Geht es nach den Wünschen aus Rom, sollen die Lifte heuer stillstehen.

© REUTERS/ARND WIEGMANN

Wirtschaft
11/25/2020

Drahtseilakt Ski-Urlaub: Reichen die Präventionskonzepte?

Italien schlägt vor, Skigebiete heuer generell geschlossen zu halten. Klar ist: Präventionskonzepte gibt es schon.

von Simone Hoepke, Ingrid Teufl

Der Skiurlaub ist heuer höchste Politik. Italiens Regierungschef Giuseppe Conte hat die Idee geboren, selbigen heuer zu den Weihnachtsfeiertagen zu verbieten – und das gleich europaweit. Jetzt sucht er Verbündete auf höchster politischer Ebene: Etwa bei Angela Merkel und Emmanuel Macron. Auch bei Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen thematisierte er seinen Plan im Rahmen eines Gesprächs über Anti-Covid-Maßnahmen.

Unterstützung für den Vorstoß kommt von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Im eigenen Land steht Conte aber noch ziemlich alleine da. Sechs norditalienische Regionen gehen bereits auf die Barrikaden und argumentieren, dass das Pistenverbot ganze Bergregionen in die Krise stürzen würde. Und der Präsident des italienischen Hotelierverbands warnt bereits vor einem italienischen Alleingang. Dieser würde schließlich dazu führen, dass die Touristenströme in die Nachbarländer – etwa nach Österreich oder in die Schweiz – umgeleitet werden.

Auch Österreichs Finanzminister Gernot Blümel hält „generell nichts“ vom italienischen Vorschlag. „Wenn die EU tatsächlich vorgibt, dass die Skigebiete geschlossen bleiben müssen, dann bedeutet das Kosten von bis zu zwei Milliarden Euro. Wenn die EU das wirklich will, dann muss sie dafür auch bezahlen“, sagt Blümel. Sprich „einen Skifahr-Ausfallsersatz leisten“. Dieser sollte dann in Form von Direkt-Überweisungen an den Bund kommen, die dann an die betroffenen Betriebe verteilt werden, so seine Vorstellung. In eine ähnliche Kerbe schlägt Tourismusministerin Elisabeth Köstinger, die keinen Grund zur Absage der Skiopenings sieht: „Winterurlaub in Österreich wird sicher sein. Unsere Betriebe haben bereits umfassende Sicherheitskonzepte für den Skiurlaub, Après Ski wird es beispielsweise heuer nicht geben.“

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Entschärfen

Nicht nur die Betriebe stellen sich auf eine Wintersaison wie noch nie ein. „Wir wurden zuletzt sehr oft von Betreibern von Skigebieten und Seilbahnen angefragt und haben auch für mehrere Skigebiete Präventionskonzepte erarbeitet“, sagt Epidemiologe Hans-Peter Hutter von der MedUni Wien. „Unsere Empfehlungen müssen immer an die jeweilige Situation vor Ort angepasst werden. Es ist ein enges Zusammenspiel zwischen Epidemiologie und den Experten vor Ort, die die Gegebenheiten gut kennen.“

Was die Ansteckungsgefahr in Gondeln betrifft, gibt es mehrere Eckpunkte, auf die geachtet werden muss. Kurz gesagt: Maskenpflicht, limitierte Personenzahl – und gute Belüftung, um unter anderem die Verbreitung von Aerosolen zu minimieren. „Man muss sich das bei jedem Gebiet, bei jedem Gondeltyp im Detail anschauen. Es gibt Gondeln mit einem Fassungsvermögen von vier bis 40 Personen.“ Aber: „Je mehr Menschen herumstehen, desto größer ist die Gefahr.“

Der Experte sieht allerdings „viele Möglichkeiten zur Entschärfung“. Ist etwa die Gondel gut belüftbar, minimiere ein sehr hoher Luftwechsel das Infektionsrisiko. Manche Systeme könnten bei geringerer Belegung auch schneller fahren. „Das verkürzt die Aufenthaltszeit in der Gondel.“

Ebenfalls ein Muss in diesem Winter: Mundschutz in der Gondel, damit es zu keiner Virenzirkulation kommt. „Das ist wie in öffentlichen Verkehrsmitteln, das wäre eine Verpflichtung.“ Er glaubt, das der Wintersport dem Tragen von Masken entgegenkommt. „Sie werden von manchen schon länger als Kälteschutz genutzt.“

Schwachstelle Zugang

Was überrascht: Dem Epidemiologen bereitet die Situation in der Gondel selber weniger Sorgen. „Das Problem ist der Weg dorthin, das ist ein wirklicher Schwachpunkt. Man kann den Menschen nicht selbst überlassen, einen Meter Abstand zu definieren. Da wird es immer Gedränge geben.“

Hutter plädiert daher für Strukturmaßnahmen, also definierte Abstandsbereiche, ähnlich wie vor Supermarktkassen. „Betreiber müssen sich auch mit Unbelehrbaren auseinandersetzen. Da wird man Ordner brauchen, um das Maskentragen und Abstände zu objektiveren und gegebenenfalls darauf hinzuweisen.“

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