Neue Eisenstädter: Ob wir diesen U-Ausschuss „derblos’n“?

Was von einem Untersuchungsausschuss zu erwarten ist, den die große Regierungspartei beantragt hat.
Ein Schild wirbt für "Neue Eisenstädter - Mein Zuhause" vor einem Wohngebäude.

Erinnern Sie sich noch an den Untersuchungsausschuss des Landtags zur Commerzialbank Mattersburg vor fünf Jahren? Was im Gedächtnis haften blieb, ist die gespenstische Szenerie, die der Corona-Pandemie geschuldet war.

Im großen Saal des Eisenstädter Kulturzentrums, in dem bei Konzerten oder Ballveranstaltungen Hunderte Menschen Platz finden, verloren sich vielleicht zwei Dutzend Personen – Mitglieder und Zeugen.

Selten wurde etwas gesagt, was sich so eingeprägt – und überdauert – hat, wie der legendäre Satz von Bankgründer Martin Pucher, der auf die Frage, warum er nach Jahrzehnten des Tricksens und Täuschens just Mitte Juli 2020 mit einer Selbstanzeige das Kartenhaus zum Einstürzen brachte, geantwortet hat: „Ich hab’ es nimmer derblos’n“.

Showdown um die Neue Eisenstädter

Seit Anfang Oktober ist die Causa Neue Eisenstädter das bestimmende politische Thema im Burgenland. Der KURIER hat von Beginn weg darüber berichtet.

Nach Einigung mit Raiffeisen und Erste Bank soll die Gesellschaft stärker auf leistbaren Mietwohnungsbau ausgerichtet werden.
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Land wollte mit Ausschuss Druck auf Eigentümerbanken ausüben, mittlerweile hat das Land die Wohnbaugesellschaft aber schon übernommen.
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Gemeinderat verzichtet auf Vorkaufsrecht für Wohnbaugesellschaft.
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Land könnte 70 Prozent übernehmen, bisherige Eigentümerbanken den Rest. Land bestätigt bloß "ergebnisoffene Gespräche", um die Eigentümer gebeten hätten.
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Die „Neue Eisenstädter“ fechten die Bestellung des Regierungskommissärs an. Gleichzeitig wird der U-Ausschuss zur Wohnbaugesellschaft vorbereitet.
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Persilschein erwartbar

Ob auch der Untersuchungsausschuss zur gemeinnützigen Wohnbaugesellschaft „Neue Eisenstädter“, der Anfang 2026 beginnen soll, mit derlei sprachlichen Wuchteln ergötzen wird?

Das ist zu hoffen.

Zu befürchten ist aber, dass der U-Ausschuss zur Wohnbaugesellschaft eine öde Partie wird. Schließlich hat nicht eine Minderheit, sondern die Mehrheitsfraktion SPÖ den U-Ausschuss beantragt, nachdem SPÖ-Parteichef Hans Peter Doskozil die Ergebnisse einer vom Land beauftragten Sonderprüfung der „Neuen Eisenstädter“ präsentiert hatte. Der Ausschuss solle klären, so SPÖ-Klubchef Roland Fürst, „ob und wie die Aufsicht des Landes Burgenland ihre Kontrollrechte wahrgenommen hat“. 

Und zwar im Zeitraum von Oktober 2023 bis heute – da regierte erst die SPÖ allein, seit Jänner 2025 mit den Grünen.

Als gelernter Burgenländer weiß man, es kann nur zwei Möglichkeiten geben, wie die Aufsicht des Landes ihre Kontrollrechte wahrgenommen haben wird: Sehr gut oder – ausgezeichnet.

Dafür einen U-Ausschuss zu veranstalten, ist ein Burgenländerwitz

Kein lustiger.

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