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Chronik Burgenland
11/02/2020

Die Causa Begas: Ein fast vergessener Skandal

Beim früheren Erdgasversorger im Burgenland soll Manager geschaltet haben, wie er wollte. Beim Prozess fehlt er

von Thomas Orovits

Verglichen mit dem aktuellen Bilanzskandal bei der Commerzialbank Mattersburg mit einer Überschuldung von mehr als 700 Millionen Euro sind die Summen, um die es im zweitjüngsten pannonischen Wirtschaftskrimi geht, beinahe Peanuts. Ein Schaden von rund 2,1 Millionen Euro wird Rudolf Simandl, dem früheren Vorstand des burgenländischen Erdgasversorgers Begas (seit 2012 mit dem Stromversorger Bewag zur Energie Burgenland fusioniert) angelastet.

Im Landesgericht Eisenstadt beginnt morgen, Dienstag, vor einem Schöffensenat unter Vorsitz von Richterin Karin Knöchl ein Verfahren, das sich mit lange zurückliegenden Malversationen eines sich anscheinend allmächtig wähnenden Firmenchefs befasst – nicht unähnlich der Commerzialbank. Achteinhalb Jahre nach Auffliegen der Begas-Affäre müssen sich fünf Männer verantworten, denen im wesentlichen Untreue vorgeworfen wird. Wie schon beim ersten Strafprozess 2016 (Gesamtschaden damals: 6,7 Millionen Euro) wird der mittlerweile 70-jährige Hauptangeklagte Simandl wieder fehlen.

Gutachter Peter Hofmann hat Simandl, der in einem Pflegeheim im Südburgenland lebt, wegen schwerer Depressionen schon vor vier Jahren Verhandlungsunfähigkeit attestiert. Im heurigen September sei wieder ein Gutachten eingeholt worden, so Simandls Anwalt Roland Kier zum KURIER. Das habe bestätigt, dass sein Mandant „in einem geistigen und körperlichen Zustand ist, der ihm eine Beteiligung an einem Strafverfahren vollkommen unmöglich macht“.

Neben zwei früheren Geschäftsführern von Begas-Töchtern müssen sich ab Dienstag auch Ex-Geschäftspartner des früheren Gasversorgers verantworten. Es geht um ein Begas-Projekt, das übers Reißbrett nicht hinausgekommen ist – eine Anlage zur thermischen Reststoffverwertung im südburgenländischen Heiligenkreuz um 100 Millionen Euro.

Pool ohne Rechnung

Honorarnoten ohne Gegenleistung, Scheinrechnungen und private Bauprojekte von Simandl, der von 1997 bis 2012 an der Spitze des Unternehmens stand und in der Anklageschrift als „Machthaber“ bezeichnet wird, stehen im Mittelpunkt des Prozesses. Zwei der Vorwürfe: Eine Baugesellschaft soll bei Simandl „eine Poolanlage errichtet (...) sowie Umbauarbeiten durchgeführt haben, ohne diese Leistungen an Mag. S. zu verrechnen“. Und Simandl soll den Geschäftsführer einer Baugesellschaft um „steuerschonende“ Umbauarbeiten an seinem Haus ersucht haben.

Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Die Verhandlung werde unter strengen Covid-19-Sicherheitsbestimmungen im großen Schwurgerichtssaal stattfinden, sagt Gerichtsvizepräsident Bernhard Kolonovits zum KURIER. Der Prozess ist schon einmal Corona zum Opfer gefallen, alle Termine im März, April und Mai mussten abgesagt werden. Deshalb ist Kolonovits vorsichtig: Vorerst gibt es einen zweiten Termin am Donnerstag dieser Woche – dann werde man weitersehen. Wie viele Verhandlungstage gebraucht werden, sei derzeit noch offen.

Ob und wann die Causa Commerzialbank vor Gericht landet, ist noch völlig offen. Aber der U-Ausschuss des Landtags startet just am Donnerstag mit ersten Zeugenbefragungen – darunter Bank-„Machthaber“ Martin Pucher.

2012: Anonymes Kuvert
Im Zuge der Fusion von Begas und Bewag zur Energie Burgenland tauchte ein Kuvert einer  Begas-Mitarbeiterin auf, das erste Hinweise  enthielt, im Unternehmen sei „was gelaufen“  

2016: Erster Prozess
Im Frühjahr und Sommer fand der erste Begas-Strafprozess statt. Drei frühere Begas-Manager  wurden zu bedingten und teilbedingten  Strafen verurteilt

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