© Claudia Koglbauer

Chronik Burgenland
06/26/2020

Kein Antritt zur Matura: Schüler kritisieren HTL-Lehrer

Absolventen der Abteilung Flugtechnik der HTL Eisenstadt sehen bei so manchem Lehrer pädagogische Defizite: „Da wurde ein Exempel statuiert.“

von Michael Pekovics

„Der Bub hat sich nicht verdient, dass so mit ihm umgegangen wird.“ Das sagt Susanne Schmid, Vorsitzende des VEV (Verband der Elternvereine Burgenland) zur Kritik von Schülern an der HTL Eisenstadt, Abteilung Flugtechnik, nach deren Matura.

Von 45 Schülern, die aus ganz Österreich kommen, durfte nämlich nur einer, nämlich Martin S. (Name der Redaktion bekannt), nicht antreten, weil er sein letztes Schuljahr in den Fächern Flugtriebwerke, Luftfahrzeugbau und Mechanik nicht positiv abgeschlossen hatte. Die Vermutung einiger seiner Klassenkollegen lautet jetzt: „Da wurde ein Exempel statuiert.“

Das ist die Vorgeschichte

Hintergrund der Geschichte ist ein Vorfall, an dem mehrere Schüler beteiligt waren – das Löschen von Fehlstunden aus dem Online-Klassenbuch, ermöglicht durch die Weitergabe des Passwortes durch frühere Maturanten. Die Schüler mussten in einer Disziplinarkonferenz Rede und Antwort stehen, Verwarnungen wurden ausgesprochen und der Fall ad acta gelegt.

Im Gespräch mit dem KURIER schildert der Klassensprecher, dass sich die Lehrer im Anschluss allen Schülern gegenüber korrekt verhalten hätten – mit Ausnahme von Martin S. „Ihm wurde die Hauptschuld gegeben, obwohl alle gemeinsam daran beteiligt waren“, sagt der Schülervertreter. Vor allem in den technischen Fächern soll S. das Leben schwer gemacht worden sein. Im Raum stehen Sätze, wie „der ist ja kriminell und gehört ins Gefängnis“ oder „ein Repetent kommt bei mir nicht durch“.

Schulwechsel ist nicht möglich

Besonders problematisch ist das deshalb, weil die Ausbildung zum Flugtechniker an der HTL Eisenstadt die einzige in Österreich ist, was einen Schulwechsel unmöglich macht. Grundsätzlich sei der Unterricht an der HTL Eisenstadt gut, sagt der Klassensprecher. Einige Lehrer seien zwar fachlich top, hätten aber pädagogische Defizite und mangelnde Empathie. „Da wurden schon mal Schüler wegen eines kleinen Fehlers eine ganze Stunde lang vom Lehrer vorgeführt. Auch die Notenvergabe ist interessant, weil wir teilweise nicht wussten, welche Tests in die Bewertung einfließen und welche nicht.“

Mit den Vorwürfen konfrontiert, meint Direktor Stefan Wagner, dass an seiner Schule kein Zusammenhang zwischen Verhalten und Leistungsbeurteilung bestehe. „Zwischenmenschlich ist es natürlich so, dass man mit einem besser kann als mit dem anderen. Aber dass deshalb Schüler schlechter beurteilt werden, das schließe ich aus. Die Leistung zählt.“ Zu den einzelnen Wortmeldungen könne er nichts sagen, weil es sich um Behauptungen handle: „Da steht Aussage gegen Aussage. Es ist aber das gute Recht eines jeden Schülers, gegen seine Beurteilung zu berufen.“

Das hat Martin S. auch gemacht, sein Einspruch wird derzeit in der Bildungsdirektion behandelt, eine kommissionelle Prüfung über das Abschlussjahr könnte die Folge sein. Wird dem Einspruch aber nicht stattgegeben, könnte die Causa sogar vor dem Bundesverwaltungsgericht als nächste Instanz landen. „Es liegt an der Schule, sicherzustellen, dass die Schüler das Gefühl haben, ordentlich abschließen zu können“, sagt Bildungsdirektor Heinz Josef Zitz.

Kritik am „wenig wertschätzenden Umgang“ kommt auch von Elternvertretern, die sich „mehr gegenseitige Akzeptanz“ wünschen. „Speziell im Schulzweig Flugzeugtechnik ist eine Art ,elitäres Denken’ zu spüren, weil es diese Ausbildung sonst nirgends gibt“, spricht Elternvertreterin Schmid von „Strukturproblemen und Abgehobenheit“.