Wetterumschwung im Osten: Der Regen kommt zur rechten Zeit
Die Entstehung von Schilfbränden wird durch die Trockenheit begünstigt.
Die Trockenheit im Osten wurde zuletzt vor allem für die Feuerwehren zu einer Herausforderung. Zahlreiche Schilf- sowie Flur- und Waldbrände zeigen, wie angespannt die Lage ist. Der WWF warnte bereits vor einem schwierigen Waldjahr, begünstigt durch einen schneearmen Winter und die ausbleibenden Niederschläge im März.
„Das ist ein Alarmsignal für eine Ära nie gekannter Wasserknappheit im Seewinkel.“
WWF-Experte
Nun steht jedoch ein Wetterumschwung bevor. Am Donnerstag und Freitag wird es deutlich kälter, trüb und immer wieder regnerisch, in höheren Lagen kann sogar Schnee fallen. Dazu kommt starker bis stürmischer Nordwind bei Temperaturen von maximal 2 bis 7 Grad. Für die Einsatzkräfte bedeutet das eine kurzfristige Entlastung, insbesondere mit Blick auf die hohe Brandgefahr. Auch überregional zeigt sich die Situation angespannt. Im Wiener Becken befindet sich das Grundwasser nach einem zwischenzeitlichen Anstieg erneut auf Talfahrt.
Trockenheit Österreich: Waldbrände, Wetterumschwung und Gefahr für Sodalacken im Seewinkel.
Während viele Gewässer unter Druck stehen, zeigt sich der Neusiedler See aktuell stabil. Der Wasserstand liegt bei 115,5 Meter über Adria und liegt damit nahe am langjährigen Mittel.
Ökosystem ist in Gefahr
Doch die vergleichsweise gute Situation des Sees steht im Kontrast zu einer anderen Entwicklung im Seewinkel – dem langsamen Verschwinden der Salzlacken. Mit den ersten warmen Tagen im März kehren die Zugvögel zurück. Die salzhaltigen Lacken im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel zählen zu den bedeutendsten Rast- und Brutgebieten in Europa – ihr Rückgang hat daher weitreichende Folgen.
„Der Säbelschnäbler lebt in Österreich ausschließlich im Seewinkel. Im 19. Jahrhundert gab es hier noch rund 140 Lacken, heute sind es nicht einmal mehr 30 – und mindestens zehn davon stehen unmittelbar vor dem Verschwinden“, sagt WWF-Experte Bernhard Kohler. Die Säbelschnäbler sind auf diese Lebensräume angewiesen. In den seichten Gewässern finden sie Nahrung wie Zuckmückenlarven und Urzeitkrebse. Mit dem Verschwinden der Lacken gehen sowohl Nahrungsgrundlage als auch Brutplätze verloren.
Der Säbelschnäbler ist auf die Salzlacken angewiesen, doch diese verschwinden.
Die Sodalacken sind stark vom Grundwasser abhängig. Durch Entwässerungsgräben und Wasserentnahmen für die Landwirtschaft ist der Grundwasserspiegel gesunken. Dadurch fehlt die Nachlieferung von salzhaltigem Wasser, die Lacken verlanden und verschwinden. „Der Verlust der Sodalacken würde nicht nur den Fortbestand der Säbelschnäbler gefährden, sondern ist auch ein Alarmsignal für eine Ära nie gekannter Wasserknappheit im Seewinkel“, sagt Bernhard Kohler.
Wasser stabilisieren
Als Gegenmaßnahme verweist der WWF auf das EU-Projekt „Pannonic Salt“. Ziel ist es, den Wasserspiegel zu stabilisieren und mehr Wasser in der Landschaft zu halten. Bereits bestehende Wehranlagen zeigen positive Effekte, weitere Maßnahmen sollen folgen. Auch Wege zur Verringerung des Wasserverbrauchs in der Landwirtschaft werden gesucht. „Durch den Erhalt der Sodalacken sollen gebietstypische und attraktive Vogelarten wie Säbelschnäbler und Seeregenpfeifer weiter geeignete Brutlebensräume vorfinden“, sagt Nationalpark-Direktor Johannes Ehrenfeldner.
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