Der ÖAMTC ist der Platzhirsch in Sachen Flugrettung. Die Flotte zählt 21 Stützpunkte

© ÖAMTC

Chronik Niederösterreich
09/03/2021

1:0 im Luftkampf für die Gelben Engel: Knaus aus NÖ verschwunden

Der Salzburger Flugunternehmer Roy Knaus besetzt seinen Stützpunkt in NÖ überraschend nicht mehr und überlässt die Lufthoheit dem erbitterten Rivalen

von Patrick Wammerl

Die vorherrschende Signalfarbe über dem Himmel von Wien, Niederösterreich und dem Burgenland ist wieder ausschließlich gelb. Die „Gelben Engel“ des ÖAMTC haben im Streit um die Lufthoheit bei der Flugrettung in Ostösterreich wieder deutlich die Nase vorne. Der Salzburger Flugunternehmer Roy Knaus (Heli-Austria) hat sich ohne viel Aufsehen wieder aus dem Flugrettungsgeschäft in Niederösterreich zurückgezogen und seinen Stützpunkt „Martin 5“ in Bad Vöslau (Bezirk Baden) nach der Winterpause einfach nicht mehr besetzt. 

Auf KURIER-Anfrage sagt Knaus: "Wir sehen im Moment keine Möglichkeit den Stützpunkt kostendeckend zu betreiben. Wenn der ÖAMTC den gleichen Einsatz wie wir fliegt, bekommt er einen Zuschuss vom Land von 600 Euro pro Einsatz und die Erfahrung vom letzten Jahr hat uns gezeigt, dass uns dieser Betrag selbst bei einer saisonalen Stationierung fehlt. Wir haben mit unserer Arbeit aber sicherlich einen positiven Eindruck bei den Rettungsorganisationen hinterlassen und werden uns lieber auf die zukünftigen Ausschreibungen in Wien und Burgenland konzentrieren. Diese beiden Hubschrauber fliegen ebenfalls sehr viel in NÖ."

Knaus und der ÖAMTC sind bekannterweise erbitterte Rivalen im Luftrettungsgeschäft. Die Rivalität gipfelte in öffentlichen Diskreditierungen. Der ÖAMTC hatte zuletzt auf mehrere Attacken aus dem Lager von Knaus reagiert und gegenüber der Unternehmensgruppe „Heli-Austria“ ein Betretungsverbot für 18 Stützpunkte der Christophorus-Einsatzflotte ausgesprochen.

Flügel stutzen

Während Knaus mit acht Standorten in Salzburg, Tirol und OÖ seit Jahren eine fixe Größe der Flugrettung im Westen ist, überraschte er 2020 mit seinem plötzlichen Vorstoß im Osten. Knaus machte keinen Hehl daraus, dem ÖAMTC die Flügel stutzen zu wollen und dem Autofahrerclub den Flugrettungsvertrag mit der Stadt Wien streitig zu machen. Die Eröffnung seines Stützpunktes in Bad Vöslau sahen Insider als strategische Entscheidung, um sich im Gebiet rund um Wien in Stellung zu bringen.

Zum Leidwesen des ÖAMTC. Der Geschäftsführer der Flugrettung, Reinhard Kraxner, sprach von einem „unnötigen Störfaktor“, vor allem die Positionierung nur sechs Flugminuten entfernt von den beiden gelben Notarzt-Helis in Wiener Neustadt sei suboptimal.

Dennoch wurde „Martin 5“ von April 2020 bis zur Winterpause im Oktober von der Leitstelle Notruf NÖ zu 500 Einsätzen geschickt. Über den Winter sollte die Maschine wegen der vielen alpinen Einsätze den Betrieb im Westen unterstützen und zu Ostern nach Bad Vöslau zurückkehren. Doch bis heute wartet man auf den roten Heli vergeblich. Selbst bei Notruf NÖ ist man über die gescheiterte Rückkehr verwundert.

Kein Fördervertrag des Landes

Einer der Gründe könnte finanzieller Natur sein. Der Betrieb musste ausschließlich über die Verrechnung mit den Sozialversicherungsträgern finanziert werden. Einen Rettungsvertrag mit Förderung des Landes NÖ besitzt exklusiv der ÖAMTC.

Und was die Vergabe des Flugrettungsvertrages der Stadt Wien betrifft, so fällt die nächste Entscheidung erst Mitte 2022. Die ÖAMTC Flugrettung hatte den Vertrag zuletzt um weitere 18 Monate verlängert bekommen. Wenn sich Knaus im kommenden Jahr darum bewerben will, benötigt er auch einen Standort in der Bundeshauptstadt.

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