© Koglbauer Claudia

12/30/2021

Die Lebensqualitäts-Verbesserer am Telefon

Unter der Nummer 142 wird jährlich mehr als 35.000 Anruferinnen und Anrufern telefonisch geholfen, ohne Ratschläge zu erteilen

von Claudia Koglbauer-Schöll

Sie sind nahe am Alltag ihrer Mitmenschen dran, hören sich deren Probleme, Ängste und Sorgen an – und das rund um die Uhr.

Seit 36 Jahren bieten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Telefonseelsorge Burgenland unter der kostenlosen Nummer 142 ihrem Gegenüber ein offenes Ohr – auch während der Feiertage. Gefragt sind auch die Online- und die 2012 eingeführte Chat-Beratung.

Das anonyme und kostenlose Angebot ist in Zeiten der Pandemie gefragter denn je, wie die beiden Leiterinnen der ökumenischen Einrichtung, Petra Lunzer und Maria Pöplitsch erklären. „Das Kontaktbedürfnis hat sich verstärkt“, erklärt Lunzer, die im Brotberuf als Psychotherapeutin arbeitet. Gemeinsam mit Pöplitsch, einer gelernten Lebens- und Sozialarbeiterin, und 85 ehrenamtlichen Mitarbeitern haben sie dieses Jahr bis Ende November etwa 32.200 Anrufe entgegengenommen.

Bedarf steigt

Wer zu den Anrufern zählt? Das sei ganz verschieden. „Bei uns ruft der 15-Jährige genauso an wie die 80-Jährige“, erklärt Pöplitsch. In letzter Zeit sei allerdings zu bemerken, dass die Anrufer jünger werden. Die Jungen seien zum Teil mit der aktuellen Situation überfordert. Es sei für sie das erste Mal, dass sie mit so einer Krise, wie die Pandemie eine ist, konfrontiert seien. Der fehlende persönliche Kontakt mit Gleichaltrigen, das Lernen zu Hause und mögliche Spannungszustände in der elterlichen Wohnung würden so manchem Jugendlichen sehr zusetzten. Aber auch Ältere greifen verstärkt zum Hörer, wissen die Expertinnen. Zudem nehme die Zahl der männlichen Anrufer zu.

Persönliche Spannungszustände und Einsamkeit seien die Hauptbedürfnisse, um sich mitzuteilen. „Wir sind ganz nah am Alltag unserer Anrufer dran. Mit allen Themen und rund um die Uhr. Wir sind ein verlässliches Gegenüber“, erzählt Lunzer. Der Anrufer bekommt keine Ratschläge erteilt. „Wir hören einfach zu und versuchen, die Gefühle der Anrufer widerzuspiegeln“, sagt Pöplitsch. Es gebe keine Sorge, die zu klein ist und keine, die zu groß ist, damit sie Gehör findet.

„Wir sind Anlaufstelle für akute Gefühlsüberforderung und versuchen zu deeskalieren“, fügt Lunzer hinzu. Das Angebot der Telefonseelsorge solle ein niederschwelliges sein, damit niemand Scheu haben müsse, 142 zu wählen. Der Erfolg gibt dem Telefonseelsorge-Team recht. „Vor Kurzem sagte eine Anruferin: ,Ihr seid einfach Lebensqualitäts-Verbesserer’“, erinnert sich Lunzer.

Seit Kurzem gibt es – neben dem Standort im Norden – auch einen im Südburgenland. Gesucht werden immer wieder neue ehrenamtliche Mitarbeiter. Es sei ein Geben und Nehmen für die freiwilligen Zuhörer. Neben dem Engagement für ihre Mitmenschen käme auch viel zurück, wissen die beiden Leiterinnen. „Die Mitarbeiter wachsen durch ihre Tätigkeit selbst persönlich, sie fühlen sich hilfreich und werden in ihrer Alltagsbewältigung gestärkt.“

Was die Telefonseelsorge, die zur Diözese gehört, noch benötigen würde, wäre ein Beitrag zur Infrastruktur. Spenden sind willkommen:

Raiffeisen Bank Burgenland*'
IBAN AT 193300 0000 0100 0728

martinus.at/telefonseelsorge

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