Yazan A. streng bewacht von Justizbeamten

© Sascha Trimmel

Chronik Niederösterreich
10/01/2019

16-Jährige erdrosselt: Gutachter zerpflücken die Unfallversion

Syrischer Ex-Freund bestritt alle Vorwürfe zum Prozessstart in Wr. Neustadt. Er wollte ein Gutachten zu seinen Gunsten.

von Patrick Wammerl

Beim Eröffnungsplädoyer der Staatsanwältin war den Zuhörern im voll besetzten Schwurgerichtssaal in Wiener Neustadt das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Die 16-jährige Manuela K. wurde mit einem Gürtel erdrosselt, bis ihr Kehlkopfgerüst brach. „Weil ihm die Tötung nicht auszureichen schien, wurde das Mädchen nach ihrem Tod auch noch befleckt“, so die Anklägerin.

Auf der Anklagebank sitzt mit Yazan A. der Ex-Freund des Mädchens. Ein syrischer Asylwerber, der im Juni 2014 mit seinem Bruder und den Eltern nach Österreich gekommen war. Der Bruder sitzt mehrere Jahre wegen schweren Raubs und auch Yazan A. ist kein unbeschriebenes Blatt. Obwohl der Mordverdächtige vor der Bluttat mehrmals wegen gewaltvoller Übergriffe, sexueller Belästigung, Körperverletzung und anderer Delikte angezeigt und auch verurteilt worden war, blieb ihm eine Abschiebung erspart. Ein Asylaberkennungsverfahren scheiterte an den bestehenden Gesetzen.

Freizügiges Foto

Angeklagt ist er nicht nur wegen Mordes. Nachdem er ein freizügiges Foto von Manuela nach der Trennung auf Facebook veröffentlich hatte, um die 16-Jährige bloßzustellen, wollten ihn der Stiefbruder und Großcousin des Mädchens zur Rede stellen. Doch der Syrer zückte ein Messer und verletzte einen der beiden am Arm. „Ich habe mich nur verteidigt“, so seine Erklärung.

Trotz einer einstweiligen Verfügung gegen Yazan A. stellte er seiner Ex nach. Und das, obwohl ihm seine Freunde rieten, die Finger von dem Mädchen zu lassen. „Ich hab' immer gesagt, lass sie in Ruhe, sie will dich nicht mehr“, so sein 20-jähriger Freund am Montag im Zeugenstand. Laut Yazan A. hatte er aber immer wieder heimlich Kontakt mit Manuela gehabt. In der Nacht auf den 13. Jänner traf er die 16-Jährige in einem Nachtlokal. Eine Videoaufzeichnung davon wurde beim Prozess vorgespielt.

Laut Anklage habe er der 16-Jährigen danach im Wodica-Park bei ihrer Wohnung in den frühen Morgenstunden aufgelauert. „Getrieben von Eifersucht, Zorn und Erniedrigung beschloss er, Manuela etwas anzutun“, formuliert es die Staatsanwältin.

Seine Version ist, sie hätten sich dort verabredet und seien auf einer Parkbank intim geworden. „Dabei habe ich gesagt, dass ich genau auf der Bank mit einem anderen Weib etwas hatte“, so Yazan A. Da sei die stark Alkoholisierte wütend von seinem Schoß gesprungen und mit dem Kehlkopf gegen die Lehne der Bank gestürzt und an den Folgen gestorben. „Ich habe sie nicht ermordet.“

Eindeutige Spurenlage

Laut Gerichtsmediziner Wolfgang Denk ist die Version in keiner Weise mit den Spuren in Einklang zu bringen. Tatort-Spezialisten fanden das Mordwerkzeug, den Gürtel, zusammen mit der blutigen Jeans des Syrers in einem Mistkübel.

Mit dem Handy des Opfers versuchte er noch, eine falsche Spur zu legen, indem er ein Lebenszeichen über Facebook fingierte. Die Tote wurde mehrere Meter weit weggezerrt und unter Laub und Ästen verscharrt.

Obwohl er in seiner ersten Einvernahme den Mord gestand, weigerte er sich anschließend, das Einvernahmeprotokoll zu unterschreiben. Von Gerichtspsychiater Manfred Walzl wollte Yazan A. sich nur begutachten lassen, wenn die Expertise zu seinen Gunsten ausfalle, berichtete der Sachverständige.

Auch die Angaben des Syrers über exzessiven Konsum von Koks, Speed und Ecstasy decken sich nicht mit den Blutanalysen. Demnach wurden Cannabis und Alkohol nachgewiesen.

Ein Urteil soll am Donnerstag fallen. Weil der Angeklagte zur Tatzeit 19 Jahre war, gilt das Jugendstrafrecht und damit maximal 15 Jahre Haft.