Ärzte schlagen Alarm: Was es im Burgenland gar nicht gibt
Kinder- und Jugendpsychiatrie im Burgenland: Laut ÖGKJP fehlen 15 bis 24 stationäre Betten. Auch Kassenverträge für niedergelassene Fachärzte gibt es nicht.
Die Kinder- und Jugendpsychiatrie wird im Burgenland stiefmütterlich behandelt – so kann man die jüngste Kritik der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (ÖGKJP) pointiert zusammenfassen. Wie der KURIER gestern berichtet hat, stößt sich die Fachgesellschaft daran, dass das Burgenland als einziges Bundesland „bis heute keinen einzigen stationären Behandlungsplatz für psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche bereithält“.
Am Geld könne es nicht liegen, merkt die ÖGKJP mit Blick auf die von LH Hans Peter Doskozil (SPÖ) forcierte Herzchirurgie in Oberwart an. Zwei Mal, so die ÖGKJP, habe man versucht in der Sache zu Doskozil vorzudringen. Auf beide Schreiben habe es aber keine Reaktion gegeben.
Wie viele stationäre Behandlungsplätze bräuchte es im Burgenland? Auf Grundlage des Österreichischen Strukturplans Gesundheit wären zwischen 15 und 24 Betten notwendig, rechnet Paul Plener im KURIER-Gespräch vor: „Eine eigene Abteilung“, sagt Plener, Vorstand der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am AKH Wien und Präsident der ÖGKJP.
Neue Psychiatrie in Eisenstadt
Als Standort böte sich die neue Psychiatrie an, die im Zuge der Erweiterung des Eisenstädter Spitals errichtet wird. Vom Krankenhaus der Barmherzigen Brüder heißt es dazu am Dienstag, die Bettenkapazität auf der Psychiatrie werde erweitert, um die Akutversorgung für das gesamte Burgenland übernehmen zu können. „Diese Erweiterung umfasst auch spezielle Behandlungsmöglichkeiten für Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 24 Jahren.“
Den Einwand, das Burgenland könnte ja auch mit anderen Bundesländern kooperieren (wie es von Experten bei der Herzchirurgie verlangt wird) und Kinder und Jugendliche in deren Einrichtungen unterbringen, lässt Plener nicht gelten. Erstens gebe es auch jenseits von Leitha und Lafnitz „keine Überhangbetten“, und zweitens sei gerade in der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) wohnortnahe Behandlung immens wichtig, zumal bei der Therapie auch mit Schulen zusammengearbeitet werden müsse.
„Nicht vorgesehen“
Unterversorgt ist das Burgenland in der KJP nicht nur im stationären Bereich, es ist auch das einzige Bundesland ohne Kassenvertrag für niedergelassene Kinder- und Jugendpsychiater. Für Uni-Professor Plener ist das „vollkommen unverständlich“. Auf Nachfrage heißt es vonseiten der Ärztekammer, im Regionalen Strukturplan Gesundheit von 2025 hätten Land und Gesundheitskasse „keine eigenen Planstellen vorgesehen“ – aber Kinder- und Jugendpsychiater seien auch rar gesät. Das Burgenland verfüge „über ein breites und qualitativ hochwertiges psychosoziales und soziales Unterstützungsnetz“, betonte Soziallandesrat Leonhard Schneemann (SPÖ) und verwies auf drei Ambulatorien für Unter-18-Jährige in Oberwart, Eisenstadt und Neusiedl am See und das Heilpädagogische Zentrum in Rust.
Deponiert hat Schneemann das vor zwei Monaten bei der Vorstellung von Andreas Kollar, neuer Fachbereichsleiter für den Psychosozialen Dienst und die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Vielleicht ändert das neue Psychiatriekonzept des Landes, an dem Kollar mitarbeitet, die Perspektive der Politiker.
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