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© KURIER/Wolfgang Atzenhofer

Chronik | Österreich
02/22/2019

Brisante Asylheim-Pleite: Das Firmennetz des Esoterikers Eder

Herbert Eder betreibt nicht nur Asylunterkünfte, sondern konzentriert sich künftig auf Gesundheitsesoterik wie Humanenergetik, Radionik und Informationsmedizin.

Die Großpleite des Asylheimbetreibers Herbert Eder, sprich seiner Eder Beteiligungsverwaltung GmbH, schlägt hohe Wellen.

Am Tag danach nimmt Geschäftsführer Eder erstmals Stellung. 1,5 Millionen Euro Umsatz pro Monat machte er als Geschäftsführer der Asylheime unter der Marke „SLC Asylcare“ am Höhepunkt der Flüchtlingswelle, er beschäftigte 140 Mitarbeiter in 145 Quartieren. Jetzt sind es nur noch 38 Arbeitnehmer in 48 Quartieren.

Dass die finanziellen Turbulenzen mit der Zeit immer schlimmer wurden, ist laut Eder auf die sinkenden Flüchtlingszahlen zurückzuführen.

„Da haben alle das gleiche Los, ob NGOs oder Private“, sagt der Unternehmer. „Das hat sich bei uns enorm abgezeichnet, weil wir von der Größe her eine Dimension hatten, die sonst keiner hat.“

Nun stehen viele Quartiere fast leer – aber nicht völlig. Aus „humanitären Gründen“ will Eder die verbliebenen Bewohner nicht aus ihrem Umfeld reißen. Er will die Heime erst schließen, wenn die Betroffenen einen Asylbescheid haben.

Aktuell werden bei „SLC Asylcare“ noch 460 Asylwerber betreut. Seit Ende Dezember habe er nur einen Flüchtling vom Land zugeteilt bekommen, erklärt „Meister Eder“, wie er im weiteren Umfeld auch genannt wird.

Dazu kommt, dass sich die Quartiere auch wegen der schnellen Verfahrensdauer leerten. Das habe sich „betriebswirtschaftlich negativ“ ausgewirkt. Im schlimmsten Fall rechnet Eder nun, pro Monat 50 Asylwerber zu verlieren und zum Jahresende leere Quartiere zu haben.Im Asylbetreuungsgeschäft will er trotzdem weiter mitmischen.

Für den umtriebigen Unternehmer ist die Eder Beteiligungsverwaltung GmbH ohnehin nur ein Teil seines breit gefächerten Firmengeflechts unter dem Begriff „SLC“. Es steht für „System Leader Corporation“.

Der Kräuterpädagoge

Der 48-Jährige gelernte Bankkaufmann, der lange für eine regionale Bank tätig war, ist auch in den Sparten Elektrotechnik, Tischlerei und Fliesenlegen mit Firmenbeteiligungen tätig. Vor dem Asylgeschäft, in das er 2010 einstieg, war er Immobilienentwickler, danach Unternehmensberater.

In der Slowakei ist er seit Jahren an zwei Firmen beteiligt, angeblich nicht operativ. Eine weitere Firma in Bulgarien ist bereits gelöscht. Zuletzt konzentriert sich Eder aber auf den Gesundheitsbereich – oder besser auf sein Faible für Esoterik.

Denn Eder ist laut Homepage „Professor, Dr h. c., Dipl. Humanenergetiker, Dipl. Kräuterpädagoge und Spezialist für Radionik“. Bei Radionik handelt es sich um eine wissenschaftlich nicht belegte Heilmethode, bei der der menschliche Organismus angeblich positiv auf Radiowellen reagiert.

Vor allem auf „Informationsmedizin“ – einer andere Bezeichnung für Radionik – will sich Eder künftig konzentrieren. An der niederländischen „Venlo University B.V“, die auf ihrer Homepage eine Adresse auf Malta angibt, ist er seit Herbst 2018 dabei, die Informationsmedizin aufzubauen, „um sie schulmedizinisch zu beweisen“. Die Uni selbst sei in Malta zertifiziert, erklärt Eder. Der Esoteriker behaupte auf der Homepage auch, dass er eine „Professur an der Staatlichen Universität in Kirkistan“ (sic!) hat.

Seine Titel (Professor, Dr.) seien ihm von der „Venlo University“ wegen Verdiensten ehrenhalber verliehen worden, erzählt Eder. Es sei die schwere Krankheit seiner Frau gewesen, die ihn zu alternativen Heilmethoden gebracht habe. Von der Wirksamkeit der „Informationsmedizin“ ist er überzeugt. Eder ist auch Direktor der „Selfness Akademie Österreich“, und Leiter des Instituts für Informationsmedizin“. Allerdings gibt es Probleme. Sein Gesundheitszentrum“ in Hohenberg samt Bühnenwirtshaus musste er heuer zusperren. Er sucht einen neuen Standort.

Informationsmedizin

Mediziner ist Eder nicht. Laut der nö. Ärztekammer benötigt ein medizinisches Institut einen ärztlichen Direktor, eine kaufmännische und eine Pflegeleitung. Von Behandlung, Therapie und Heilung darf ohne Arzt keine Rede sein. Den Begriff Medizin darf man nur im übertragenen Sinn verwenden – zum Beispiel bei Teddymedizin oder Puppendoktor.