Stickstoffdioxide in der Luft sind gesunken, aber die Emissionen aus dem Straßenverkehr bleiben belastend

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12/31/2021

Die beste Luftqualität seit 15 Jahren: Experten warnen trotzdem

2021 Jahresgrenzwerte des Bundes und der EU bei Feinstaub und Stickoxiden in NÖ nicht überschritten

von Wolfgang Atzenhofer

Wenngleich Hausbrand, Autoverkehr und Industrie weiter massive Luftverschmutzer sind, wiesen die 42 Luftgütemessstationen des Landes Niederösterreich für 2021 dennoch eine erfreuliche Bilanz und Tendenz aus. Bei Feinstaub (PM10) und Stickstoffdioxiden (NO2) wurde nämlich die niedrigste Belastung seit 15 Jahren registriert.

Die Luftgütebilanz des Umweltbundesamtes zeigt, dass bundesweit bei PM10, NO2 und auch Ozon (O3) eine der niedrigsten Belastungen seit Beginn der Messungen vor rund 20 Jahren konstatiert wurden. Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie spielten dabei 2021 aber eine untergeordnete Rolle. Die Luftverschmutzung durch NO2 sank im Straßenverkehr durch den Einsatz immer schadstoffärmerer Fahrzeuge. Mildere Wintermonate und für die Luftqualität günstigere witterungsmäßige Ausbreitungsbedingungen sorgten wiederum für weniger Immissionen durch das Heizen.

Talk mit Stefan Pernkopf

NÖ bescheren die Werte den besten Luftzustand seit 15 Jahren. Seit neun Jahren wurde nun schon der PM10-Grenzwert großflächig nicht mehr überschritten. 2021 blieben alle Messstellen, sowohl für PM10 als auch für das sehr schädliche NO2 unter den erlaubten Jahresgrenzwerten. Das zeige, dass die Luftqualität in NÖ ausgezeichnet sei, freute sich LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf. Auch die gegenüber den EU-Grenzwerten noch strengeren österreichischen Maximalwerte konnten eingehalten werden. „Die Maßnahmen, die das Land gesetzt hat, wie etwa die Förderung von E-Autos, machen sich bezahlt“, so Pernkopf. Auch klimaschonende Entwicklungen in der Landwirtschaft oder im Wohnbau dürften greifen. Anders als beim ersten Corona-Lockdown 2020 hätten die heurigen Lockdowns weit geringere Auswirkungen auf den Verkehr gehabt, hieß es aus dem Büro Pernkopfs.

Genaue Analysen legt das Umweltbundesamt erst im Oktober 2022 vor. Erste Details zeigen, dass in NÖ bei PM10 der Mittelwert der letzten fünf Jahre von 19 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m³) im Jahr 2017 auf 16 µg/m³ im Jahr 2021 gesunken ist. Zum Vergleich 2005 waren es noch 29 µg/m³. Der Rückgang beträgt 45 Prozent. Bei NO2 beträgt er im selben Zeitraum, von 19 auf zwölf µg/m³ 37 Prozent.

Ausreißer

Aufgefallen ist NÖ bundesweit bei den PM10-Werten mit der Messstelle Wr. Neudorf. Dort wurden die erlaubten Tagesmittelwerte von 50 µg/m³ an 29 Tagen, und somit so oft wie nirgendwo anders in Österreich, überschritten. Grund dafür war die Baustelle der höchsten Lärmschutzwand Österreichs. Die EU-Grenzmarke von 35 Tagen wurde aber auch hier nicht erreicht.

Mahnende Kommentare zur Luftgütebilanz gab es auch. Diese sei zwar besser als in der Zeit vor Corona, „ist aber aus gesundheitlicher Sicht bei Weitem nicht gut genug“, mahnte Expertin Lina Mosshammer vom Verkehrsklub VCÖ. Die Weltgesundheitsorganisation WHO fordert etwa für NO2 den Jahresgrenzwert von zehn µg/m³. Vor allem in der Mobilität gäbe es durch den intensiveren Umstieg vom Individualverkehr auf öffentliche Verkehrsmittel noch viel Luft nach oben, fordert der VCÖ noch mehr Initiativen.

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