© Kevin Kada

Verkehr
07/26/2020

Baustellen-Sommer: Langes Warten auf den Zug

Eine Anweisung verhindert, dass Passagiere des Schienenersatzverkehrs ihren Anschlusszug erreichen.

von Kevin Kada

Alle Jahre wieder müssen sich Bahnfahrer über ein Wort ärgern: Schienenersatzverkehr (SEV). Aktuell seit 18. Juli und noch bis Schulbeginn am 6. September müssen Pendler zum Beispiel auf der Nordwestbahnstrecke zwischen Retz und Stockerau mit Verzögerungen rechnen. Der KURIER wagte eine Testfahrt mit dem Schienenersatzverkehr.

Am ersten Tag lagen die Nerven bei einigen Zugpassagieren bereits blank. „Man steht eine halbe Stunde früher am Bahnhof, um mit dem Bus nach Stockerau zu fahren. Dort angekommen, fährt der Zug genau dann weg, wenn der Bus erst die Türen öffnet“, ärgerte sich Pendlerin Lina Kappe, die von Guntersdorf nach Wien fuhr.

"Bedauern Anlaufschwierigkeiten"

Dass Züge die Passagiere des Schienenersatzverkehrs nicht abwartet, betrifft zahlreiche Pendler. Das bestätigt auch ÖBB-Sprecher Daniel Pinka: „Es ist korrekt, dass es auf der Nordwestbahnstrecke bei einigen Verbindungen im Morgenverkehr zu Verspätungen kam. Wir bedauern die Anlaufschwierigkeiten und haben bereits entsprechend gegengesteuert.“

Anlaufschwierigkeiten, die beim Schienenersatzverkehr allerdings nicht nur regelmäßig auftreten, sondern mittlerweile sogar System haben dürften: Denn ein ÖBB-Angestellter im Fahrdienst, der anonym bleiben möchte, meldete sich beim KURIER mit einer Anschuldigung: „Es gibt eine Anweisung, dass Lokführer und Fahrdienstleiter die SEV-Busse nicht mehr abwarten dürfen, weil dadurch sonst Verspätungen auftreten“, erklärt er.

"Paar Minuten waren in Ordnung"

Früher habe man diese Verspätungen in Kauf genommen, wie der ÖBB-Mitarbeiter erklärt: „Ein paar Minuten waren in Ordnung.“ Doch mittlerweile müssen sich Zugbegleiter, Fahrdienstleiter und Lokführer strikt an den Plan halten. Egal, ob die Bus-Passagiere bereits angekommen sind oder nicht. „Früher war es auch so, dass ein Mitarbeiter dann den Mitarbeitern im Zug Bescheid gegeben hat, wenn alle Passagiere aus den Bussen im Zug waren.“

30 Minuten warten

Mit der Anschuldigung konfrontiert, bestätigt ÖBB-Sprecher Pinka diese und begründet: „Anschlüsse vom Zug zum Bus werden grundsätzlich abgewartet – jedoch nur, wenn dadurch keine weiteren Verbindungen betroffen sind. Bei verspäteter Abfahrt der Züge in Richtung Wien würde sich die Verspätung aber auf die zahlreichen Züge der S-Bahn-Stammstrecke in Wien ausdehnen.“

Die Leidtragenden sind die Pendler. Denn sie müssen auf dem Weg zur Arbeit oft 30 Minuten auf den nächsten Zug warten. „Das ist eine absolute Frechheit. Da brauchen sich die ÖBB nicht wundern, wenn die Leute auf das Auto umsteigen“, ärgert sich ein Pendler beim Lokalaugenschein auf dem Stockerauer Bahnhof.

Der aktuelle Fall zeigt, dass durch die hohe Dichte an Zügen auf der Wiener S-Bahn-Stammstrecke, kaum Spielraum für Verspätungen bleibt. Das zeigt sich auch im alltäglichen Zugverkehr ohne Baustellen – auch dort richtet ein schadhafter Zug oder eine leichte Verspätung oftmals schon ein Verkehrschaos aus.

Die Reaktion mancher Lokführer mit der Anweisung dürfte den ÖBB übrigens nicht gefallen. „Wir verzögern die Abfahrt manchmal absichtlich, damit die Bus-Passagiere noch den Zug erreichen“, sagt einer zum KURIER.

Auch in diesem Jahr wird im Schienennetz der Ostregion gearbeitet, was Verzögerungen für Pendler bedeutet. Der KURIER hat die wichtigsten Baustellen   der Österreichischen Bundesbahnen zusammengefasst:

Aktuell läuft bereits die Totalsperre der Nordwestbahn zwischen Retz und Stockerau (siehe Bericht links). Der Schienenersatzverkehr läuft noch bis zum 6. September. Pendler müssen sich auf Verspätungen bis zu 45 Minuten einstellen.

Auch auf der Linie S60 zwischen Wien Hauptbahnhof bis Gramatneusiedl bzw. Bruck/Leitha wird gebaut. Bereits seit 15. Juni und noch bis 7. September fallen alle Züge auf der Strecke aus. Zwischen Wien und Bruck/Leitha fallen vereinzelt REX-Züge aus.

Seit 3. Juli und noch bis 8. August wird auf der Franz-Josefs-Bahn gebaut. Ein Großteil der Züge auf der Schnellbahnlinie S40 zwischen Wien Franz-Josefs-Bahnhof und Kritzendorf bzw. St. Andrä/W. sowie zwischen Klosterneuburg und Tulln fallen aus.

Auf der Linie S50 zwischen Wien-Westbahnhof und Unterpurkersdorf bzw. Tullnerbach-Pressbaum fahren noch bis zum 1. August keine Züge.

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