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Chronik Burgenland
11/22/2013

Stieftochter missbraucht: Drei Jahre und acht Monate

Jener Wiener, der seine 12-jährige Stieftochter im Burgenland geschwängert haben soll, wurde wegen eines älteren Falles jetzt verurteilt.

von Michaela Reibenwein

Der schmächtige, blonde Mann hat sein Gesicht unter einem Pullover versteckt, den er bis zur Stirn hochgezogen hat. Ringsum Blitzlicht-Gewitter. Der 33-Jährige, der am Freitag in den Gerichtssaal des Oberlandesgerichtes (OLG) Wien geführt wird, füllte in den vergangenen Tagen die Schlagzeilen. Er soll seine zwölfjährige Stieftochter im Burgenland geschwängert haben.

Und es ist nicht der erste Vorwurf in diese Richtung. Schon einmal hatte der gebürtige Wiener eine (andere) Stieftochter im Südburgenland sexuell missbraucht. Er wurde zu drei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt. Doch der Angeklagte berief, der Fall landete beim Oberlandesgericht – und dort hob der Senat (vorsitzender Richter Dietmar Krenn) das Urteil auf drei Jahre und acht Monate Haft an; rechtskräftig.

Die Übergriffe geschahen schon in den Jahren 2005 und 2006. Der Mann hatte – wie im aktuellen Fall – eine Frau mit Kindern geheiratet. Und nachts machte er sich an die damals zehn- bzw. elfjährige Tochter heran, missbrauchte sie sexuell. „Wenn du was sagst, tu ich deiner Mama weh“, drohte er dem Kind. Und es schwieg lange. Erst die Betreuerin eines Kinderheimes, in dem das Mädchen unter der Woche untergebracht war, schöpfte Verdacht. Als das Kind einen TV-Beitrag über sexuellen Missbrauch sah, vertraute es sich einer Freundin an.

Ich träume von dir

Der 33-Jährige bestritt die Vorwürfe bis zuletzt. Und auch die eindeutigen SMS, die er seiner Stieftochter schickte, bestritt er. „Ich träume von dir. Ich denke die ganze Zeit an dich“, schrieb er dem Kind. Das Mädchen ist seit den Übergriffen schwer traumatisiert.

Für die „erlittene Beeinträchtigung, Angst und Demütigung“ wurden dem Opfer 5000 Euro zugesprochen – auch das hatte der Mann beeinsprucht.

Bereits im Jahr 1999 wurde der Täter wegen schwerer sexueller Übergriffe verurteilt; damals noch vom Wiener Jugendgericht. Auch im ersten Fall war sein Opfer ein junges Mädchen. Doch einer Verurteilung entging der Mann. Er musste sich einer Behandlung unterziehen.

Mutter will nichts mitbekommen haben

Unterdessen hat sich die Mutter des zwölfjährigen Mädchens, das vor wenigen Tagen ein Kind zur Welt gebracht hat, in einem Interview gegenüber dem deutschen TV-Sender RTL geäußert. In dem Gespräch gab sie an, von der Schwangerschaft ihrer Tochter nichts mitbekommen zu haben.

Laut dem Online-Bericht von RTL habe die Mutter, gegen die ebenfalls ermittelt wird, auch die sichtliche Zunahme ihrer Tochter nicht als mögliche Schwangerschaft gedeutet: "Ich habe immer geglaubt, dadurch dass sie in der Pubertät ist, dass das normal ist, wie sie gebaut ist", sagte sie zu RTL. Sie habe nie mit ihrer Tochter über Aufklärung gesprochen, berichtete der TV-Sender im Internet.

Die Zwölfjährige und ihr Baby werden nach wie vor in einem Krankenhaus betreut. "Alles unverändert. Ihnen geht es den Umständen entsprechend gut", hieß es von der Jugendwohlfahrt heute, Freitag.