Autor und Spender Franz Stingl: Im Hintergrund Bgm. Christian Haberhauer und die Pfarrer Siegfried Klock-Thudt und Peter Bösendorfer

© Atzenhofer Wolfgang

Amstetten
02/20/2021

2,6 Kilo Memoiren des Regierungsrats „Rocco“

Franz Stingl schrieb 815 Seiten starkes Buch über seine Arbeit, den Fußball und die Stadt Amstetten

von Wolfgang Atzenhofer

„Der Personalist muss neutral sein. Das ist kein politisches Buch.“

Franz Stingl weiß, wovon er spricht. Der 68-Jährige hat sein 40-jähriges Arbeitsleben in der Personalabteilung der Stadt Amstetten durchleuchtet und niedergeschrieben. Dabei herausgekommen ist ein umfassendes zeitgeschichtliches Dokument. Darin hat Regierungsrat Stingl freilich auch seinem Alter Ego „Rocco“ viel Platz gelassen. Unter diesem Namen ist er Fußballfans als legendärer Stürmer des früheren Landesligisten FC Umdasch Amstetten unvergesslich.

815 Seiten und 2,6 Kilo wiegt das Werk „40 Jahre Erinnerungen eines Personalisten“. 30 Jahre lang hat Stingl die einst aufgrund des Amstettener Gemeindespitals mächtige Personalabteilung mit 1.400 Mitarbeitern geleitet. Als er 2012 in den Ruhestand trat, begann er ein Buch über seine Erfahrungen, aber auch über seine Leidenschaft, das Fußballspielen, zu schreiben.

In acht Jahren sammelte sich eine monströse Dokumentation an. Seine einstige EDV-Lehrerin Sabine Stifter sei ihm zu Hilfe gekommen, schildert Stingl. Sie tippte in den vergangenen zwei Jahren seine Berichte, Anekdoten und Dokumentationen in den Computer, war Lektorin und Co-Autorin zugleich. Hunderte Bilder, Zeitungsartikel, Urkunden, Tabellen und Zeittafeln galt es in das Eigenbau-Layout einzupassen. „60 zu 40 war mein Rezept“, verrät der Autor. Gemeint ist, dass er 60 Prozent Platz für seinen Beruf als längst gedienter Personalchef und Abteilungsleiter in der Geschichte der Stadt zur Verfügung hatte, und auf 40 Prozent den Amstettener Fußball in den 1970er- und 80er-Jahren analysierte.

Bürgermeister

Teambilder von damals zeigen ihn etwa mit einem Teamkameraden, der später Bürgermeister und damit sein Chef wurde. Herbert Katzengruber war ein weiterer von drei Bürgermeistern, denen Stingl unterstand. Er lieferte auch eines der Vorworte. Vier Stadtamtsdirektoren war Stingl in seiner Ära zu Diensten. „Viele schöne Erinnerung an eine nicht immer leichte Arbeit, das Schlimmste war für mich, wenn ich jemanden kündigen musste“, erinnert er sich.

Freude und Stolz über das gelungene Werk sind aber getrübt. Ganz überraschend starb im Jänner seine so engagierte Lektorin. Gemeinsam mit ihr sollte das Buch präsentiert werden. „Im Vorjahr, als es gedruckt war, verhinderte Corona die Präsentation. Von den 300 Exemplaren habe ich trotzdem nur mehr 30“, erzählt der Regierungsrat. Von Beginn an hatte er versprochen, den Erlös aus dem Verkauf zu spenden. Letztendlich entschloss sich Stingl die Kosten selbst zu tragen. Also lud er gestern die Amstettener Pfarrer Peter Bösendorfer und Siegfried Kolck-Thudt sowie Bürgermeister Christian Haberhauer in seinen Garten zur Scheckübergabe. Mit 2.100 Euro Gesamterlös soll drei Not leidenden Familien geholfen werden.

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