© WWF / Marlon Schwienbacher

Chronik Burgenland
02/26/2021

Neusiedler See: Warum jetzt Salz in die Lacken gekippt wird

Fünf Tonnen Salz sollen bedrohtes Gewässer bei Apetlon retten. Sinkender Grundwasserspiegel bleibt aber das Hauptproblem.

von Michael Pekovics

"Die pannonischen Salzlebensräume sind europaweit einzigartig", sagt WWF-Experte Bernhard Kohler und schnappt sich eine der mit Salz befüllten Scheibtruhen, um sie anschließend in die Moschado-Lacke bei Apetlon am Neusiedler See zu kippen.

Ja, richtig gelesen. Am Donnerstag wurden so rund fünf Tonnen Salz in die Lacke eingebracht, um "lokal schwere Schäden zu beheben", erklärt Nationalpark-Forschungskoordinator Harald Grabenhofer. Das sei aber nur eine kurzfristige Rettungsmaßnahme, denn „nur ein hoher Grundwasserspiegel fördert die Erneuerung der Salze.“

Der Salzhaushalt vieler Seewinkel-Lacken ist durch die Absenkung des Grundwasserspiegels, Entwässerung und künstliche Süßwasserzufuhr massiv gestört worden. Binnen 100 Jahren wurden 80 Prozent der ursprünglichen Fläche zerstört, mit gravierenden Folgen für die betroffenen Tiere und Pflanzen im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel.

Hoher Salzgehalt
Einige Seewinkellacken erreichen zeitweise Salzkonzentrationen, die dem doppelten Salzgehalt des Meerwassers entsprechen. Anders als im Meer ist das tonangebende Salz hier jedoch nicht Kochsalz, sondern Soda, mit wechselnder Beimengung von Glauber- und Bittersalz

Verlust von Lebensräumen
In den vergangenen 150 Jahre sind  mehr als 90 Lacken endgültig verschwunden.  1858 gab es noch 139 Lacken mit einer Fläche von über 3.600 Hektar. 2013 wurde laut WWF die Zahl  der noch einigermaßen intakten Lacken auf nur mehr 26 geschätzt, Tendenz weiter stark sinkend

Boden wird dichter

Konkret soll das zusätzliche Salz vor allem die Dichtheit des Lackenbodens wiederherstellen, der durch Süßwasser-Zufuhr gelitten hat. "Wir wollen klären, wie sich die lokale Grundwasserentnahme auf den Wasser- und Salzhaushalt von sechs Lacken im Gemeindegebiet von Apetlon ausgewirkt hat und welche Alternativen zur künstlichen Wasserzufuhr bestehen", sagt Projektleiter Thomas Zechmeister von der Biologischen Station Illmitz.

Begleitet wird das Leader-Projekt von einem wissenschaftlichen Team, zu dem auch der Salzboden-Spezialist Rudolf Krachler von der Universität Wien gehört. "Unser Ziel ist die natürliche Zusammensetzung der Salze in einer intakten Lacke. In zwei Durchgängen bringen wir 4.000 Kilo Soda, 1.000 Kilo Glaubersalz und 325 Kilo Kochsalz aus. Das zeigt, was den Lacken durch die langjährigen Eingriffe verloren gegangen ist."

Lacken gehen alle an

Den Ankauf der Salze hat die St. Martins Therme & Lodge ermöglicht. „Ein kleiner Beitrag zur Erhaltung der einmaligen Sodalacken, um unseren Gästen auch in Zukunft beeindruckende Naturerlebnisse bieten zu können“, sagt Elke Schmelzer, Leiterin des Safari- und Naturerlebnisprogramms der St. Martins Therme & Lodge.

Auch Stefan Biczo, Jagdleiter der Jagdgesellschaft Apetlon II, betont die Bedeutung intakter Lacken: „Wasser bedeutet Leben. Die künstliche Wasserzufuhr alleine ist keine wirkliche Lösung. Vielmehr müssen wir alles daran setzen, dass die Lacken ihren natürlichen Wasser- und Salzhaushalt zurückgewinnen, um sicherzustellen, dass diese auch zukünftigen Generationen nicht nur erhalten bleiben, sondern auch nachhaltig genutzt werden können.“

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