Heuriger, Buschenschank in Wien am 16.06.2013

© KURIER /Gruber Franz

Strenge Kontrollen
07/03/2013

Aktion scharf der Finanzpolizei: Heurige und Dorffeste unter Druck

Wenn Verwandte ausschenken, schaut die Finanz genau hin – das ärgert nicht nur Wirte.

von Michaela Reibenwein, Gilbert Weisbier

Die Fahnder kommen genau richtig zum Geburtstag des Chefs, der gerade Stammkunden zuprostet. Allerdings sind die fünf Finanzpolizisten nicht zum Gratulieren in sein Lokal im Bezirk Tulln gekommen. Sie interessiert vielmehr, ob alle Mitarbeiter angemeldet sind, und ob die Kasse richtig geführt wird. „Seit das Finanzamt für die Krankenkasse mit prüft, gibt es mehr Kontrollen. Häufig geht es darum, ob Helfer als unentgeltlich mitarbeitende Angehörige einzustufen sind“, meint Martin Jilch von der Landwirtschaftskammer.

Einsatzleiter Manfred Baumgartner und seine Kollegen sind am Wochenende unterwegs – mit dabei eine Liste der angemeldeten Mitarbeiter. Die Beamten betreten das Lokal und schwärmen aus. Denn: „Es ist schon öfter passiert, dass die Kellner plötzlich zu Gästen werden und sich irgendwo dazu setzen“, erzählt Baumgartner. In Windeseile haben sich die Finanzpolizisten verteilt – bis in die Küche. Die Chefin des Heurigenlokals bleibt aber gelassen: „Ich hab’ kein schlechtes Gewissen.“

Fündig

Die Finanzer werden trotzdem fündig. Zwei Mitarbeiterinnen erklären: „Wir sind nur zum Schnuppern da.“ Die Ansicht der Behörde ist klar: „Schnuppertage gibt es gesetzlich genauso wenig wie Nachbarschaftshilfe“, sagt Thomas Allinger von der Stabsstelle der Finanzpolizei. Auch die Tochter hilft aus. „Die darf das gratis an Spitzentagen“, betont die Chefin. Heute sei einer. „Lauter Reservierungen“, sagt die Frau. „Wir werden beim AMS abklären, ob die junge Frau Transferleistungen bezieht“, erklärt Baumgartner.

Die Personenkontrollen sind rasch erledigt. Die Prüfung der Kassenführung dauert dafür 80 Minuten. „Wir nehmen schon Rücksicht darauf, ob gerade Full House ist. Aber Montag Früh kommen wir auch nicht“, sagt Baumgartner.

Anzeigen

Der Betrieb muss mit Anzeigen wegen der Schnupper-Mitarbeiterinnen rechnen. Meldungen gehen an Bezirkshauptmannschaft und Sozialversicherung. Damit ist der Heurige nicht allein. 2013 wurden bereits 3258 Gastronomie-Betriebe von der Finanz überprüft, rund 1200 allein in Wien. Die Finanzpolizei machte 1503 Anzeigen.

„Es gibt eindeutig eine schärfere Gangart der Behörden“, bestätigt Steuerberater Gerhard Burger aus Langenlois. Die führt dazu, dass manches traditionelle Dorffest stirbt: In Rossatz in der Wachau wurde der Tag der offenen Höfe gestrichen. Bürgermeister Erwin Polz: „Das Fest wäre nicht mehr legal durchführbar gewesen. Es ist schade, wenn so eine gewachsene Veranstaltung durch rigorose Auslegung des Gewerberechts zerstört wird.“

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