Asbest-Check von Greenpeace: Nur ein Bundesland handelt

Greenpeace kritisiert fehlende Maßnahmen im Burgenland und in der Steiermark, während Niederösterreich bereits reagiert hat. Plus: Die Chronologie der Ereignisse.
Zwei Hände mit blauen Handschuhen entfernen mit Metallwerkzeugen Moos von einem großen Felsen.

Die Umweltorganisation Greenpeace hat an mehreren positiv getesteten Asbest-Fundorten überprüft, ob Maßnahmen gesetzt wurden. Das Ergebnis zeigt laut der Organisation deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern.

Während in Niederösterreich bei fast allen bekannten Fundstellen bereits gehandelt wurde, seien im Burgenland und in der Steiermark bislang kaum Maßnahmen erfolgt. An mehreren Orten liege das belastete Material weiterhin offen.

Konkret nennt Greenpeace unter anderem den Bereich vor der Kinderkrippe in Oberwart, wo sich weiterhin Asbest-Brocken befinden. Auch beim Skatepark in Rechnitz sei der Asbest-Asphalt noch nicht entfernt worden. Bei der Klinik Oberwart wurde zwar eine asbesthaltige Baustellenfläche abgedeckt, daneben liege jedoch weiterhin belasteter Schotter offen.

Wo jetzt Handlungsbedarf besteht

Greenpeace-Chemiker Herwig Schuster kritisiert, dass öffentliche Stellen in den betroffenen Bundesländern „bis auf wenige positive Ausnahmen“ nicht handeln. Unternehmen wie McDonalds, Asdfinag, Hofer und ÖBB hätten belastetes Material bereits gesichert oder entfernt.

Mehrere Autos parken vor einem modernen Gebäude mit gelber und weißer Fassade, daneben steht ein kahler Baum.

Schotterfläche vor der Kinderkrippe Oberwart.

Als positives Beispiel in der Steiermark nennt Greenpeace Neudau, wo der Bürgermeister den asbesthaltigen Rollsplitt entfernen ließ. In Hartberg hingegen sei der Zustand unverändert geblieben.

Greenpeace sieht auch Bund in der Pflicht

Beim Skatepark in Rechnitz sieht die Organisation zusätzlichen Handlungsbedarf. Laut Greenpeace zeigen sich dort Kratzspuren durch Fahrradpedale genau an jenen Stellen, an denen sich Asbesteinschlüsse im Asphalt befinden. Die Organisation fordert daher eine Sperre und Sanierung der Anlage.

Neben Maßnahmen auf Landesebene sieht Greenpeace auch den Bund in der Pflicht. Fragen zur Entsorgung sowie zur Finanzierung von Sanierungen seien Bundesagenden. Gleichzeitig dürfe das Burgenland die Verantwortung nicht auf die Bundesregierung abschieben.

Die Chronologie der Ereignisse

Vier gesperrte Steinbrüche, Funde auf Spielplätzen und Straßen, Messungen in Niederösterreich und hohe Werte in Ungarn: Die Asbest-Causa hat sich seit Jahresbeginn zu einem der brisantesten Umweltthemen im Burgenland entwickelt.

Während Greenpeace vor massiven Versäumnissen warnt, verweisen Land und Betreiber auf fehlende akute Gesundheitsgefahren – und auf einen Methodenstreit, der die Aufarbeitung zusätzlich erschwert.

Eine Frau hält ein Greenpeace-Schild "Asbest: Niederösterreich handelt!" neben einem Niederösterreich-Ortsschild.

"Niederösterreich handelt", lobt die Umweltschutzorganisation Greenpeace.

Zuletzt kritisierte das Land den Bund, weil es keine gesetzliche Regelung für das Inverkehrbringen von asbesthältigen Mineralien gibt. Auch auf EU-Ebene ist das Thema nicht klar geregelt. Anders in den Nachbarländern Deutschland, Ungarn und der Schweiz.

Anfang Jänner 2026
Vier Steinbrüche in den Bezirken Oberpullendorf und Oberwart wurden behördlich gesperrt. Das war der Auftakt der Causa, die in den folgenden Wochen immer heftiger geführt wurde.

23. Jänner 
Greenpeace machte elf belastete Standorte im Burgenland öffentlich. Genannt wurden unter anderem die Klinik Oberwart, der Skatepark in Rechnitz, der Rastplatz Mogersdorf und ein McDonald’s-Spielplatz in Oberpullendorf; in mehreren Materialproben wurden teils sehr hohe Asbestanteile gemeldet.

