Grundwasser spielt verrückt: Die Krux im Wiener Becken

Nach einem kurzen Hoch ist der Pegel seit 2023 wieder auf Talfahrt. In den Bergen im Einzugsgebiet fiel im Winter zu wenig Schnee.
März 2026: Der Wasserstand des Föhrensees in Wiener Neustadt sinkt rapide.

Beim Blick auf den Föhrensee – oder das, was davon noch übrig ist – werden Erinnerungen an den Sommer 2023 wach. Damals war der Grundwasserpegel in der Mitterndorfer Senke auf dem historischen Tiefststand. Heute sind es bei der Messstelle Heizhaus Wiener Neustadt zwar dreieinhalb Meter mehr (258,5 Meter über Adria), aber erneut befindet sich das Grundwasser auf einer rasanten Talfahrt.

Mit 268 Meter ü. A. wurde im Herbst 1965 in Wiener Neustadt der höchste jemals gemessene Grundwasserstand seit Messbeginn im Jahr 1951 aufgezeichnet.

Das Auf und Ab des Pegels mit Schwankungen von mehreren Metern ist gerade im südlichen Wiener Becken nicht außergewöhnlich. Was allerdings markant ist, sind die Niedrigstände über den langen Zeitraum der vergangenen Jahre.

Sommer 2023: Der Föhrensee war nahezu ausgetrocknet.

Sommer 2023: Der Föhrensee war nahezu ausgetrocknet.

Ausgetrocknet

Seit den 1950er-Jahren hat es keinen derartigen Ausreißer nach unten gegeben. Von 2019 bis 2023 fiel der Wasserstand in Wiener Neustadt um fast acht Meter. Grundwasserseen und Teiche im Raum Wiener Neustadt bis ins Nordburgenland verwandelten sich in Schotterwüsten. Bis Dezember 2024 stieg das Grundwasser stark um sieben Meter, bevor es wieder nach unten ging – und zwar um vier Meter.

Die Gründe liegen für Hydrologen und Meteorologen auf der Hand. Da, wo es für die Grundwasseranreicherung am wichtigsten ist – im Winter – lagen in den vergangenen Jahren die Niederschlagsmengen deutlich unter dem Schnitt.

Wie es in der kürzlich veröffentlichten Klimabilanz von Österreichs Bundesanstalt für Klimatologie und Meteorologie GeoSphere Austria heißt, brachte der Winter 2025/26 über die gesamte Fläche Österreichs um 20 Prozent weniger Niederschlag als im vieljährigen Durchschnitt. „Das ist deutlich zu trocken, aber nicht so extrem wie im Vorjahr – der Winter 2024/25 brachte 44 Prozent weniger Niederschlag als im vieljährigen Durchschnitt“, sagt Klimatologe Alexander Orlik von GeoSphere.

Berge spielen eine Rolle

Auch die Schneemengen waren unterdurchschnittlich. Und das setzt dem Grundwasser besonders stark zu. Denn die Grundwasseranreicherung in einem der größten Wasserreservoirs Europas, der Mitterndorfer Senke, erfolgt hauptsächlich über die Versickerung von Oberflächen- und speziell Schmelzwasser – also Regen und Schnee.

Nur 118 cm Schnee auf der Rax

Als wichtiges Einzugsgebiet gelten vor allem die Berge um Semmering, Rax und Schneeberg, heißt es bei den Experten der Abteilung Wasserwirtschaft des Landes NÖ. Und die Schneelage in den vergangenen Jahren ist in dem besagten Gebiet alles andere als üppig ausgefallen. 

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Auch im heurigen Winter ist in der Region weniger Schnee gefallen, als im langjährigen Schnitt. Laut Messdaten von GeoSphere fiel auf der Rax bei der Messstelle in 1.547 Meter Seehöhe sogar um 48 Prozent weniger Neuschnee als im Durchschnitt (1991-2020) – nämlich 118 cm statt 225 cm.

Heuer bleibt abzuwarten, ob das Frühjahr noch klimatische Überraschungen bereithält. Wie es bei der Abteilung Wasserwirtschaft heißt, lasse sich aus langjährigen Zeitreihen der Grundwasserstände ableiten, dass es zumeist bis April bzw. Mai im Zuge der Schneeschmelze im alpinen Einzugsbereich zu einem Anstieg des Grundwasserspiegels kommen kann.

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