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Chronik Burgenland
07/12/2021

Die Marillenernte fällt im Burgenland "süßsauer" aus

In Wiesen und Kittsee liegt der Ertrag im Durchschnitt oder knapp darunter. In Kukmirn ist hingegen ein Totalausfall zu beklagen

von Claudia Koglbauer-Schöll, Paul Haider

Die größte Marillengemeinde Österreichs kann aufatmen: Vergleichsweise spät, aber doch hat am Wochenende die Erntezeit in Kittsee begonnen. Dass die süßen Früchte – in Kittsee ist die „Ungarische Beste“ die gängigste Sorte – in der Grenzgemeinde in großen Mengen geerntet werden können, ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr. 2020 war ein Totalausfall zu beklagen, und auch im heurigen Frühling – dem kühlsten seit 34 Jahren – sah es nicht rosig aus für die Kittseer Marille.

Schlussendlich waren aber nur leichte Frostschäden zu verzeichnen. Bio-Bauer Johann Paradeisz rechnet mit einem leicht unterdurchschnittlichen Marillenjahr. In einer „normalen“ Saison werden in Kittsee gut 700 Tonnen Marillen geerntet. Heuer dürfte man leicht unter diesem Wert bleiben.

„Wir können die Nachfrage nicht decken“, sagt Paradeisz. Der Großteil der Ernte der 80 Marillenbauern, die insgesamt 35.000 Bäume im Gemeindegebiet besitzen, wird direkt in Kittsee vermarktet. Der Verkaufsstand des Marillenvereins am Hauptplatz ist seit Freitag geöffnet. Wer die berühmte Kittseer Marille des heurigen Jahrgangs kosten möchte, sollte sich beeilen: In spätestens drei Wochen wird die Ernte vorbei sein. Und ist die Frucht einmal vom Baum herunten, dann sollte sie auch möglichst gleich verspeist, oder weiterverarbeitet werden.

Auch in Wiesen (Bezirk Mattersburg) ist Michael Habeler „mitten in der Marillenernte“. „Es wird ein durchschnittliches Jahr, was den Ertrag betrifft“, meint der Landwirt. Vor allem die Trockenheit hätte den Obstbauern zu schaffen gemacht. Aber auch die Frostnächte im März hätten den Bauern viel abverlangt, sagt Habeler. „Wir haben in unseren Kulturen in tiefen Lagen die Marillenbäume mit Frostkerzen geschützt.“

Teures Einheizen

Das „Einheizen“ schlage sich finanziell mit rund 4.000 Euro pro Hektar zu Buche, dazu komme noch der zeitliche Aufwand. „Wir sind oft die ganze Nacht bei den Bäumen gesessen, um die Temperaturen zu kontrollieren.“ Einen geschützten Anbau, wie er ihn seit Jahren teilweise für seine Erdbeeren betreibt, hat Habeler für die Marillen nicht geplant. Denn die Preise für die dafür erforderlichen Folientunnel, seien – aufgrund der extremen Verteuerung für Stahl – um etwa ein Drittel gestiegen.

Habeler will künftig stärker auf neue Marillensorten setzten. Die Sorte Bergeval etwa sei dafür durch die spätere Blüte und ihre Frostwiderstandsfähigkeit geeignet. „Diese Sorte hat auch sehr viele Blüten. Da ist es dann nicht so schlimm, wenn 90 Prozent der Blüten dem Frost zum Opfer fallen.“

Frost setzte Blüten im Süden zu

Weiter südlich, im Obstgarten von Familie Nikles in Kukmirn (Bezirk Güssing), sieht es bei den Marillen heuer hingegen traurig aus. „Wir haben keine Einzige. Nicht einmal für Knödel oder Marmelade für den Eigenbedarf“, sagt Helene Nikles. Hier sind sämtliche Blüten dem Frost zum Opfer gefallen. Dem fruchtigen Genuss müssen Besucher übrigens nicht ganz entsagen: Neben der voraussichtlich ertragreichen Spät-Pfirsich-Ernte im August sind bei Nikles bis Ende Juli die Erdbeeren reif.

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