© Andreas Hafenscher

Chronik Burgenland
04/27/2021

Pauliberg: Millionen-Investition am erloschenen Vulkan

Am jüngsten erloschenen Vulkan Österreichs, werden 17 Millionen Euro in Gesteinsgewinnung und Energieautarkie gesteckt.

von Claudia Koglbauer-Schöll

Immer wieder einmal ist ein dumpfes Grollen rund um Landsee im Bezirk Oberpullendorf zu vernehmen. Die Bewohner wissen dann: „Am Pauliberg wird wieder gesprengt.“

Dass das gleichnamige Basaltwerk den höchsten Bergbau im Burgenland darstellt, sorgt auch heute immer noch für Erstaunen. Nun will der Eigentümer, die Esterhazy Betriebe, 17 Millionen Euro in das Werk investieren.

450.000 Tonnen Gesteinsmaterial werden von den 20 Mitarbeitern pro Jahr abgebaut. Der Rohstoff wird etwa für Asphalt, Beton und Streugut verwendet. Auch für den Sicherheitsausbau der Schnellstraße S31 wird Material vom Pauliberg verwendet: Basalt-Edelsplitt ist ein wichtiger Bestandteil des Asphalts. Basaltmehl wiederum wird im Garten und Weingarten zur Lockerung des Bodens eingesetzt.

Kürzere Transportwege

Die geplanten Investitionen am Pauliberg sollen nicht nur die Gesteinsgewinnung sichern. Man wolle auch die Emissionen bei der Verarbeitung reduzieren und den Weg in eine völlige Energieautarkie beschreiten.

Matthias Grün, Geschäftsführer der Esterhazy Betriebe, schildert am Dienstag bei einer Rundfahrt durch das imposante Werk die Maßnahmen. ,„Zentrales Herzstück der Investition ist die Verlegung der Vorbrechanlage. Sie wird örtlich näher zum eigentlichen Abbaubereich neu errichtet. Der Transportaufwand mit Schwerlast-Lkws wird sich dadurch erheblich verringern, weil künftig stärker auf Förderbandlösungen gesetzt wird.“ Zudem werde der Maschinenpark durch schadstoff- und verbrauchsärmere Fahrzeuge erneuert. Fotovoltaik-Anlagen sollen das Werk mit Strom versorgen.

Gesteinsabbau bis 2064 gesichert

In den vergangenen Jahren hat Esterhazy bereits fünf Millionen Euro u. a. für die Anlagenerneuerung sowie die Steuerungs- und Überwachungstechnik berappt. Dem war eine Umweltverträglichkeitsprüfung für die Basaltgewinnung der kommenden Jahrzehnte vorausgegangen. Mit Genehmigung der Behörde wird der Gesteinsabbau bis 2064 garantiert.

"Vorteil für das Land"

Infrastrukturlandesrat Heinrich Dorner (SPÖ) sieht in den Modernisierungsmaßnahmen bei dem Basaltwerk auch einen Vorteil für das Land, das heuer seinerseits 300 Millionen in seine Infrastruktur fließen lässt.

„Von den Neuerungen am Pauliberg profitiert auch die regionale Bauwirtschaft, weil mit dem Basaltwerk ein wichtiger Verbündeter – auch für unsere Baudirektion – in der Region bleibt. Dadurch können auch Transportwege für das Land kurzgehalten werden.“

"Comeback der Wirtschaft"

4,4 Millionen Euro Umsatz konnte das Basaltwerk 2020 erwirtschaften. Etwa 1,4 Millionen davon durch Geschäfte mit Ungarn. Ingrid Puschautz-Meidl, Geschäftsführerin der Industriellenvereinigung Burgenland, begrüßt die Absicherung des Standortes Pauliberg: „Eine starke Industrie ist wichtig, damit wir die Corona-Krise bewältigen und ein erfolgreiches Comeback der Wirtschaft schaffen können.“

Pauliberg: Eine Millionen Jahre alte Geschichte

Der Pauliberg ist der Rest eines jungtertiären Vulkans (Miozän), sein Alter beträgt  etwa 11 Millionen Jahre. Er liegt zwischen Kobersdorf und Landsee (Gemeinde St. Martin).

Als Grund für den Vulkanismus gilt die Dehnung der Erdkruste. Aufgrund der Krustendehnung stieg heißes, zähes Gestein auf. Krater findet man am Pauliberg keinen, die Lava wurde an vielen Stellen an die Oberfläche gedrückt.

Beeindruckend sind auch die Basaltkugeln: Sie sind  unter der Erdoberfläche entstanden. Dabei haben sich Gasblasen mit Magma gefüllt, die dann erkaltet und erstarrt sind. Dadurch haben sie ihre Form erhalten. Die schwerste Kugel am Pauliberg hatte 38 Tonnen. Die Basaltkugeln sind u. a. als  Dekoration im öffentlichen Raum zu sehen.

1948 wurde die Basaltwerk Pauliberg Gesellschaft m. b. H. gegründet. Die  Gesellschafter waren damals das Land Burgenland sowie die Baufirmen Stuag AG und Radebeule aus Wien.

Zweck des Betriebes waren die Schaffung von Dauerarbeitsplätzen und die     Erzeugung von Schotter- und Splittmaterial, da für den Ausbau des Straßennetzes im Burgenland die nötigen Baustoffe fehlten. Nach der Verpachtung haben die Esterhazy Betriebe das Basaltwerk 2009 übernommen.

 

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