„Neue Eisenstädter“: Interesse des Landes schon im Mai 2025
Bernd Gerdenitsch ist ein gestandener Baumeister, beim Tun fühlt er sich wohler als beim Reden. Das merkt man auch bei seinem Auftritt im Untersuchungsausschuss „Neue Eisenstädter“ (Nebau). Der 50-jährige technische Geschäftsführer der Nebau berät sich bei nahezu jeder Frage der Abgeordneten mit seiner Vertrauensperson, Anwalt Johannes Wutzlhofer.
Und zwar so ausgiebig, dass die Befragung am Donnerstagvormittag mehr als zweieinviertel Stunden dauert.
Immer wieder entschlägt sich Gerdenitsch der Aussage, weil gegen ihn und zahlreiche frühere Verantwortliche der Nebau ein Finanzstrafverfahren läuft. Das ist Ausfluss der Sonderprüfung des Landes, die wiederum Grundlage für den seit Jänner laufenden U-Ausschuss ist.
Vorwürfe des Landes
Der vom Land bestellte Sonderprüfer Johannes Zink hatte im Wesentlichen zwei Mängel geortet: In mindestens 25 Fällen seien „Anlegerwohnungen“ verkauft worden, ohne zeitgerecht der Aufsichtsbehörde gemeldet worden zu sein. Wohnungsvergaben hätten sich diesfalls „an spekulativen statt gemeinnützigen Interessen“ orientiert. Außerdem hätten „überhöhte Kreditzinsen (5,2 Millionen Euro in zehn Jahren, Anm.) zu strukturell verteuerten Mieten“ geführt. Die früheren Eigentümerbanken Raiffeisenlandesbank und Erste Bank hätten davon profitiert.
Die Finanz prüft in diesem Zusammenhang, ob die Nebau in Folge dieser Geschäfte ein gemeinnütziges Steuerprivileg missbräuchlich in Anspruch genommen hat.
Weil Gerdenitsch aber die Vorwürfe aus der Sonderprüfung bestreitet, sieht er auch keinen Missbrauch beim Steuerprivileg. Ebenso wie der Revisionsverband der gemeinnützigen Bauvereinigungen hat auch die Nebau gegen die Schlussfolgerungen der Sonderprüfung und die daraus folgende Einsetzung eines Regierungskommissärs Beschwerde beim Landesverwaltungsgericht (LVwG) erhoben. Kenner der Materie rechnen erst im Herbst mit einer Entscheidung - der von der Mehrheitsfraktion SPÖ beantragte U-Ausschuss endet Mitte Juli.
Gerdenitsch, seit 2005 bei der Nebau, aber erst seit Anfang 2024 Teil der Geschäftsführung, sieht anders als der Sonderprüfer des Landes keine Verstöße gegen das Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz. Die Nebau hat - wie der Sonderprüfer - externe Gutachter beigezogen, die zu ganz anderen Ergebnissen gekommen sind.
Auch bei den jährlichen Prüfungen durch den Revisionsverband seien nie Mängel festgestellt worden, bei den Abschlussbesprechungen sei auch immer die Aufsicht des Landes dabeigewesen, „Urgenzen gab es keine“, so Gerdenitsch. In dem von Sonderprüfer Zink beleuchteten Zeitraum 2015 bis 2023 sei er noch nicht Geschäftsführer gewesen, die Wohnungsverkäufe seien Mitte 2022 eingestellt worden.
Bei Kreditvergaben seien zumindest unter seiner Verantwortung immer die Bestbieter zum Zug gekommen. Bis zu 13 Banken könnten grundsätzlich angeschrieben werden, um Angebote abzugeben. Mindestens drei müssen immer eingeladen werden.
8. Mai 2025
Ganz genau erinnern konnte sich Gerdenitsch, als er gefragt wurde, wann er zum ersten Mal vom Interesse des Landes an der Nebau erfahren habe. „Am 8. Mai 2025 hat mich der Aufsichtsratsvorsitzende (Hans Peter Weiss, wie Gerdenitsch aus Rohrbach, Anm.) informiert“. Auf Nachfrage, ob es um Kaufabsichten oder laufende Verhandlungen ging, konnte sich der Nebau-Geschäftsführer nicht an den „genauen Wortlaut“ erinnern.
Bedeutend ist das, weil LH Hans Peter Doskozil Mitte Oktober 2025 betont hatte, „es war niemals Intention des Landes, einen gemeinnützigen Wohnbauträger zu erwerben“. Kurz vor Weihnachten hat das Land dann aber doch noch die Nebau zu 70 Prozent übernommen, die beiden Banken blieben Minderheitseigner. Doskozil unterscheidet zwischen Kauf und Übernahme nach dem Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz.
Ob er nach Ende des Finanzverfahrens weiter in der Nebau bleiben wollte, fragte ein Mandatar? Da huschte erstmals ein Lächeln über Gerdenitschs sonst angespanntes Gesicht: „Das Verfahren beeinflusst meine Loyalität zur Neuen Eisenstädter nicht“.
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