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Chronik Burgenland
08/05/2020

Klima-Messgeräte ermöglichen Reduktion von Spritzmittel

Messstationen sollen den Einsatz von Pflanzenschutz in den Weingärten reduzieren.

von Claudia Koglbauer-Schöll

Der kälteste Tag in diesem Jahr war bei uns heuer im April, weiß Albert Gesellmann. „Da hatten wir 7,8 Grad minus, was sonst im Jänner oder Februar üblich ist“, erklärt der Winzer aus Deutschkreutz.

Seit dem Vorjahr ist Gesellmann an dem grenzübergreifenden Interreg-Forschungsprojekt ClimVino beteiligt. Mithilfe von Messstationen soll in burgenländischen und slowakischen Weingärten der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln drastisch reduziert werden – so das Ziel.

Die kleinräumigen Messungen der Luft- und Blattfeuchte, Luftgeschwindigkeit und Windrichtung liefern Daten zum Mikroklima der Region. Damit sollen sie die Bestimmung des optimalen Spritzzeitpunktes ermöglichen und den Einsatz von Spritzmitteln drosseln. Bestand und Gesundheit der Weinstöcke würden besser abgesichert und die Qualität der Trauben verbessert.

Seit Kurzem stehen Albert Gesellmann die Daten, die er für die Berechnung der notwendigen Pflanzenschutzmittel für seine 55 Hektar Rebflächen benötigt, durch die Messstationen zur Verfügung.

Mittels Code können diese auf der Homepage (climvino.eu) abgerufen werden, jede Viertelstunde werden sie aktualisiert.

„Durch die neue Homepage wurde nun auch der Zugriff auf die Daten für alle Winzer weiter vereinfacht“, sagt Dietmar Wippel, der als Techniker bei ClimVino fungiert.

Die Analyse erfolgt durch die Winzer selbst. Unterstützung gibt es bei Bedarf durch Weinbauberater der Landwirtschaftskammer, die Rückschlüsse auf mögliche Schadorganismen ziehen und Behandlungsempfehlungen abgeben.

Das Projekt trägt bereits erste Früchte, wie Winzer Gesellmann bestätigt. „Wir konnten den Einsatz der Pflanzenschutzmittel heuer deutlich reduzieren.“

Für Gesellmann, der seit 2015 eine biologisch-organische Rebfläche bewirtschaftet, ein großer Vorteil. „Wir arbeiten im Gegensatz zu konventionellen Betrieben nur präventiv und nicht heilend.“ Ist eine Pflanze etwa von einem Pilz befallen, können nur mehr die Blätter entfernt werden.

Außerdem, so Gesellmann, würden die gelieferten Daten Sicherheit bei der Bewirtschaftung mit sich bringen. Das Spritzen der Pflanzen „ins Blaue hinein“ sei nicht mehr notwendig.

23 Stationen wurden bereits in Betrieb genommen, das Bundesamt für Weinbau (BAWB) analysiert laufend die Böden in der Umgebung. Demnächst werden weitere 25 Stationen in der Slowakei in Betrieb genommen.

Interreg-Projekt

Das Forschungsprojekt ClimVino startete  2019 und soll bis Oktober 2022 laufen. Der Anteil des Burgenlandes beläuft sich auf 788.000 Euro, jener der Slowakei auf 477.000 Euro. Das Interreg-Projekt wird zu 85 Prozent von der EU gefördert

Am Projekt sind derzeit 15 Weinbauvereine, sieben Winzer und die Weinbauschule Eisenstadt beteiligt. Getragen wird ClimVino u. a. durch Land, Landwirtschaftskammern im Bgld. und der Slowakei sowie Weinbauverband und Burgenland Tourismus

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