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Chronik Burgenland
06/16/2021

Wie der Klimawandel in den Naturparks ankommt

Broschüre der Naturparke zeigt die massiven Veränderungen und gibt einen Ausblick in die Zukunft.

von Michael Pekovics

Die Haselsträucher blühen immer öfter schon im Jänner auf, die Zitronenfalter flattern ab Februar herum und die Heuwiesen sind drei Wochen früher als üblich mähreif. All das sind Beobachtungen, die sich auf den Klimawandel zurückführen lassen.

Phänologie, also die Kunde der Naturerscheinungen, nennt sich das wissenschaftliche Fachgebiet, das die periodisch wiederkehrenden Entwicklungserscheinungen in der Natur beobachtet.

In einer neuen Broschüre der burgenländischen Naturparke wurden Daten und Fakten zusammengetragen, um die Veränderungen in den Naturparken aufgrund des Klimawandels zu erklären. Zusätzlich gibt es eine App (Naturkalender Burgenland; Anm.), mit der Beobachtungen geteilt werden können.

Das ganz persönliche Naturtagebuch liefert zusätzlich einen Beitrag für die Natur- und Klimaforschung. Denn die gemeldeten Beobachtungen fließen in die europäische phänologische Datenbank (PEP 725, Anm.) ein, die von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) betreut wird, und die auch Grundlage für ein Computermodell ist, das den Landwirten den optimalen Zeitpunkt für die Mahd berechnet.

Warum der Holler zählt

Denn die Wachstumsperioden werden länger. Seit Beginn der Aufzeichnungen im 18. Jahrhundert hat sich die Vegetationsphase bereits um zwei Wochen ausgedehnt, bis 2045 werden weitere sieben Tage dazu kommen. Positiv ist das für bisher im Burgenland eher exotische Pflanzen wie Oliven, Hartweizen oder Hirse, negativ hingegen vor allem für Allergiker, weil die Pollensaison früher beginnt und später endet.

Einer der phänologischen Superstars ist der häufig vorkommende Schwarze Holler (Sambucus nigra, Anm.), dessen Entwicklungsphasen leicht erkennbar sind und mit dessen Blüte die Zeit der Wiesenpflanzen beginnt. In den 1970er-Jahren blühte er Anfang Juni, zuletzt war das bereits Anfang Mai der Fall. Konkrete Auswirkungen hat das auf die Landwirte, die den Zeitpunkt der Mahd immer besser abstimmen müssen.

Einzigartig in Europa

Im Burgenland sind etwa die Wiesen in den höher gelegenen Regionen im Naturpark Geschriebenstein-Írottkő drei Wochen später dran als jene im Naturpark Raab-Örség-Goricko im Süden.

Dieser 1998 gegründet Naturpark hat in Europa eine einzigartige Stellung: Er erstreckt sich mit einer Fläche von 14.743 Hektar über die drei Länder Österreich, Ungarn und Slowenien und ist der einzige trilaterale Naturpark Europas. Besonders ist nicht nur die Lage, sondern auch die Tierwelt, denn an der Raab lebt die Würfelnatter, die einzige in Österreich an Fließgewässer gebundene Schlange.

Weit ausgebreitet hat sich in den vergangenen Jahren hingegen die Gottesanbeterin. In den 1980er-Jahren gab es nur vereinzelt Sichtungen in Ostösterreich, mittlerweile hat sie sich bis ins oberösterreichische Donautal verbreitet. Probleme mit dem früheren Blühbeginn hat allerdings die Mauerbiene, die immer früher aus dem Winterschlaf erwacht, obwohl ihre Futterpflanze noch gar nicht blüht.

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