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Chronik Burgenland
08/02/2021

Was für die Breitspurbahn in Österreich spricht

Transportwirtschaft begrüßt die Pläne der Verlängerung in Richtung Westen. WU-Professor Sebastian Kummer tritt für eine Versachlichung der Diskussion ein.

von Michael Pekovics

Das Projekt Breitspurbahn war noch gar nicht auf der sprichwörtlichen Schiene – und schon wurden die ersten Proteste dagegen organisiert. Vor allem in jenen Regionen, die als möglicher Standort für die Endstation und das Verladeterminal infrage kommen, also südlich von Wien in Niederösterreich und dem Nordburgenland, regte sich heftiger Widerstand, obwohl die Umsetzung des Projekts in weiter Ferne liegt.

„Noch“, sagt dazu Sebastian Kummer, Vorstand des Instituts für Transportwirtschaft und Logistik an der Wirtschaftsuniversität Wien, der sich seit 2010 mit dem Thema beschäftigt und für eine Versachlichung der Diskussion eintritt. Denn aus seiner Sicht wird die Breitspurbahn früher oder später ohnehin in Richtung Westen verlängert.

Breitspurbahn
2008 wurde von Österreich, Slowakei, Ukraine und Russland eine Planungsgesellschaft gegründet, die eine Verlängerung des 1.520 Millimeter Spurnetzes von Košice nach Wien plant. Dabei handelt es sich um die Verlängerung der sogenannten "neuen chinesischen Seidenstraße" in Richtung Westen.

Terminal
Östlich von Wien sollen drei Kernnetzkorridore vernetzt werden, das Terminal plus Logistikzentrum braucht eine Fläche von rund 300 Hektar.

5.400 Container
könnten dort pro Tag umgeschlagen werden, Experten erwarten sich Tausende neue Jobs.

„Wenn nicht bis nach Österreich, dann eben bis nach Budapest oder Bratislava. Das hieße, wir wären zwar von den negativen Effekten wie zunehmendem Lkw-Verkehr betroffen, würden aber nicht von den positiven Auswirkungen profitieren.“ Denn dann bliebe die Wertschöpfung im Ausland und Österreich hätte zudem kaum Einfluss auf weitere Anschlussverkehre.

Österreich am Abstellgleis?

Das könnte laut Kummer sogar dazu führen, dass künftige Transportrouten von Ungarn über Slowenien weiter nach Norditalien führen – und Österreich davon abgeschnitten wäre.

„Dabei hätten wir auf der Südbahn noch freie Kapazitäten. Die Breitspurbahn wäre eine wunderbare Möglichkeit, die Verbindungen ins rohstoffreiche Russland, nach Zentralasien und China zu stärken.“ Denn dass die Warenströme künftig zunehmen werden, sei unbestritten. Dazu kommen die aktuellen Probleme in der Containerschifffahrt, die zu einer massiven Zunahme des Lkw-Verkehrs zwischen Ost und West führen.

„Deshalb spricht auch ökologisch viel für das Projekt, selbst wenn damit natürlich Eingriffe in die Natur verbunden sind“, sagt Kummer, der das Hauptproblem im Florianiprinzip (Verschieben von potenziellen Problemlagen auf andere; Anm.) sieht. Generell fehle in der heimischen Politik das Bewusstsein für die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Europa und Russland.

Heiße Kartoffel

Tatsächlich wurde das Projekt von den jeweils zuständigen Ministern jedweder Couleur auf die lange Bank geschoben. Ein echtes Bekenntnis dazu fehlt bis heute, obwohl sich laut einer Umfrage der Wirtschaftskammer aus dem Jahr 2018 satte 74 Prozent der Wiener für die Breitspurbahn ausgesprochen hatten.

Nun würde diese Umfrage im östlichen Niederösterreich oder dem Nordburgenland, wo mögliche Standorte für das Breitspurbahn-Terminal liegen, vermutlich ganz anders ausfallen.

Politisch wird das Thema jedenfalls am Köcheln gehalten, zuletzt warnten Abgeordnete der SPÖ nach einer parlamentarischen Anfrage an Verkehrsministerin Leonore Gewessler davor, dass das Projekt jederzeit weiterverfolgt werden könnte.

Stillstand herrsche ja nur deshalb, weil sich die Slowakei den Ausbau derzeit nicht leisten könne, private Investoren würden das Projekt aber weiter vorantreiben. Im Ministerium gibt man sich tatsächlich abwartend: Auf Schiene sei noch gar nichts, man stehe erst am Anfang.

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