwirkten Tuches. Derartiges wurde in Österreich noch nie gefunden. Doch was kann der Fund außer der Faszination, die Gold auf Menschen damals und heute ausübt noch sagen?

„Die goldene Schale ist ein Kultobjekt“, sagt Grabungsleiter Michal Sip, der vom „Fund seines Lebens“ und einem „archäologischen Eldorado“ spricht. Und er geht noch soweit: „Das war hier nicht nur ein Dorf, das war auch ein Kultplatz.“

Goldener Sonnenglanz

Sip hat auch einen Verdacht, in welche Richtung der Kult ging: „Gold hat die Farbe der Sonne und auf der Schale finden sich auch Verzierungen, die Sonnenstrahlen darstellen dürften“. Waren also die alten Ebreichsdorfer Sonnenanbeter? Ein „regionales Produkt“ dürfte die Schale jedenfalls nicht sein. Die Archäologen vermuten, dass sie importiert wurde. Und zwar aus dem Norden, denn in Skandinavien und Norddeutschland sind derartige Gegenstände schon entdeckt worden. Was auf „intensive Handelsbeziehungen“ hindeuten würde.

Auf einem sieben Hektar großen Areal wurde gegraben und die Siedlung aus der Urnenfelderzeit freigelegt. Zwei Gebäude haben dabei das Interesse besonders geweckt: Einerseits eine Halle, die „Hinweis auf einen Versammlungsort sein könnte“, so Alexander Stagl von der Firma Novetus, die mit der Ausgrabung betraut war. Und dann das „Goldhaus“, wo der Schatz entdeckt wurde.

 

„Ob er hier versteckt wurde, können wir nicht sagen“, so Grabungsleiter Sip. Was er aber sagen kann ist, dass es hier anscheinend einen „aquatischen Opferplatz“ gab. „Die ganze Gegend war sumpfig, die Siedlung dürfte auf einer Insel gelegen sein“. Da war anscheinend auch ein Fluss, in dem Opfergaben, etwa Bronzegegenstände, versenkt wurden. Jip spricht daher von einem Kultplatz und schließt nicht aus, dass es sich bei der Halle um eine Art Tempel gehandelt haben könnte.

Wie viele Menschen in „Ebreichsdorf uralt“ gelebt haben, kann man nicht mehr sagen. Ein paar hundert vielleicht. Jip kann aber sagen, dass die Siedlung rund 250 Jahre bewohnt war.

Der Sensationsfund lässt also einige Fragen offen. „Wir haben die Schale, aber keine Gebrauchsanweisung dazu“, sagt Martin Krenn vom Bundesdenkmalamt. Woher das Gold stammte, wird untersucht, die Aufarbeitung der Funde werde wohl Jahre dauern. Geplant ist, die Objekte im Naturhistorischen Museum der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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