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Chronik Wien
07/21/2020

Kein Baustellensommer wie damals: Mehr Stau wegen der Corona-Krise

Wien: Autofahrer müssen heuer auf den Sommereffekt verzichten. Problemkinder sind die Tangente und der Gürtel. Dabei steht eine große Sperre erst bevor.

von Katharina Zach

Stau am Gürtel, Stau auf der Tangente oder Stau auf der Nordbahnstraße. Autofahrer haben es derzeit nicht leicht. Für manche Strecken 30 Minuten mehr Zeit einzuplanen, lohnt sich definitiv.

Die Stadt steuert derzeit dem Höhepunkt des Baustellensommers entgegen. Denn traditionell werden die Ferien gerne für Straßensanierungen oder Gleisbauarbeiten genutzt. Nicht nur, weil da das Wetter für die Bauprojekte mitspielt, wie Wiens Baustellenkoordinator Peter Lenz erklärt. Sondern auch, weil es dann im Schnitt 20 Prozent weniger Verkehr auf den Straßen gibt.

Eine Regel, die heuer jedoch außer Kraft gesetzt ist. Die Folge: Mehr Stau auf Wiens Straßen.

Kein Sommerloch

"Es hat sich der Verkehr in den Ferien nicht wesentlich geändert zu jenem unter dem Jahr", sagt Lenz. Das typische Sommerloch, das gebe es heuer nicht.

Das merken Autofahrer auf den Hauptverkehrsrouten. Über den Gürtel beim Westbahnhof beispielsweise, würden im Sommer um 25 Prozent weniger Autos rollen. Auf der Triesterstraße seien 17 Prozent weniger Fahrzeuge unterwegs, auf der Pragerstraße 19 Prozent. Auf der Museumstraße geht der Verkehr in den Ferien sogar um 29 Prozent zurück.

Fragt man Baustellenkoordinator Peter Lenz, wann die Straßen in Wien am leersten sind, hat er die Antwort sofort parat: im August. Mitten im Hochsommer sind in der Stadt die wenigsten Autos unterwegs. Hingegen gibt es in den Monaten Mai und Juni sowie Oktober und November den meisten Verkehr.

Deutlich machen den Unterschied zwischen Sommer und dem restlichen Jahr die Zahlen. Im Schnitt sind in den Ferien 20 Prozent weniger Pkw in der Stadt unterwegs. Die Zahl der Autos wird regelmäßig bei den Dauerzählstellen erfasst.

In der Prager Straße waren 2018 im Jahresschnitt 11.456 pro Tag unterwegs. Im August 2019 waren es im Schnitt 10.517.

Auf der Reichsbrücke waren es im Jahresschnitt 44.811 pro Tag - im Vergleich zu 38.749 im August.

Auf der Triesterstraße wurden im Jahresschnitt 22.065 Autos innerhalb von 24 Stunden gezählt. Im August waren es 20.573.

Am Gürtel beim Westbahnhof sieht man den Sommereffekt noch deutlicher. Waren im Jahresschnitt dort 77.748 Autos pro Tag unterwegs, reduzierte sich der Verkehr im August auf 68.837.

In der Museumstraße stehen 33.928 Autos im Jahresschnitt 29.160 im August gegenüber.

Dass es kein Sommer-Phänomen gibt, hat man auch beim ÖAMTC beobachtet. Erst Dienstagfrüh warnte der Verkehrsclub in einer Aussendung vor einer neuen Baustelle am Hietzinger Kai. Die Belagsanierung soll übrigens eine Woche dauern.

Die Ursache für das Stau-Dilemma: Corona. Denn mittlerweile ist das Verkehrsaufkommen weitgehend wieder auf dem Niveau von vor dem Lockdown. Gleichzeitig bleiben aber zahlreiche Wiener in der Stadt.

"Es fahren weniger Leute weg als im Vorjahr. Der übliche Verkehr in Wien und rund um Wien ist verstärkt", berichtet man auch bei der ÖAMTC-Mobilitätsinformation. "Es wird ein heißer, ein etwas anderer Sommer."

Stau unter Beobachtung

Besonders bemerkbar macht sich das naturgemäß auf den Hauptverkehrsrouten. Kilometerlange Staus auf der Wiener Tangente gehören auch im heurigen Hochsommer zum Alltag. Noch dazu beginnt der Feierabendverkehr mittlerweile früher. "Bisher gab es erst ab 16 Uhr Verzögerungen, jetzt geht es bereits um 13, 14 Uhr los", weiß man beim ÖAMTC.

