© Philipp Jelenski

Interview
04/12/2021

„Bühne ist für mich Wohnzimmer und Heimat zugleich“

Daniela Fally: Der Opernstar aus NÖ über Künstlerleben in Corona-Zeiten, ihren Werdegang und ihre Pläne für ein neues Klassik-Festival

von Markus Foschum

KURIER: Wie funktioniert während der Corona-Krise Ihr berufliches Leben, gibt es Auftritte, unter welchen Umständen?

Daniela Fally: Primär ist es so, dass ich permanent Dinge vorbereite, lerne und übe, und jede Woche aufs Neue hoffe, dass ein geplantes und vertraglich an sich zugesichertes Engagement stattfinden möge. In einzelnen Fällen war dies 2020 auch umsetzbar, aber hauptsächlich war es gewissermaßen vergebene Liebesmühe. Es ist beruflich natürlich nicht einfach, wenn es den Beruf praktisch nicht mehr gibt. Es ist völlig surreal.

Gerade wurden Ihr Auftritt beim Klassikfestival Haydnregion am 30. April auf 2022 verschoben. Sind die vielen Absagen frustrierend?

Natürlich ist niemand über die Absagen glücklich. Wir hatten „Die Schöpfung“ mit dem Barucco Originalklangorchester unter Heinz Ferlesch geplant und bis zuletzt gehofft. Aber die Gesundheit geht vor.

Wie halten Sie Ihre Stimme „in Schuss“, üben Sie zu Hause? Haben Sie Angst zu erkranken?

Ich habe großen Respekt vor dieser Krankheit, und da sie primär die Atemsysteme angreift, kann es für uns Sänger unschön enden, auch langfristig gesehen. Geübt wird zu Hause. Alleine. Seit über einem Jahr. Nicht besonders spannend. Manchmal hatte ich Probezeit, aber viel zu kurz.

Wie halten Sie Kontakt mit anderen Künstlern und Veranstaltern? Wie beurteilen Sie die Situation der Kulturszene?

Zum Glück planen Veranstalter weiter und so ist jedes Engagement, das einem in Zeiten wie diesen angeboten wird, ein Hoffnungsstrahl. Ich sehe jedoch mit Sorge in die Zukunft. Ich habe keine Sorge, dass das Interesse an Livemusik abnehmen wird, ganz im Gegenteil, ich denke, das Publikum wird danach lechzen. Aber ich sorge mich um die Existenz vieler Bühnen und um die Bedingungen, unter denen man in Zukunft vielleicht arbeiten muss.

Kultur läuft derzeit oft nur virtuell ab, wie beurteilen Sie das und glauben Sie, dass davon nach der Krise etwas bleiben wird?

Ich bin grundsätzlich ein Fan von analoger Live-Kunst, aber dies ist eben derzeit nicht möglich. Umso erfreulicher ist es, dass es Kooperationen wie jene mit dem ORF und „Wir spielen für Österreich“ gibt. Die vielen Gratis-Streaming-Angebote sind einerseits eine schöne Möglichkeit für die Opernhäuser und Veranstalter sowie für uns Künstler, präsent und mit dem Publikum weltweit in Kontakt zu bleiben. Andererseits könnte eine Art „Gewöhnungseffekt“ eintreten, dass man außergewöhnliche Aufführungen gratis frei Haus geliefert bekommt. Das fände ich nicht ganz ideal.

Es gab Meldungen über ein neues Festival in Berndorf, wie ist da der aktuelle Stand und wie sind die Schwerpunkte? Gibt es weitere Projekte?

Diese Pandemie-Zeit hat auch einen Vorteil: Man hält inne und reflektiert. Und es kamen mir viele neue Ideen, wie es mit mir weitergehen soll. Ja, es wird in und um Berndorf 2022 ein neues Klassik-Festival mit Regionalschwerpunkt geben, das ich künstlerisch leiten darf. Neben meinen Opernengagements gibt es auch ein neues Projekt gemeinsam mit Tenor Daniel Behle und für Herbst wurde ich für eine Regie angefragt, ein Ausflug, auf den ich mich sehr freue. Der Einsatz für den sängerischen Nachwuchs wird ein wichtiger Schwerpunkt sein. Ich unterrichte seit einiger Zeit im Opernstudio der Wiener Staatsoper, an einem Wiener Konservatorium und privat. Unterrichten erfüllt mich im höchsten Maße.

Wie sind Sie zum Gesang gekommen, wollten Sie schon als Kind diesen Weg einschlagen? Was bedeutet die Bühne für Sie?

Bühne ist für mich Heimat und Wohnzimmer zugleich. Ein sicherer Ort, ein freier Ort. Zum Gesang bin ich schon sehr früh über die Kirche und die Musikschule gekommen. Dass daraus jedoch ein Beruf werden könnte, habe ich lange Zeit nicht gedacht. Aber ich fühlte mich auf der Bühne so wohl wie ein Fisch im Wasser und somit wagte ich es nach einer gewissen Zeit, gänzlich auf die Kunst zu setzen.

Vom Berndorfer Stadttheater an die großen Opernbühnen der Welt. Was waren Ihre schönsten Auftritte?

Ich durfte ganz viele besondere Momente erleben. Magische und hoch erfüllende Kunstmomente können überall entstehen, es ist in erster Linie eine Frage der Konstellationen mit Menschen, mit denen man entweder harmoniert und auf einer Ebene arbeiten kann oder eben weniger. Nie vergessen werde ich meine erste Orchesterprobe an der Wiener Staatsoper, als mir die Wiener Philharmoniker nach der Fiaker-Milli-Arie lautstark applaudierten.

Sie stammen aus Pottenstein, leben in Wien, reisen (außer in Corona-Zeiten) um die Welt, wie sind die Verbindungen in die „alte Heimat“?

Sehr intensiv. Viele meiner besten Freunde leben in Niederösterreich, und wir sind seit der Kindheit eng miteinander verbunden. Auch die Tatsache, dass die Stadt Berndorf nach so langer Zeit auf mich zukommt und sagt „Gründen wir ein Festival gemeinsam“ freut und ehrt mich sehr.

Sie sind Mutter einer fünfjährigen Tochter. Wie funktioniert das Familienleben in der derzeitigen Situation?

Das funktioniert hervorragend. So viel wie derzeit hatte unsere Tochter Mama und Papa gemeinsam vor Ort noch nie. Diese Seite der Pandemie ist eine sehr schöne.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass Kunst und Kultur wieder oder weiterhin den Stellenwert in unserem schönen Land einnehmen, den sie immer hatten und auch haben müssen. Diese Verantwortung tragen wir als Kulturland Österreich.

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