Sechs Containerdörfer errichtete Eder, darunter auch jenes in Amstetten (Bild).

© Atzenhofer Wolfgang

Chronik Niederösterreich
03/15/2019

Asyl-Pleite in Niederösterreich: Schon 16 Quartiere geschlossen

Sanierung der Firma von Herbert Eder läuft. Ein Kredit wurde durch die Einnahmen vom Land NÖ besichert

von Katharina Zach, Kid Möchel

Das Insolvenzverfahren des niederösterreichischen Asylheim-Betreibers Herbert Eder, sprich seiner Eder Beteiligungsverwaltung GmbH, erweist sich als eher schwerer Brocken. Vor allem die vielen Standorte der Flüchtlingsquartiere sind für den Insolvenzverwalter, den St. Pöltner Anwalt Friedrich Nusterer, eine Herausforderung.

Bereits Ende Februar hat Nusterer die erste Reißleine gezogen und 16 Flüchtlingsquartiere geschlossen. Auch zehn Mitarbeiter haben das Unternehmen verlassen, vier bis fünf mussten insolvenzbedingt gekündigt werden.

Größte Nummer im Asylgeschäft

Dabei war Eder, wie berichtet, noch vor Kurzem die größte Nummer im lukrativen Geschäft mit Asylwerbern in Niederösterreich. Am Höhepunkt der Flüchtlingsbewegung beschäftigte er 140 Mitarbeiter in 145 Quartieren. Dann wurden die Flüchtlingszahlen jedoch weniger. Eder stolperte über hohe Investitionskosten etwa für die Errichtung von Containerdörfern, die dann leer standen.

Zum Zeitpunkt der Pleite führte Eder nur mehr 48 Quartiere mit 38 Dienstnehmer. Geblieben sind nun rund 30 Heime und 29 Mitarbeiter.

Geringe Finanzmittel

Laut KURIER-Informationen stehen dem Unternehmen, das nach einer Sanierung weitergeführt werden soll, nur geringe finanzielle Mittel zur Verfügung. Die Auszahlung des Taschengeldes, das den Flüchtlingen rechtlich zusteht, kann damit aber abgedeckt werden.

Es ist ein tiefer Fall für Eder. Immerhin machte er 2016 rekordverdächtige 1,5 Millionen Euro Umsatz im Monat.

"Es läuft gut"

Dennoch meint Sanierungsverwalter Nusterer: „Es läuft ganz gut“. Die Finanzierung der Unternehmensfortführung ist mittlerweile in trockenen Tüchern. Der Insolvenzverwalter hat bei der Hausbank einen Kontokredit-Rahmen von bis zu 340.000 Euro herausgeschlagen, der bis zur Sanierungsplantagsatzung bei Gericht am 30. Juni 2019 befristet ist.

Dieser Kredit soll durch die Einnahmen aus der Flüchtlingsbetreuung besichert werden, die vom Land Niederösterreich fließen.

Zur Erinnerung: Das Land zahlt Quartiergebern in Vollversorgungsquartieren 19 bis maximal 21 Euro pro Person und Tag für Unterbringung und Verpflegung und etwaige Sonderleistungen wie Transporte. „Wir sind im ständigen Kontakt mit der Abteilung des Landes. Das Land ist ja bestrebt, dass alles gut läuft“, sagt der Sanierungsverwalter.

„Die Finanzierung des Fortbetriebs ist kreativ, aber auch relativ sicher“, sagt Gerhard Weinhofer vom Gläubigerschutzverband Creditreform zum KURIER. „Man muss jetzt aber einmal abwarten, wie sich weiter die Flüchtlingszahlen und damit auch die Einnahmen entwickeln.“

Apropos Flüchtlingszahlen: Derzeit betreut die Eder Beteiligungsverwaltung GmbH noch 450 Asylwerber, sagt Nusterer. „Die Quartiere müssen an die niedrigen Flüchtlingszahlen angepasst werden“, erklärt er.

Waldviertel betroffen

Geschlossen wurden vorwiegend Einrichtungen im Waldviertel. Genannt werden im Insolvenzbericht die Gemeinden Allentsteig, Amstetten, Heidenreichstein, St. Martin, Vitis, Waidhofen/Thaya. „Die Flüchtlinge haben wir versucht in großen Quartieren zusammenzulegen. Anstatt in der Peripherie kleine Quartiere offen zu halten“, sagt Nusterer.

Das sei sinnvoll, würden die Menschen ja auch eine gewisse „soziale Grundbetreuung“ brauchen. Etwas, das Eder zuletzt im Gespräch mit dem KURIER vermeiden wollte. Er wollte die Bewohner aus „humanitären Gründen“ nicht aus ihrem Umfeld reißen.

113 Flüchtlingsheime nicht mehr benötigt

Auch Nusterer betont, dass der Grund für die Unternehmenskrise die stark gesunkenen Flüchtlingszahlen seien. Tatsächlich befanden sich im Mai 2016 noch rund 15.000 Menschen in Landesquartieren, im Februar 2019 waren es nur noch 5173 in insgesamt 436 Quartieren. Allein 2018 wurden 113 Flüchtlingsheime geschlossen, weil es keinen Bedarf mehr gab.

Eder selbst war für den KURIER am Donnerstag telefonisch nicht zu erreichen.