Bei der Stadt hat man nun ein genaues Auge auf das Verkehrsaufkommen. "Wir prüfen das", sagt Baustellenkoordinator Lenz. Konkret soll die Zahl der Autofahrten in der Stadt im Juli und August erfasst und ausgewertet werden. "Interessant ist, was sich durch Covid geändert hat", meint Lenz. Die Erkenntnisse sollen dabei helfen, den Baustellensommer 2021 zu planen. So sei man - falls die Krise dann noch nicht vorbei ist - gerüstet.

Vier bis fünf "Problemprojekte"

Insgesamt gibt es in Wien pro Jahr 10.000 bis 12.000 Baustellen. 400 davon haben Auswirkungen auf den Verkehr. Von diesen finden 200 Projekte im Sommer statt, rechnet Lenz vor. Von den meisten Baustellen würden die Autofahrer aber trotzdem kaum etwas mitbekommen. Denn nur 30 würden den Verkehr beeinflussen. Heuer gebe es vier bis fünf Projekte, die für Probleme sorgen. Dass man Baustellen angesichts der Entwicklung verschiebt, sei aber keine Option, meint Lenz. "Baustellen sind ganz wichtig für den Erhalt der Infrastruktur."

Zudem würde man dadurch auch die Bauwirtschaft ankurbeln. In Zeiten von Corona für Lenz auch kein unwesentlicher Aspekt. Und wohin sollte man sie denn verschieben? In den Herbst? Auch da würde der Verkehr nicht weniger werden.

Puzzeln mit Baustellen

Umso wichtiger sei es daher, die einzelnen Baustellen miteinander abzustimmen. Etwa bei der Tangentensanierung, bei der es heuer gleich zwei große Projekte gebe. An der Hochstraße St. Marx und am Knoten Kaisermühlen. "Derzeit beschäftigen uns die Sperren der Gürtelabfahrt", sagt Lenz. Auch die Wiener Linien führen derzeit zahlreiche Gleisbauarbeiten durch. Beispielsweise in der Lerchenfelder Straße, der Alser Straße oder der Hütteldorfer Straße.

Man müsse darauf achten, dass dann zumindest die Ausweichrouten baustellenfrei sind. "Das ist eine ziemliche Puzzlearbeit, aber es gelingt uns", sagt Lenz.Das nächste größere Projekt ist jedenfalls die Sperre der Auffahrt vom Gürtel auf die A23 in Richtung Süden. Ab 6. August wird die Rampe gesperrt. Der Baustellenkoordinator rät, unbedingt mehr Zeit einzuplanen.

Und er hat auch ein paar Tipps zum Ausweichen parat: Vom Gürtel kommend können Autofahrer über den Matzleinsdorfer Platz, die Triesterstraße und die A2 fahren. Möglich ist auch die Route über den Südtiroler Platz, die Laxenburger sowie die Grenzacker Straße, den Verteilerkreis Favoriten und die A23. Oder großräumiger über die A22 auf die A23 oder die Erdberger Lände zum Knoten Prater.

Starke Nerven am Gürtel

Bereits jetzt sind die Stau-Hotspots neben der Tangente auch die Westeinfahrt sowie die Ringstraße. Große Sorgen bereitet gerade in der Früh der Gürtel. Beim Währinger Gürtel, wo aktuell wegen Betonfeldarbeiten zwei Spuren gesperrt sind, kommt es zu Verzögerungen von rund 30 Minuten. "Da müssen Autofahrer wirklich Geduld haben", heißt es beim ÖAMTC.

Auch am Lerchenfelder Gürtel bildet sich jeden Morgen im Bereich Westbahnhof kilometerlanger Stau. Die gute Nachricht: Die Spursperren am Lerchenfelder Gürtel würden nur noch diese Woche andauern. Grund sind die Gleisbauarbeiten im Kreuzungsbereich Lerchenfelder Straße, Kaiserstraße und Blindengasse. Die Querverbindung über den Gürtel bleibt bis September gesperrt.

Baustellen wie jedes Jahr

Weiterhin starke Nerven brauchen Autofahrer am äußeren Gürtel. Denn auf diesem ist - wie in allen geraden Jahren - die Betonfeldsanierung fällig. Noch sorgt die Sperre von zwei Spuren am Währinger Gürtel für Probleme, nächste Woche wandert die Baustelle Richtung Margaretengürtel im Bereich Eichenstraße. Auch hier ist aber laut Lenz mit Staus zu rechnen. Die Arbeiten am äußeren Gürtel dauern bis 30. August.

Bis dahin helfen nur die altbekannten Tipps: mehr Zeit einplanen, zu verkehrsärmeren Zeiten fahren, Verkehrsinfos hören und Ausweichrouten planen. Oder auf die Öffis umsteigen - mit Maske!

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