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Chronik Niederösterreich
11/26/2020

Corona: Schröcksnadel will Skigebiet schließen, Land NÖ tobt

Mehrheitseigentümer Schröcksnadel will in Lackenhof am Ötscher Corona-Saison auslassen. Für das Land NÖ ein fataler Fehler.

von Patrick Wammerl, Wolfgang Atzenhofer

Die Corona-Pandemie treibt seltsame Blüten. Während halb Europa über ein Skifahrverbot nachdenkt und Österreichs Tourismus sich massiv dagegen wehrt, kommt ausgerechnet aus dem Hause von Liftkaiser Peter Schröcksnadel ein überraschender Vorstoß. Die Gruppe will Corona-bedingt das niederösterreichische Skigebiet Lackenhof am Ötscher aus wirtschaftlichen Gründen die gesamte Saison über geschlossen halten. Beim Land Niederösterreich, das 40 Prozent an den Ötscherliften hält, ist seit der Ankündigung Schröcksnadels Feuer am Dach.

Man will den Freizeitsuchenden auf jeden Fall die Möglichkeit für ein sicheres Skivergnügen auch in Lackenhof bieten. Doch schon morgen, Freitag, könnte Schröcksnadel in der Gesellschaftersitzung mit seiner 60-Prozent-Mehrheit das Skigebiet im Alleingang stilllegen.

Beim Land NÖ hat man keinerlei Verständnis für die „nicht nachvollziehbare“ Ankündigung. Es konterkariere alle Bemühungen, die man seit Monaten in die Vorbereitung für eine sichere Skisaison gelegt hat. Alle Skigebiete seien davon abhängig, dass das Infektionsgeschehen den Betrieb auch zulässt. „Trotzdem gibt es gerade für die Skigebiete in Niederösterreich Anzeichen, dass es zu einer passablen Saison kommen könnte. Der Wunsch der Bevölkerung nach Wintersport ist groß, gerade kleinere Skigebiete werden heuer bevorzugt werden“, sagt Helmut Miernicki, Geschäftsführer der Trägergesellschaft der NÖ Bergbahnen-Beteiligungsgesellschaft (NÖ BBG), ecoplus.

Die Vorbereitungen auf die Wintersaison würden seit Wochen sehr gut laufen. „COVID-19-Präventionskonzepte wurden erarbeitet und die Beschneiung der Pisten gestartet. Das gilt auch für die Ötscherlifte in Lackenhof am Ötscher. Die Schröcksnadel-Gruppe beabsichtigt jedoch als Mehrheitsgesellschafterin die Ötscherlifte in der kommenden Wintersaison aus betriebswirtschaftlichen Gründen stillzulegen. Aus Sicht des Land Niederösterreich ist dieser Schritt falsch. Wir haben gefordert alle Vorbereitungsarbeiten, insbesondere auch die Beschneiung, fortzusetzen“, so Miernicki.

Nun sei die Schröcksnadel-Gruppe gefordert, die aufgrund der Anteilsverhältnisse die Entscheidung über eine vorübergehende Stilllegung allein treffen kann, heißt es bei ecoplus.

Schröcksnadel-Gruppe wenig erfreut

Wie Miernicki erklärt, hat das Land noch im September 2020 mit der Schröcksnadel-Gruppe vereinbart, ein Investitionsprogramm für die Ötscherlifte aufzustellen. „Es braucht ein langfristiges Fortführungskonzept für die Ötscherlifte und auch für die heurige Saison eine Lösung. Dafür kämpfen wir“. Heuer nicht aufzusperren, wäre nicht nur ein fatales Signal, sondern käme auch einer Totalaufgabe gleich. Gar nicht auszudenken, was für ein Schlag es für die regionale Wirtschaft in Lackenhof wäre, poltert man in St. Pölten.

Der Geschäftsführer der Ötscherlifte, Rainer Rohregger, ist über den medialen Vorstoß des Landes wenig erfreut. "Dass Teile gemeinsamer Überlegungen und Vorsichtsmaßnahmen aktiv medial kommuniziert wurden, sorgt leider intern wie extern für massive Verunsicherung, die man vermeiden hätte können. Dabei ist morgen, im Rahmen einer seit längerem terminisierten Besprechung ausreichend Gelegenheit, die nächsten Schritte gemeinsam zu besprechen und nicht durch mediale Vorstöße Kunden und Öffentlichkeit vor den Kopf zu stoßen", so Rohregger.

Die anstehende Wintersaison und die massiven behördlichen und internationalen Einschränkungen haben die Geschäftsführung der Ötscherlift-Gesellschaft dazu veranlasst, sich für alle möglichen Szenarien zu rüsten.
„Dies ist eine notwendige Vorsichtsmaßnahme und die Aufgabe einer Geschäftsführung, die dazu angehalten ist, vermeidbare Schäden vom Unternehmen abzuwenden und den Gesellschaftern mögliche Lösungswege zur Beschlussfassung vorzuschlagen", sagt Rohregger.
Das Bekenntnis des Landes NÖ zum Skigebiet Lackenhof sei grundsätzlich erfreulich und werde sehr geschätzt. "Insbesondere, da dies in der Vergangenheit nicht immer der Fall war“, sagt der Geschäftsführer.

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