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Max Stiegl kocht und lässt sich dabei filmen. Ein ganz normaler Tag für den PR-affinen Haubenkoch vom "Gut Purbach", könnte man meinen. Doch diese Serie von Kurzvideos, die Stiegl seit 9. März auf seinen Social-Media-Kanälen veröffentlichte, löste ein Echo aus, wie man es sonst nur von Promi-Skandalen kennt.
Das liegt an den Rezepten, die Stiegl in den Videos vorkocht - beziehungsweise an der Hauptzutat: Schopf vom Biber. Biber-Rohwurst. Biberschwanz-Suppe. Biberhirn-Omelette.
In einem der Videos präsentiert Max Stiegl das tote Tier. "Justin Biber", wie er ihn nennt, habe ihm ein Jäger überlassen: "Für den Privatgebrauch", wie der Koch mehrmals betont. "Der bringt fast 50 Kilo auf die Waage und spielt viele Gustostückerl", freut sich der Purbacher im Video auf die bevorstehende Verarbeitung des Wildtieres.
Stiegls Videos lösten eine Welle der Empörung aus - aber auch positive und wohlwollende Kommentare sind unter den Beiträgen zu lesen. Viele Beobachter fragen sich allerdings, wo der Biber eigentlich herkommt. Die Tiere stehen sowohl nach dem burgenländischen Naturschutzgesetz als auch auf EU-Ebene unter strengem Schutz.
Bibermanagement: "Das geht gar nicht"
Der letzte Abschuss eines Bibers im Burgenland sei schon einige Jahre her, sagt Klaus Michalek, Mitarbeiter des burgenländischen Bibermanagements, auf KURIER-Nachfrage. Dieses Jahr und 2024 habe es gar keinen gegeben.
Seit 2015 vermitteln die Naturschutzorgane vom Bibermanagement des Landes zwischen Mensch und Tier. Kommt es zu Konflikten - etwa wegen von Bibern gefällter Bäume - ist ein Drei-Stufen-Modell vorgesehen: An erster Stelle steht die Beratung, an zweiter der Eingriff in den Lebensraum des Bibers (z.B. Entfernen von Dämmen oder vergrämen) und erst an letzter Stelle ein Eingriff in die Population - was eine Umsiedelung oder eben einen Abschuss bedeuten kann.
Michalek betont: "Es ist immer das gelindeste Mittel anzuwenden". Ein etwaiger Abschuss durch einen Jäger müsse von der Naturschutzbehörde bewilligt werden, "sonst geht das gar nicht".
Für den Bibermanager steht fest: Wenn Max Stiegl einen Biber verkocht, dann verstößt er sowohl gegen burgenländische Gesetze als auch gegen europäisches Recht. "Was er gemacht hat, ist einfach illegal", mahnt Michalek und lässt wissen, dass Stiegl bereits von einem Naturschutzorgan angezeigt worden sei.
Was sagt der Koch selbst zu den Vorwürfen? Der KURIER hat Max Stiegl am Donnerstag telefonisch erreicht. Er habe mit den Videos eine Diskussion anregen wollen, sagt er: "Ich habe das schon vier Jahre lang probiert, und heuer ist die Botschaft endlich angekommen. Warum gibt es für den Biber keinen geregelten Abschuss wie für andere Tiere? Es gibt viele Leute, die das gerne essen würden. Den Biber haben wir vor unserer Haustür, er ernährt sich vegan, er wäre perfekt zum Essen. Früher war das nichts außergewöhnliches, man findet den Biber in vielen alten Büchern als Fastenspeise."
Alles nur Fake?
Das alles ändert freilich nichts an der Tatsache, dass der Verzehr des geschützten Wildtiers im Burgenland des Jahres 2025 illegal ist - egal ob im Restaurant oder privat. Das weiß auch Max Stiegl und gibt zu: "Der Biber im Video war nicht echt, das war ein präparierter Biber". Die Videos waren also fake - doch die Provokation ist aufgegangen. "Rettet den Biber! Esst mehr Biber und weniger Avocados!", bringt Stiegl seine Botschaft auf den Punkt.
In Salzburg wird derzeit unter der Ägide von Landeshauptmannstellvertreterin Marlene Svazek von der FPÖ eine Verordnung für den kontrollierten Abschuss von Bibern ausgearbeitet. Seit der Veröffentlichung seiner Biber-Videos hätten ihn schon mehrere Anfragen von Blauen erreicht, etwas mit ihm zu machen. Aber Stiegl will nicht ins rechte Eck gestellt werden. Zur Salzburger Jagdverordnung meint er: "Da hätten wir eine Lösung, aber die Lösung kommt von den Falschen".
Von Tierschutz hat er leider weniger Ahnung als vom Kochen. Im Burgenland gibt es keine Biber, die legal erlegt werden dürfen.
von Anja Haider-Wallner, Landeshauptmannstellvertreterin (Grüne)
über Max Stiegls Biber-Videos
Seitens der burgenländischen Landesregierung gibt es derzeit keine Bestrebungen, den Biber zum Abschuss freizugeben. Die für Tierschutz zuständige Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner (Grüne) sagte über Stiegls provokative Videos am Donnerstag: "Max Stiegl zeigt wieder einmal, dass er PR-Talent hat. Von Tierschutz hat er leider weniger Ahnung als vom Kochen: Im Burgenland gibt es keine Biber, die legal erlegt werden dürfen und die dann in seiner Küche landen könnten. Das wird sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern. Biber sind zurecht streng geschützt, das Bibermanagement sorgt für einen Ausgleich mit Interessen von Grundeigentümerinnen."
Nachsatz der Grünen-Politikerin, die selbst für ihre Kochvideos bekannt ist: "Es gibt hierzulande eine große kulinarische Vielfalt, die sich hervorragend für den Teller eignet, noch dazu ganz legal. Das sollte für einen kreativen Haubenkoch eigentlich ausreichen."
(kurier.at, haipa)
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Aktualisiert am 21.03.2025, 12:04
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