© Landesmedienservice / Hafner Gregor

Chronik Burgenland
06/14/2021

Wie Doskozil die ÖVP im Burgenland ärgert

Der rote Landeshauptmann ärgert die türkise ÖVP, indem er ihr Feld beackert und beste Beziehungen zum katholischen Diözesanbischof und zu Ex-Spitzen der alten, schwarzen Volkspartei unterhält

von Thomas Orovits

Rot und Türkis haben im Burgenland nur eines gemeinsam – die verfestigte gegenseitige Abneigung. Als absolut regierende Partei hat die SPÖ aber viel mehr Möglichkeiten, ihrer Abneigung Ausdruck zu verleihen.

Etwa, indem die ÖVPler der alten, schwarzen Schule eingebunden werden. Das soll Überparteilichkeit, ja Generosität signalisieren und stichelt ganz nebenbei ordentlich gegen die neue ÖVP.

Franz Steindl, von 2000 bis 2015 Landeshauptmannstellvertreter und an der Wiener Hochschule für Musik und Darstellende Kunst ausgebildeter Trompeter, ist Geschäftsführer des Haydnkonservatoriums. Ex-Agrarlandesrat Andreas Liegenfeld spielt eine noch gewichtigere Rolle. Der Winzer und Präsident des Weinbauverbandes ist seit Herbst 2020 einer von fünf Aufsichtsräten der Landesholding, in der 70 Tochtergesellschaften des Landes mit rund 4.300 Mitarbeitern gebündelt sind.

Schon zuvor war er in den Aufsichtsrat der Burgenland Tourismus GmbH entsandt worden. Aufsichtsratschef der Holding und Tourismusreferent in der Regierung: LH Hans Peter Doskozil.

Dass Tourismus und Wein in den Zuständigkeitsbereich des Landeshauptmanns gehören, sei im Interesse der Weinwirtschaft, sagt Liegenfeld zum KURIER. Als Weinbaupräsident arbeite er mit Doskozil „professionell zusammen“. Noch enger ist die Kooperation mit dessen Büroleiter Herbert Oschep, der laut Liegenfeld ein exzellenter Weinkenner ist und mit dem er das Land in der Österreichischen Wein Marketing (ÖWM) vertritt. Was sagt da seine ÖVP dazu? „Anfangs gab es ein bisschen Nachfragen“, so Liegenfeld, ob denn die Zusammenarbeit so eng sein müsse, aber mittlerweile verspüre er „keinen Gegenwind“ mehr.

Ob die Zusammenarbeit so eng sein müsse, fragen sich Vertreter der christlich-sozialen Volkspartei angesichts des engen Verhältnisses zwischen Doskozil und Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics indes längst nicht mehr.

Als LH Hans Niessl und Zsifkovics Anfang 2019 in Rom von Papst Franziskus empfangen wurden, war der nicht gerade fleißige Kirchgänger Doskozil dabei. Ein Jahr später überraschte Doskozil in seiner Regierungserklärung mit dem demonstrativen Bekenntnis zum „Kreuz im öffentlichen Raum“, denn „unser burgenländisches Werteverständnis beruht auf christlichen Traditionen“.

Vor wenigen Wochen haben Zsifkovics und Doskozil in einem Zagreber Vorort, der 2020 von einem Erdbeben erschüttert worden ist, zwei neue Häuser übergeben, die von Diözese und Land finanziert wurden. Doskozil brachte die Initiative auch bei der Landeshauptleute-Konferenz aufs Tapet, zumindest 500.000 Euro sollen auf diesem Weg für die Aktion „Ein Dach für Kroatien“ aufgebracht werden.

Die Verflechtung von Land und Diözese geht weiter: Bei dem von Doskozil initiierten „Burgenländischen Hilfsfonds“ für „unschuldig in Not geratene Burgenländerinnen und Burgenländer“ fungiert Zsifkovics‘ rechte Hand Dominik Orieschnig als stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Und Werner Dax, Rechtsanwalt und Sohn eines früheren ÖVP-Landtagspräsidenten, ist nicht nur vom Land entsandter ORF-Stiftungsrat, sondern auch Advokat des bischöflichen Diözesangerichts.

Die Gegenwehr der ÖVP ist zaghaft, aber es gibt sie: Thomas Steiner, Vorgänger von ÖVP-Chef Christian Sagartz, pflegt seit seinem Rückzug auf das Amt des Eisenstädter Bürgermeisters auffallend gute Kontakte zu Niessl, nunmehr Sport-Austria-Präsident. Vor wenigen Tagen lud Steiner Niessl als Gast zu einem hochkarätigen Meeting auf der Leichtathletikanlage der Freistadt, die unter Niessls Landeshauptmannschaft umgesetzt worden ist. Und im Herbst besucht Niessl mit Sportfunktionären die Eisenstädter Sport-Arena.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.