Rot Kreuz-Bezirksstellenkommandant Thomas Habrich, Bürgermeister Klaus Schneeberger, Leiterin der Fakultät Gesundheit Bettina Koller-Resetarics, FH-Geschäftsführer Peter Erlacher und Magistratsdirektor Markus Biffl bei den Corona-Tests im FH-City-Campus

© Stadt Wr. Neustadt/Pürer

Chronik Niederösterreich
12/14/2020

Beteiligung am Massentest wird zur Rassismus-Debatte

Wr. Neustadts Bürgermeister thematisiert das Fernbleiben von Menschen mit Migrationshintergrund und erntete dafür Kritik.

von Patrick Wammerl

Dass die Gruppe der unter 30-Jährigen den Corona-Massentests verstärkt fernbleibt, hat bisher niemanden sonderlich aufgeregt. Die Feststellung des Wiener Neustädter Bürgermeisters Klaus Schneeberger (ÖVP), wonach auch Bürger mit Migrationshintergrund bisher nur spärlich erschienen sind, hat hingegen für großes Echo gesorgt. Jedes Mal, wenn Schneeberger in der Vergangenheit das Thema gesellschaftlicher Fehlentwicklungen durch migrationsbedingte Parallelgesellschaften in den Mund genommen hat, war der Aufschrei von SPÖ, Grünen und dieses Mal auch von SOS-Mitmensch groß. Ein Viertel der Wiener Neustädter hat Migrationshintergrund.

15 Prozent Beteiligung

In ÖVP-Kreisen hält man die „künstliche Aufregung“ für entbehrlich. Es müsse doch erlaubt sein, so ein wichtiges Thema öffentlich anzusprechen, heißt es aus Schneebergers Umfeld. Der Stadtchef habe am Wochenende nur die Beobachtung jener verantwortlichen Personen wiedergegeben, die an 27 Teststraßen die Corona-Tests durchführten. Aufgrund der personenbezogenen Daten habe man dort nachvollziehen können, dass sich „sehr wenige Menschen mit Migrationshintergrund“ testen ließen. Insgesamt lag die Teilnahme am Massentest bis Montag in Wiener Neustadt bei nur 15 Prozent.

Türkische Plakate

Dabei gab es gerade aufgrund des großen Migrationsanteils eine breit angelegte Infokampagne für den Massentest in türkischer und englischer Sprache. Im Stadtgebiet wurde mehrsprachig in Supermärkten und an neuralgischen Punkten plakatiert. Auch die örtlichen Migrationsvereine wurden eingeladen, die Massentests zu bewerben.

Übrig bleibt nun das politische Hickhack. Der Landesgeschäftsführer der SPÖ-NÖ, Wolfgang Kocevar, bezeichnet Schneebergers Äußerungen als „skandalös“. „Eine letztklassige und peinliche Aussage, welche lediglich darauf abzielt, die Gesellschaft zu spalten, um von den eigenen Versäumnissen von Bundeskanzler Kurz und seiner Chaos-Truppe in der Regierung abzulenken“, so Kocevar.

Gründe für das Fernbleiben

Auch für den Wiener Neustädter SPÖ-Vizebürgermeister Rainer Spenger ist die Beteiligung an den COVID-Tests in der Stadt wenig zufriedenstellend. „In der Analyse des ‚Warum’ unterscheiden wir uns aber diametral“, so Spenger zu Schneebergers Aussagen. Für ihn liegen die Gründe der schwachen Teilnahme am "geringen Vertrauen der Bevölkerung in die doch nicht zu 100-Prozent sicheren Antigen-Tests. Weiters an der Angst, wenige Tage vor Weihnachten einen positiven Befund zu haben und damit die ganze Familie in Quarantäne zu schicken. Außerdem sieht er eine rapide steigende Corona-Müdigkeit der Menschen und ortet Protest, weil immer weniger Personen die Maßnahmen der Bundesregierung mittragen würden.

Dienstag wird noch getestet

Die COVID-19-Massentests laufen in Wiener Neustadt noch bis Dienstag, 15. Dezember, jeweils von 8 bis 18 Uhr. Eine Voranmeldung ist nicht mehr notwendig.

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