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Chronik Burgenland
05/13/2021

Pool-Boom lässt Wasserversorger zittern

Sobald es wärmer wird, stehen die Verbände vor einem Problem: Das Befüllen der 150.000 Becken gefährdet die Versorgungssicherheit.

von Michael Pekovics

Heute plätschert vielerorts in Österreich nur der Regen auf die Dächer. Bald aber werden wieder Tausende Poolbesitzer die Schläuche auspacken und Hunderte Millionen Liter Wasser in ihre Becken füllen. Das stellt die Wasserversorger nicht erst seit dem Pool-Boom im Zuge der Corona-Krise vor Herausforderungen.

Genaue Zahlen gibt es nicht, aber im Südburgenland wurde unlängst der Pool-Anteil mit Google Maps erhoben. „Wir waren selbst erstaunt, aber tatsächlich hat bereits jedes fünfte Haus ein größeres Schwimmbecken im Garten“, sagt Christian Portschy, Geschäftsführer des Wasserverband Südliches Burgenland, der 50.000 Menschen versorgt.

Wenn die Poolbesitzer an den ersten warmen Tagen im Frühling mit der Befüllung beginnen, steigt der Tagesverbrauch in manchen Orten um bis zu 300 Prozent an. „Würden alle gleichzeitig loslegen, wären unsere Brunnen schnell leer“, sagt Portschy. Grundsätzlich gebe es genug Wasser, nur die Infrastruktur sei eben nicht für derartige Spitzen ausgelegt.

Was kostet ein Pool?
Pools in durchschnittlicher Größe kosten zwischen 20.000 und 25.000 Euro, günstige sind schon ab 5.000 Euro zu haben  

Wieviel Wasser passt in einen Pool?
40 Kubikmeter fasst ein Pool im Schnitt, also 40.000 Liter Wasser. Das entspricht dem Jahresbedarf an Trink- und Nutzwasser einer Person

Wieviele Pools gibt es in Österreich?
150 tausend Pools in größerer Ausführung gibt es in Österreich geschätzt, jährlich kommen rund 4.000 neue dazu. Kleinere, aufstellbare Becken sind da noch nicht mitgezählt

Ähnliche Probleme gibt es auch in der Steiermark. Landesrat Hans Seitinger (ÖVP) hat bereits für überlegtes Vorgehen beim Füllen privater Schwimmbäder appelliert: „Wir gehen auf ein Trockenjahr zu. Pools sollten nur in Absprache mit dem Wasserversorger und bevorzugt über Nacht gefüllt werden, damit es keine Engpässe gibt.“

Warnungen vor Versorgungsschwierigkeiten kommen auch vom Wasserverband Grazerfeld Südost. Außerdem sollten „Befüllungen durch die Feuerwehr unterbleiben“, sagt Geschäftsführer Dietmar Luttenberger.

Feuerwehr darf Pool-Wasser verwenden

Interessantes Detail am Rande: Wenn es brennt und nicht genug Wasser da wäre, dürfte die Feuerwehr jeden passenden Pool in der Umgebung leer pumpen und sich im Fall des Falles sogar gewaltsam Zutritt zum jeweiligen Grundstück verschaffen.

„Die Poolbesitzer machen sich beim Befüllen keine Gedanken über die Auswirkungen“, kritisiert Portschy und wünscht sich als Wasserversorger bessere Kommunikation, um die Versorgungssicherheit gewährleisten zu können. In einzelnen Gemeinden wurden in diesem Jahr Initiativen gestartet, um dem Problem in Zukunft besser begegnen zu können. Poolbesitzer können sich auf der Homepage oder telefonisch für eine Befüllung anmelden, verpflichtend ist das aber nicht.

Das kostet eine Pool-Befüllung

„In manchen Ortschaften sind nur zwei Pools pro Tag erlaubt. Aber ob das die Menschen so akzeptieren oder trotzdem einfach auffüllen, ist die Frage. Die einen machen es, die anderen nicht“, sagt Portschy und appelliert an die Eigenverantwortung. Die immer wieder vorgeschlagene Regulierung über Gebühren hält er für gefährlich: „Dann wird erst recht mehr verbraucht, schließlich zahlt man ja dafür.“

Das Wasser im Pool sei jedenfalls das billigste der ganzen Anlage: 1.000 Liter Wasser kosten 1,67 Euro, der Inhalt eines durchschnittlichen Beckens kommt also auf knapp 70 Euro.

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