© Markus Berger

Chronik Niederösterreich
09/20/2020

Aufstand gegen den Biker-Wahnsinn in der Kalten Kuchl

Eine Bürgerinitiative, die Politik und die Polizei sagen den extremen Rasern nun den Kampf an.

von Patrick Wammerl, Johannes Weichhart

Mit dem Herbst und den frischeren Temperaturen wird es ruhiger in den Gemeinden entlang der berüchtigtsten Motorradstrecke Niederösterreichs. Doch der Schallpegel des Sommers wirkt in der Kalten Kuchl und in ihrer Umgebung noch lange nach.

Kein Wunder, denn Motorradfahren ist beliebt: Knapp 29.000 Motorrädern werden pro Jahr in Österreich zugelassen.

Ganz abgesehen von unbelehrbaren Rasern und dem massiven Geschwindigkeitsrausch ist die zunehmende Lärmbelästigung der größte Konfliktherd entlang der beliebten Strecken. Die Motorradindustrie ist ein milliardenschweres, boomendes Geschäft und der Klang der Maschinen ein Instrument, mit dem man die Emotionen der Kunden schürt.

Akustisch Jet, tatsächlich Bike

Mittlerweile gibt es Maschinen mit Auspuffanlagen, bei denen 110 Dezibel ganz legal im Typen- und Zulassungsschein eingetragen sind, stellten Mitarbeiter des technischen Prüfzuges vom Land Niederösterreich bei einer Schwerpunktkontrolle Ende Juli in der Kalten Kuchl fest.

Wenn man auf der Straße ein solches Gefährt hört, vermutet man eher den Start eines Jets, als das Herannahen eines Motorrades.

So wahrgenommen haben das im heurigen Jahr auch Urlauber in Kleinzell im Bezirk Lilienfeld. Sie haben die Lärmbelästigung durch die Biker als so schlimm empfunden, dass eine Bürgerinitiative aus dem Raum Mödling die Online-Petition „Zu viel ist zu viel“ gestartet hat.

„Die Bevölkerung von schönen ländlichen Landstrichen leidet. Die WHO setzt für Lärmschädigung von Umgebungslärm Grenzwerte von 53 Dezibel fest und die Motorräder haben oft über 100“, so die Initiative.

Es gehe nicht darum, das Motorradfahren per se zu untersagen, sondern die gesundheitsschädliche Lärmbelästigung hintanzuhalten.

Viele Beschwerden

Dass die Politik nun härter gegen extreme Raser vorgehen und die Strafen empfindlich nach oben setzen will (der KURIER berichtete), freut auch Reinhard Hagen, Bürgermeister von Kleinzell im Bezirk Lilienfeld: „Es gab heuer besonders viele Beschwerden aus der Bevölkerung. Anrainer und auch Wanderer leiden unter jenen, die sich nicht an die Gesetze halten wollen.“

Schon mehrmals wollte der Ortschef das Heft selbst in die Hand nehmen, forderte eine Geschwindigkeitsbegrenzung und ein mobiles Tempomessgerät. Er stieß aber immer auf taube Ohren. „Wir haben grundsätzlich nichts gegen Motorradfahrer. Aber jene, die die Straße mit einer Rennstrecke verwechseln, wollen wir hier einfach nicht haben“, betont Hagen.

Mehr Kontrollen

Die Kalte Kuchl ist aber nicht nur ein Hotspot für Biker, auch die Polizei ist in der Region sehr aktiv. Die Kontrollen sollen im kommenden Jahr noch intensiviert werden, verspricht Gottfried Macher von der Landesverkehrsabteilung Niederösterreich.

Zuletzt seien vier neue Lärmmessgeräte angeschafft worden, zudem werde eng mit dem Prüfzug des Landes zusammengearbeitet, betont Macher. Bei einem Planquadrat im Sommer wurden insgesamt 215 Strafen für Biker ausgestellt. Ein Lenker war mit knapp 170 km/h unterwegs, elf Motorradfahrer musste ihren Führerschein abgeben.

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