26. Jänner
Als Reaktion auf die Vorfälle wurde eine Taskforce eingerichtet. Sie sollte Messungen koordinieren, die Lage bewerten und weitere Schritte vorbereiten.

29. Jänner
Weitere belastete Orte wurden publik. Funde bei einem Spielplatz, einem Rastplatz, einem Businesspark und auch in Bozsok in Ungarn zeigten, dass das Problem nicht auf Steinbrüche beschränkt war.

Großer Felsen im Vordergrund, im Hintergrund ein unscharfer Spielplatz mit Klettergerüst und Bäumen.

Asbestfunde in der Nähe eines Spielplatzes.

3. Februar
Die ersten systematischen Lufttests starteten in Oberwart, Unterwart, Rechnitz und Neumarkt. Pro Standort wurden mehrere Messgeräte aufgestellt, um zu klären, ob tatsächlich lungengängige Fasern in die Umgebungsluft gelangen.

5. Februar
Das Land meldete nach der ersten Messserie an neun Standorten keine akute Gesundheitsgefahr. Zwar wurden Fasern gefunden, sie lagen laut Bericht aber nahe der Nachweisgrenze; weitere Messungen bei trockenerem und wärmerem Wetter wurden angekündigt.

13. Februar
Die Causa weitete sich auf weitere Orte im Nordburgenland und in der Steiermark aus. Berichtet wurde über Proben aus Winden, Breitenbrunn, Hartberg und Neudau mit teils sehr hohen Asbestanteilen, während Proben aus den steirischen Steinbrüchen Preg und Lobming unter 0,1 Prozent lagen.

14. Februar
Die Probenentnahme in den vier gesperrten Steinbrüchen war abgeschlossen. Gleichzeitig rückte die rechtliche Lücke in den Fokus: Für natürlich vorkommendes asbesthaltiges Material fehle eine ausdrückliche Grenzwertregelung.

Eine Schotterstraße führt zu einer Industrieanlage im Wald, mit Warnschildern und einem alten Gebäude am Straßenrand.

Seit Anfang des Jahres stehen vier Steinbrüche still.

Anfang März
Bei der Straßenmeisterei Aspang Markt in Niederösterreich wurde asbestbelasteter Streusplitt entdeckt, der aus dem Burgenland geliefert worden war. Das Material wurde laut Bericht eingekehrt und fachgerecht entsorgt.

13. März
Greenpeace präsentierte Staubabdruckproben und sprach von einem „zweifelsfreien“ Nachweis einer Asbestbelastung der Luft. Als am stärksten belastet wurde eine Probe aus Badersdorf bezeichnet.

24. März
Neue Funde in Niederösterreich wurden öffentlich. In Kirchschlag, Krumbach und Wiener Neustadt wurden Materialproben mit 5 bis 20 Prozent Asbest und Staubproben mit bis zu 170 Fasern pro Quadratzentimeter gemeldet; die Boccia-Bahn in Kirchschlag wurde gesperrt.

25. März
Die Taskforce kündigte eine zweite Messreihe an. Begründet wurde das damit, dass bei trockenerem und wärmerem Wetter mit höheren Messwerten zu rechnen sei; zugleich wurden erste Schutzmaßnahmen und Alternativen zu Streusplitt erwähnt.

Eine Person in Schutzkleidung steht in einer Steinbruchlandschaft und hält ein gelbes Schild mit der Aufschrift „Stoppt die Asbest-Vergiftung“.

Greenpeace ortet Versäumnisse beim Umgang mit Asbest in mehreren Bundesländern.

Asbest aus dem Burgenland

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14. April
Der Fall erreichte mit Szombathely auch Ungarn. Messungen ergaben 34.800 bis 292.000 Asbestfasern pro Kubikmeter, auch in Ollersdorf wurde asbesthaltiges Gestein gefunden; zugleich wurde die Klinik Oberwart mit 830 Fasern pro Kubikmeter als höchster Wert der ersten Burgenland-Messreihe genannt.

16. April
Die betroffenen Betriebe gingen in die Gegenoffensive und gründeten die ARGE Naturgestein. Ein beigezogener Experte kritisierte die von Greenpeace herangezogene Methodik und betonte, entscheidend sei nicht nur der Asbestgehalt im Gestein, sondern die tatsächliche Freisetzung von Fasern in die Atemluft. 

17. April
Der Konflikt eskalierte in Form von Anzeige und möglicher Gegenanzeige rund um eine Katastrophenübung im Steinbruch Pilgersdorf. Greenpeace sprach von möglicher Kontamination und Staubverschleppung, Land und Betreiber widersprachen dieser Darstellung.

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