Mutter des Babys ist bereits in der Justizanstalt.

© KURIER/Johannes Weichhart

Interview
02/15/2017

Baby starb: Eltern unter Mordverdacht

Kurz vor ihrer Festnahme sprach die Mutter mit dem KURIER über den Tod des kleinen Maximilian.

von Johannes Weichhart, Patrick Wammerl

Mit einem leisen Surren öffnet sich das elektronische Gartentor, vor der Eingangstür eines kleines Einfamilienhauses im Osten St. Pöltens steht Monika Z. Sie führt an einem Kinderwagen vorbei ins Wohnzimmer, lässt sich in einen Couchsessel fallen, ihre Hände zittern.

Die 26-Jährige ist die Mutter des kleinen Maximilian O., der in der Nacht auf Sonntag auf der Kinderklinik des SMZ-Ost in Wien den Kampf um sein Leben verlor. Staatsanwaltschaft und Polizei gehen davon aus, dass der dreieinhalb Monate alte Bub so schwer misshandelt wurde, dass er an seinen Verletzungen starb. Für den 33-jährigen Lebensgefährten der jungen Polin, Waldemar O., klickten noch am Sonntag die Handschellen. Sie selbst stritt in einem Gespräch mit dem KURIER Dienstagvormittag vehement ab, selbst in den Tod ihres Kindes verwickelt zu sein. Doch im Laufe des Tages überschlugen sich die Ereignisse.

Gewalteinwirkung

Kurz nach dem Interview bekam Monika Z. Besuch von der Kriminalpolizei. Ebenso wie der Kindsvater steht die Frau nun unter Mordverdacht, auch sie wurde Dienstagnachmittag festgenommen. Das vorübergehende Obduktionsergebnis der Gerichtsmedizin hat für die Staatsanwaltschaft St. Pölten den Ausschlag gegeben, Ermittlungen wegen Mordverdachts zu führen.

Es sind schaurige Details, die bei den Untersuchungen des toten Säuglings ans Tageslicht gekommen sind. "Als Todesursache wurde eindeutig ein Schädel-Hirn-Trauma festgestellt", erklärt der Sprecher der Staatsanwaltschaft St. Pölten, Karl Wurzer. In der Schläfenregion des Kopfes wurde ein "massives Trauma" festgestellt. Mit diesem Ergebnis kann man davon ausgehen, dass es eine beträchtliche Gewalteinwirkung gegen den Kopf des Kindes gegeben hat, heißt es. Eine derartige Verletzung könne nicht von einem gewöhnlichen Sturz oder ähnlichem herrühren.

Als das Kind Samstagabend in lebensbedrohlichem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert wurde, war zwar nur der Kindsvater zu Hause. Dies entlaste die Mutter jedoch noch nicht, meint Wurzer. Denn es gäbe Indizien dafür, dass gewisse Verletzungen des Kindes von einem früheren Zeitpunkt herrühren. Um dies zu klären, wird es von Seiten des gerichtsmedizinischen Sachverständigen noch weitere Untersuchungen am Leichnam geben, so Wurzer.

Er rechnet mit einem Ergebnis in den kommenden Tagen. Neben dem Schädelbruch hatten bereits die behandelnden Ärzte im Spital Rippenbrüche, Hämatome und eine Netzhautablösung bei dem Säugling festgestellt und sofort die Polizei über den schwerwiegenden Verdacht informiert.

Die Erhebungen wurden nicht von der Mordkommission des nö. Landeskriminalamts, sondern von Kriminalbeamten des Stadtpolizeikommandos St. Pölten übernommen. Nun gilt es, die genaue Verantwortung der Eltern zu klären. Der Kindsvater bestreitet die Vorwürfe, die Eltern belasten sich gegenseitig.

Monika Z. berichtete, dass sie zum Zeitpunkt der Tragödie Samstagabend mit Freunden in Wien zusammen war. "Dann kam eine eMail von meinem Lebensgefährten, dass es Maximilian nicht gut geht." Sie habe sich sofort auf den Heimweg gemacht, doch zu Hause erreichte sie die Nachricht, dass die Ärzte den Kampf um ihr Baby verloren hatten. "Die Polizei sagte mir, dass er heftig geschüttelt worden sein soll. Es ist alles so schrecklich."

Laut der 26-Jährigen sei Maximilian eine Frühgeburt gewesen. Am 29. Oktober 2016 hatte er deutlich zu früh das Licht der Welt erblickt. "Vielleicht ist das der Grund, warum er viel geschrien hat. Es war manchmal deshalb schon anstrengend. Aber wenn ich ihn zum mir auf den Bauch gelegt habe, hat er sich eigentlich wieder schnell beruhigen lassen."

WhatsApp-Nachricht

Zu diesen Aussagen der Mutter passt eine WhatsApp-Nachricht, auf die die Polizei bei der Auswertung ihres Mobiltelefons gestoßen ist. Sinngemäß soll sich die 26-Jährige über das Geschrei ihres Babys beklagt haben. Ein Beweis für ihre Überforderung mit dem Kind?

Laut dem Leiter des St. Pöltner Jugendamtes, Gerhard Karner, haben sich die Eltern zwar bei der Jugend-Infostelle des Magistrats über Möglichkeiten der Unterstützung erkundigt. "Sie haben aber später gesagt, dass sie zurecht kommen. Daher ist kein weiterer Termin mit ihnen zustande gekommen", sagt Karner. Es gab sonst keinerlei Auffälligkeiten, von denen man Kenntnis hatte.

Das Jugendamt kümmert sich seit der Tragödie um die Obsorge des eineinhalbjährigen Bruders von Maximilian. Das Kind war während der Geschehnisse Samstagabend in dem St. Pöltner Wohnhaus ebenfalls unter der Aufsicht des Vaters. Laut Polizei sind bei der Untersuchung des älteren Buben aber keine Verletzungen festgestellt worden.

Aggressiv

Im Gespräch mit dem KURIER erzählte Monika Z., dass die Beziehung zu ihrem Lebensgefährten äußert problematisch und belastend gewesen sei: "Mein Freund war in letzter Zeit nervös, manchmal auch aggressiv. Als wir noch in Deutschland wohnten, drehte er einmal durch und hat mir sogar ein Messer an den Hals gesetzt. Außerdem hat er gelogen. Er hat immer wieder davon erzählt, dass er einen Job hat, doch das glaube ich ihm nicht. Er war ja meistens daheim. Ich wollte mich deshalb schon lange von ihm trennen. Es ist mir in den vergangenen zweieinhalb Jahren aber nicht gelungen", schilderte die 26-Jährige noch vor ihrer Festnahme.