Ex-Staatssekretär Sebastian Kurz und Landesrat Stephan Pernkopf ehrten Feuerwehrkurat Emeakaroha als Vorbild für Integration.

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Integration
12/20/2020

Buchtipp: Der afrikanische Pfarrer und das Dirndl

Emeka Emeakaroha verschlug es von Nigeria ins Pielachtal. In seinem neuen Buch beschreibt er humorvoll interkulturelle Missverständnisse.

von Bernhard Ichner

Welcher Priester verwendet eine Rolle Klopapier, um seine TV-Predigt in Zeiten von Corona noch anschaulicher zu gestalten? Derselbe, der als erster Schwarzer der niederösterreichischen Freiwilligen Feuerwehr beigetreten ist; der in der Lederhose an einer Trachtenmodenschau teilnahm und der von Sebastian Kurz als „Vorbild für gelungene Integration in Österreich“ geehrt wurde, als der nunmehrige Bundeskanzler noch Integrationsstaatssekretär war.

Die Rede ist von Emeka Emeakaroha (49). Der nigerianische Pfarrer der Pielachtaler Gemeinden Ober-Grafendorf und Weinburg ist ein Botschafter – nicht nur Gottes, sondern auch zwischen den Kulturen. Seit Jahren organisiert er Begegnungsreisen für Österreicher nach Nigeria. Er betreibt zahlreiche Sozialprojekte und informiert in Vorträgen über seine Heimat.

In seinem neuen Buch „Das Leben eines Afrikaners in Österreich“ beschreibt er die seltsame fremde Welt, die sich ihm da im ländlichen Mostviertel offenbart hat. Mit einem Augenzwinkern, aber auch mit einer klaren Botschaft: „Das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen – etwa der westafrikanischen und der österreichischen – ist etwas Spannendes und Bereicherndes.“ Missverständnisse seien da ebenso vorprogrammiert wie Aha-Erlebnisse.

Herausforderung Dialekt

Die einzige Voraussetzung für interkulturelle Harmonie sei „die Aufgeschlossenheit gegenüber dem Fremden“, meint Emeakaroha. Mit „dem Fremden“ meint er Österreich.

Wobei ein wesentlicher Faktor für gelungene Integration die Beherrschung der Landessprache sei – die tatsächlich gesprochene wohl gemerkt, nicht die im Deutschkurs erlernte. Dort habe man ihn nicht auf die Tücken der rustikalen Alltagskonversation vorbereitet, erzählt Emeakaroha im Gespräch mit dem KURIER. Das Wort „Dirndl“ fiel in all den Lektionen etwa kein einziges Mal.

Die erste Bedeutung des Wortes erlernte der Pfarrer erst, als ihm das Dirndl im Zuge eines Pfarrfestes als typisch österreichische Tracht präsentiert wurde. Die zweite wurde ihm bewusst, als er gegenüber Gläubigen erwähnte, wie schön er die Dirndln hierzulande fände.

Gerade als Priester solle er sich doch auf anderes konzentrieren, wurde ihm unter allgemeinem Gelächter nahegelegt. Dass „Dirndl“ auch die Bezeichnung für ein junges Mädchen ist, half ihm allerdings wenig beim Besuch eines Mostheurigens, wo neben Dirndlschnaps auch Dirndlaufstrich auf der Karte stand. Und das im nach der Kornelkirsche benannten Dirndltal.

Insbesondere die Kulinarik biete ausreichend Gelegenheiten für Missverständnisse, schreibt Emeakaroha. Bei der Bezeichnung „Vogerlsalat“ frage sich der Westafrikaner etwa, ob das nun Salat aus Vögeln oder Salat für Vögel sei. Und auch die „Gebackenen Mäuse“ stellte sich der Zuzügler komisch vor. „Ich dachte mir, ich sei in China gelandet“, erinnert sich der Pfarrer.

Auch habe er sich bei einem Restaurantbesuch erst gewundert, warum man am Nebentisch lachte, als er sich einen „Mohr im Hemd“ bestellte. Und nach der Erklärung des Begriffs habe er sich gefreut – „weil die Österreicher Schwarze offenbar so sehr lieben, dass sie ihnen so eine köstliche Speise widmen“.

Christliche Botschaft

So weit das Augenzwinkern. Mit Rassismus habe er bis dato aber tatsächlich keine Erfahrungen gemacht, sagt Emeka Emeakaroha. „Ich wurde vom ersten Tag an gut aufgenommen.“ Er spüre das „Wohlwollen der Menschen“. Nicht zuletzt bei der Feuerwehr.

In deren Prinzip finde er die christliche Botschaft wieder, sagt der Pfarrer und Feuerwehrkurat: „Mich begeistert die bedingungslose Bereitschaft zu helfen. Da lassen arbeitende Familienväter alles stehen und liegen, wenn der Nachbar in Not ist.“

Bei Feuerwehrfesten ließ sich Emeakaroha ursprünglich freiwillig zum Schankdienst einteilen. Bis er feststellte, dass man da oft auf ein Achterl eingeladen wird. Also wechselte er vorsichtshalber zum Tombolalos-Verkauf.

Dabei wären die österreichischen Trinksprüche ganz nach dem Geschmack des Geistlichen – überhaupt der, der sich auf die Feindesliebe im Evangelium bezieht und da lautet: „Alkohol, du bist mein Feind, aber im Evangelium steht: ,Du sollst deine Feinde lieben.’ Also Prost.“ Womit wir wieder beim Augenzwinkern wären.

Buchtipp: „Erfahrungen eines Afrikaners in Österreich“ (15€) kann unter emeakaroha@yahoo.com bestellt werden. Der Kauf unterstützt Spitals- und Schulprojekte in Nigeria.

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