In welchen Bereichen die Kriminalität im Land wächst
Petra Bauer in ihrem Büro. Insgesamt 13 Staatsanwälte gibt es in Eisenstadt.
Von Gernot Heigl
Auch wenn das Burgenland als das sicherste Bundesland Österreichs gilt, ist die Kriminalitätsrate 2025 gestiegen. Das bestätigen der Kriminalitätsbericht des Innenministeriums ebenso wie die Zahlen der Staatsanwaltschaft Eisenstadt.
Im Vergleich zu 2024 hat sich im Vorjahr die Aktenzahl für Strafverfahren mit ausgeforschten Tätern um rund 5 Prozent erhöht, von 6.839 auf 7.177. „Bei Anklagen zu Schwurgerichtsprozessen gab es sogar eine Verdopplung. Die Strafanträge für Verbrechen mit einem Strafrahmen von bis zu fünf Jahren Haft verzeichnen eine Zunahme von 19,7 Prozent“, berichtet Staatsanwältin Petra Bauer.
Cybercrime & Drogen
Die Verfahren gegen unbekannte Täter haben sich um 3,9 Prozent erhöht. Dies sei „auf die hohe Anzahl an Cybercrime-Delikten zurückzuführen, die zwar extrem ermittlungsintensiv sind, aber leider oft ins Leere gehen“, so Bauer. Im Bereich Drogen habe es „im abgelaufenen Jahr einige große Verfahren“ gegeben.
Erschüttert zeigt sich die Staatsanwältin über die Tatsache, dass es immer mehr Tote durch Suchtgift gibt. „Auch wenn wir über keine konkreten Zahlen verfügen, erhalten wir im Rahmen unserer Journaldienste davon Kenntnis.“
Das Ansteigen der Kriminalität im Burgenland spiegelt sich auch in der kriminalpolizeilichen Anzeigenstatistik des Innenministeriums wider. Werden für 2025 österreichweit 538.656 Anzeigen und somit eine Steigerung von 0,8 Prozent ausgewiesen, ist die Zunahme im Burgenland mit 12.026 Straftaten im Vergleich zu 2024 (11.776) mit 2,1 Prozent beinahe dreimal so hoch.
41 Mal mit der Stichwaffe
Laut Ministeriumsstatistik konnten 8.423 Tatverdächtige im Burgenland ausgeforscht werden. Dies entspricht einem Anstieg von 5,2 Prozent. Bei den angezeigten Delikten im Bereich der Internetkriminalität gibt es einen Zuwachs von 14,7 Prozent.
Auch die Gewaltdelikte stiegen mit 1.677 Anzeigen um 2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das am häufigsten verwendete Tatmittel war wie in den vergangenen Jahren die Stichwaffe, die 2025 in 41 Fällen eingesetzt wurde. Eine leichte Erhöhung auf 20 Anzeigen gab es bei Raubüberfällen (17 im Jahr 2024).
Alarmierend ist der Anstieg um 40 Prozent bei Tatverdächtigen unter 21 Jahren im Zehnjahresvergleich. Bei ermittelten Jugendlichen im Alter von 14 bis unter 18 Jahren beträgt der Zuwachs seit 2016 sogar mehr als 66 Prozent, im Vergleich zu 2024 sind es 11,5 Prozent. In der Altersgruppe der 10- bis unter 14-Jährigen erhöhte sich die Anzahl von 232 im Jahr 2024 auf 298 im Vorjahr, das ist ein Zuwachs von rund 28,5 Prozent.
Erfreulich hingegen ist der Rückgang bei Anzeigen wegen Vergewaltigung, die sich mit 15 Fällen im Vorjahr im Vergleich zu 34 Anzeigen 2024 mehr als halbiert haben. Mit 3.439 Anzeigen – um 2,6 Prozent rückläufig – ist auch die Eigentumskriminalität gesunken. Während es beim Kfz-Diebstahl eine deutliche Reduktion von 63 auf 34 Fälle im Jahr 2025 gab, sind die Taschen- und Trickdiebstähle um 78,7 Prozent gestiegen. Einen starken Zuwachs von 65,1 Prozent gibt es auch bei Wirtschaftsdelikten.
Kein neues Personal
Trotz steigender Aktenzahlen bleibt die Anzahl von 13 Staatsanwälten in Eisenstadt vorerst unverändert. Eine Personalerhöhung ist nicht in Sicht, obwohl es heuer zusätzlich zum normalen Arbeitsaufwand einige intensive, teils noch laufende Erhebungen in aufsehenerregenden Fällen gegeben hat, etwa die Mordermittlungen zum toten Baby in Nickelsdorf sowie die Nachforschungen zum Hipp-Erpresser und die Erhebungen im Fall eines verstorbenen Mädchens im Krankenhaus Oberwart, so Petra Bauer.
Kriminalität im Burgenland
Aktuelle Nachrichten zum Thema
Zusätzlich zu den Causen im Burgenland ist die Staatsanwaltschaft Eisenstadt auch Ermittlungsbehörde beim Tod eines Häftlings in der Justizanstalt Hirtenberg (NÖ), wo aktuell gegen mehrere Justizwachebeamte ermittelt wird. Erst im Juni wurde das Verfahren rund um den Tod des Justiz-Sektionschefs Christian Pilnacek eingestellt. Beide Verfahren wurden von der Oberstaatsanwaltschaft Wien an die Staatsanwaltschaft Eisenstadt übertragen.
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