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Chronik Burgenland
11/19/2020

Krise sorgt für mehr Zulauf bei Burgenlands Feuerwehren

Feuerwehr meldet steigende Mitgliederzahlen und weniger Einsätze. Beim Roten Kreuz nimmt der Aufwand hingegen zu.

von Claudia Koglbauer-Schöll, Michael Pekovics

Schulen, der Handel und die Gastronomie befinden sich im zweiten Lockdown. Auch bei den Einsatzkräften ist man dafür gerüstet, wie ein Rundruf des KURIER ergab.

Bei einer Besprechung der Landesfeuerwehrkommandanten habe man schon vor dem offiziellen Lockdown darüber beratschlagt, sämtliche Lehrgänge zu schließen, sagt Landesfeuerwehrkommandant Alois Kögl.

Präsenzausbildungen, Übungen und persönliche Treffen der Feuerwehr sowie der Feuerwehrjugend sind bis zum Ende des Lockdowns am 7. Dezember ausgesetzt. Der Schlagkraft der Feuerwehr täten diese Maßnahmen jedenfalls keinen Abbruch – das habe sich auch schon im Frühjahr gezeigt, sagt der Feuerwehr-Landeschef.

Steigende Mitgliederzahlen

Im Gegenteil: Die Zahl der Mitglieder ist – trotz Corona-Krise – im ersten Halbjahr sogar um 222 gestiegen. Den größten Zuwachs habe es bei den aktiven Mitgliedern gegeben, aber auch bei der Feuerwehrjugend und den neu gegründeten Feuerwehr-Kids. 17.522 Burgenländer versehen derzeit Dienst bei einer der 315 freiwilligen bzw. sieben Berufsfeuerwehren.

Die Jugendarbeit habe sich ausgezahlt. Kögl rechnet damit, dass – ähnlich wie beim ersten Lockdown – auch dieses Mal die Zahl der Einsätze sinken wird.

Weniger Einsätze für die Feuerwehr

Zahlen aus dem ersten Halbjahr 2020 belegen diese Einschätzung: Während die Einsatzkräfte im Vorjahr im Burgenland durchschnittlich 17 Mal pro Tag ausrücken müssten, waren es dieses Jahr in den ersten sechs Monaten zehn Einsätze. Corona-bedingte Ausfälle der Mitglieder gäbe es bei den Feuerwehren im Land hingegen bisher nur wenige.

Wo Kögl ein Problem sieht, ist allerdings die Ausbildung der Feuerwehrschüler: 3.000 von ihnen konnten bisher nicht ausgebildet werden. „Das zieht einen Rattenschwanz an Verzögerungen mit sich.“ Hoffnungen werden nun auf eine Online-Ausbildung gelegt: Ein Pilotprojekt wurde in den vergangenen Wochen gestartet.

Kögl hofft auch auf eine Sonderregelung für die Leiter der Feuerwehren: Anfang kommenden Jahres stehen Kommandanten-Wahlen vor der Tür. Laut Gesetz müssten neue Kommandanten binnen 24 Monaten eine Schulung absolvieren. Wäre das aufgrund der Pandemie nicht möglich, „so hoffen wir, dass die Frist auf 30 oder 36 Monate ausgeweitet wird“.

Rotes Kreuz: "Hohes Niveau, aber bewältigbar"

Viel zu tun gibt es auch beim Roten Kreuz. Zwar sei die Zahl der Transporte kaum gestiegen. „Was stark gestiegen ist, ist der zeitliche Aufwand“, bringt es der stellvertretende Rettungsdienstleiter des Burgenlands, Christoph Frimmel im KURIER-Gespräch auf den Punkt.

Die Zahl der sonstigen Rettungstransporte ist etwa so hoch wie im Vorjahr. „Durch die besonderen Sicherheitsmaßnahmen dauern die Einsätze aber bis zu eineinhalb Mal so lang“, sagt Frimmel. Bleibe die Zahl der Infizierten im Burgenland gleich, fahre man zwar „auf hohem Niveau, aber das ist bewältigbar.“

Wie sich der zweite Lockdown auf die Zahl der Einsätze auswirken werde, sei völlig offen. „Im Frühjahr ist die Zahl der Transporte von durchschnittlich 1.700 pro Woche auf etwa 1.300 gesunken.“ Weniger Verkehr und weniger Freizeitunfälle hätten auch weniger Rettungseinsätze erforderlich gemacht.

Wasserversorgung ist gesichert

Burgenlands Wasserverbände sind als Teil der kritischen Infrastruktur auf Krisen grundsätzlich gut vorbereitet. Dennoch wurden im ersten Lockdown viele Erfahrungen gemacht, die den Start des zweiten Lockdowns erleichtert haben.

„Wir konnten direkt in den Krisenmodus wechseln“, erzählt Christian Portschy, Geschäftsführer des Wasserverbandes südliches Burgenland (WVSB). Die Belegschaft wurde  in vier Gruppen ein- und auf vier Wasserwerke im Versorgungsgebiet aufgeteilt, um dadurch jegliches Ansteckungsrisiko auszuschließen. An jedem Standort gibt es ein voll ausgestattetes, modernes Büro.

„Von dort aus können alle Anlagen ständig beobachtet werden, genauso wie in der Zentrale in Oberwart“, sagt Portschy.  Die Aufteilung auf vier Wasserwerke habe sogar den Vorteil, dass die jeweilige Arbeitsgruppe im Notfall schneller eingreifen kann. Größere Projekte werden derzeit nicht umgesetzt, die Einsätze im Gelände beschränken sich auf die üblichen Sanierungs- und Wartungsarbeiten.

Das Büro des Wasserverbands südliches Burgenland in Oberwart ist aber dennoch wie gewohnt besetzt. Parteienverkehr gibt es allerdings nur nach telefonischer Voranmeldung. „Die Trinkwasserversorgung ist jedenfalls gesichert“, sagt Portschy.

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