Am Montag wurde ein Insolvenzantrag über das Vermögen der Commerzialbank eingebracht

© APA/THERESA PUCHEGGER

Chronik Burgenland
07/28/2020

Martin Puchers rechte Hand bei der Commerzialbank

Wie Co-Vorständin Franziska K. seit den 90er-Jahren mit Martin Pucher arbeitete und ihrem Chef bis zuletzt die Treue hielt.

von Thomas Orovits

Der SV Mattersburg hatte zwar all die Jahre unter der Führung von Martin Pucher schon auch Sportdirektoren und Trainer, aber die Aufstellung – so ein oft gehörter süffisanter Satz – bestimmte Präsident Martin Pucher.

In der Commerzialbank Mattersburg, die Pucher vor 25 Jahren gegründet hatte, dürften ganz ähnliche Spielregeln gegolten haben. Statt am Spielfeldrand saß der verlängerte Arm aber im Visavis-Büro. "Wenn man in Mattersburg in die Bank kam, war links das Büro Puchers und rechts das von Co-Vorständin Franziska K.", erzählt ein Aufsichtsrat der Bank.

"Graues Mäuschen"

Anders als Trainer und Sportdirektoren blieb Puchers engste Mitarbeiterin in der Bank aber all die Jahre unauffällig – und an seiner Seite. Bis zum bitteren Ende.

Am Montag hat die Finanzmarktaufsicht (FMA) beim Landesgericht Eisenstadt einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen der Commerzialbank Mattersburg AG gestellt. Die Regionalbank ist "rechnerisch im Ausmaß von 528 Millionen Euro überschuldet" und zudem "zahlungsunfähig", heißt es in der Begründung.

Dass es so weit gekommen ist, wird in erster Linie Bank-Gründer Pucher (64) und seiner 55-jährigen Co-Vorständin K. angelastet. Beide werden von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) als Beschuldigte geführt.

Zusammenarbeit seit den 90er Jahren

Kredite und Guthaben bei anderen Banken sollen jahrelang frei erfunden worden sein, bis zur Hälfte der Commerzialbank-Bilanz von zuletzt 800 Millionen Euro soll nicht existieren. Pucher soll die Luftgeschäfte ersonnen, K. selbige ausgeführt haben. Für Beide gilt die Unschuldsvermutung.

Aber warum ließ sich K. auf diesen Husarenritt ein?

Pucher und K. kennen einander zumindest seit den 1990-er Jahren, als beide in der Raika-Filiale in Zemendorf gearbeitet haben. Als Pucher im Zwist von Raiffeisen schied und 1995 die Commerzialbank gründete, nahm er K. mit. Für die verheiratete und kinderlose K. "war die Commerzialbank ihr Leben", erinnert sich ein Ex-Mitarbeiter.

Das Duo: "Größenwahnsinnig" und "graues Mäuschen"

Bei Raiffeisen hatte man den jungen Banker nicht mehr für tragbar gehalten, manche hielten ihn für "größenwahnsinnig". Er wollte in der kleinen Filiale in Zemendorf nahe Mattersburg Geschäfte in großem Stil machen. "Die Deutsche Bank mache ja auch nichts anderes", soll seine saloppe Begründung gelautet haben.

Damals mit im Bund war auch Josef Giefing, später Aufsichtsratsvorsitzender in Puchers Bank. Giefing und K. saßen auch im Vierer-Vorstand der Personalkreditgenossenschaft, Hauptaktionär der Commerzialbank AG.

Der "Alleinvorstand mit Sekretärin"

Wer mit der Commerzialbank geschäftlich zu tun hatte, wusste zwar, wer K. war, aber in der Öffentlichkeit nahm niemand Notiz von ihr. "Sie war ein graues Mäuschen", sagt ein Banker, der sie seit Langem kennt. Pucher sei für K. offenbar "Chef, Mentor und Vorbild" gewesen.

Auch als K., die noch bei Raiffeisen eine Ausbildung zur Geschäftsstellenleiterin absolviert hatte, formal zur Co-Vorständin Puchers aufstieg – der Aufsichtsrat hatte die Personalie abgesegnet – hielt sich nach Außen ein Bild, das ein Kenner der burgenländischen Bankenlandschaft so beschreibt: "Die Commerzialbank wurde von einem Alleinvorstand mit Sekretärin geführt."

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