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08/26/2021

Burgenländische Bio-Rinderhalter sehen Existenz bedroht

Viele Bio-Betriebe mit Kühen, Ziegen oder Schafen brauchen laut EU Weideflächen. Die sind im Burgenland aufgrund der kleinen Parzellen aber selten.

von Roland Pittner

Das Burgenland soll Bioland werden. Für viele Bio-Bauern, die Rinder, Schafe oder Ziegen halten, könnte der biologische Weg ab nächstem Jahr aber zu Ende gehen. Denn die EU hebt eine Ausnahme in der Bio-Verordnung für Österreich auf – bei einer Bio-Haltung müssen die Tiere jederzeit auf die Weide können.

Am Bio-Betrieb der Familie Pölz in Lackendorf (Bezirk Oberpullendorf) können die 80 Milchkühe und 70 Stück Jungvieh auf die Weide. Der Betrieb wirtschaftet seit den 80er Jahren biologisch und war Gründungsmitglied von Bio Austria im Burgenland. Die neue Verordnung bedroht nun aber die Existenz der leidenschaftlichen Bio-Bauern.

„Wir haben für unsere Bio-Milchkühe 2,7 Hektar Weide neben dem Stall. Laut Vorgaben der EU bräuchten wir aber 25 Hektar“, sagt Landwirt Franz Pölz. Den Bio-Stall hat er mit seiner Frau im Jahr 2000 errichtet. Eigenflächen habe man nur 0,7 Hektar in unmittelbarer Nähe und zwei Hektar sind gepachtet. „Die Situation belastet uns sehr. Wir gehen seit 40 Jahren diesen Bio-Weg und haben immer alle Vorgaben, die ständig dazu gekommen sind, umgesetzt. Aber die Möglichkeit für eine derartige Weide haben wir einfach nicht“, sagt Rita Pölz. Der Familienbetrieb bewirtschaftet 138 Hektar, aufgeteilt auf 140 Grundstücken.

„Im Westen oder in Deutschland, wo 80 Hektar rund um den Hof arrondiert sind, kann man die Weidehaltung umsetzen. Bei uns ist das nicht möglich“, sagt Pölz. 25 Hektar am Stück und neben dem Stall seien im Burgenland, wo die Realteilung beim Erbe (Grundstücke wurden zu gleichen Teilen auf die Nachkommen aufgeteilt Anm.) Usus war, kaum möglich. Weit entfernte, aber kleine Weiden seien für Milchviehhalter nicht praktikabel. „Wir wären nur mehr mit den Kühen von der Weide zum Melken und wieder zurück unterwegs“, sagt Pölz. Auch der Viehtrieb über öffentliche Straßen sei problematisch und werde oft von den Behörden untersagt.

18.000 Betroffene in Österreich

So wie Familie Pölz sind in Österreich rund 18.000 weitere tierhaltende Betriebe von der Weideverordnung betroffen. Wer keine passenden Weideflächen hat, kann seine Produkte künftig nicht mehr als biologisch verkaufen. „Diese Verordnung ist das Ende der Veredelungswirtschaft im Realteilungsgebiet“, sagt Bio Austria-Burgenland Obmann Franz Traudtner. Obwohl es sowieso nur wenige Bio-Tierhaltungsbetriebe im Burgenland gebe, würden nun viele gezwungen, diese aufzugeben oder konventionell weiterzuführen. „Hier wird mit Existenzen gespielt, die Politik müsste eingreifen“, sagt Traudtner. Bio Austria arbeite an Lösungen für die Mitglieder, derzeit aber ohne Erfolg. Der Verband fordert einen EU-Gipfel zu dieser Thematik, da österreichischen Bio-Bauern am europäischen Markt ein massiver Wettbewerbsnachteil drohe.

Die Familie Pölz weiß noch nicht, wie es weitergeht. „Wir überlegen, die Tierhaltung konventionell zu führen, würden aber weiterhin den Tieren Bio-Futter geben und unsere Felder biologisch bewirtschaften“, sagt Rita Pölz. Denn ohne Tiere und Veredelung sei der Betrieb nicht wirtschaftlich zu führen. „Wir können nichts dafür, dass wir in einem Eck von Österreich leben, in dem es keine Almen gibt. Wir möchten biologisch wirtschaften, weil es unsere Überzeugung ist“, sagt Pölz.

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