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Chronik Burgenland Aus Ihrer Region
03/15/2021

„Zur richtigen Zeit das richtige Näschen“

Klaus Glavanics wuchs im Wirtshaus auf, betrieb Lokale in Wien und investiert jetzt groß im Burgenland.

von Roland Pittner

Das Stadthotel Telegraph ist geschlossen. Klaus Glavanics hat es im Vorjahr gemeinsam mit seinen Partnern, dem Fußballer Philipp Hosiner und seinem Bruder Patrick, eröffnet. Seit Herbst sind die Zimmer und das Restaurant leer. Kein guter Start für ein neues Unternehmen, nichtsdestotrotz hat der Gastro-Profi aus Markt Neuhodis, Bezirk Oberwart, viel zu tun.

In den vergangenen Monaten hat er gleich mehrere Immobilien-Deals zwischen Stadtschlaining und Mattersburg abgeschlossen. Der Terminkalender scheint voll und auch sein Handy läutet des Öfteren. „Ich bekomme jetzt auch dauernd Angebote für Wirtshäusern aus der ganzen Region, aber ich habe kein Interesse mehr“, sagt Glavanics. Denn einen großen Expansionsdrang habe er nicht, wenn sich allerdings Chancen ergeben, greife er zu.

Etwa bei der Bäckerei Gradwohl in Bad Tatzmannsdorf am Kurplatz 1. „Es ist ein Haus mit Geschichte und genau die haben eine Zukunft“, sagt Glavanics. Der Kauf des Florianihof mitten in Mattersburg wiederum habe sich durch Zufall ergeben. Das Hotel wurde versteigert, da es mit der Commerzialbank-Pleite in den Konkurs schlitterte. „So eine Chance hat man nur einmal im Leben und der Standort ist einfach gut“, sagt der Investor.

Gute Lage

Auch zwei denkmalgeschützte Häuser in Stadtschlaining neben der Burg hat er erworben. In die Burg wird investiert und auch die Landesausstellung findet hier statt. „Ich sehe großes Potenzial“, sagt Glavanics: „Die Zeit spricht für Investitionen, wir haben nur in Lagen investiert, die abgesichert sind und den Wert erhalten.“ Ein älterer, sehr erfahrener Geschäftsmann habe einmal zu ihm gesagt: „Du hast zur richtigen Zeit das richtige Näschen, wo etwas entstehen kann“. Diese Gabe habe er von seinen Eltern, wie er sagt: „Wir waren die Ersten mit einem großen Saal für Veranstaltungen in der Umgebung. So haben wir durch kluge Investitionen immer einen Vorsprung zur Konkurrenz gehabt.“

Doch das Gasthaus in Markt Neuhodis zu übernehmen, sei in jungen Jahren nie sein Plan gewesen. „Ich habe die Handelsakademie in Oberwart besucht und abgebrochen. Dann war ich in der Gastro tätig und mit 23 Jahren habe ich ein Café im 2. Bezirk in Wien eröffnet“, erzählt Glavanics. Nach eineinhalb Jahren war das Tagesgeschäft zu langweilig und es ging Richtung Bermudadreieck. „Ich habe das Lokal im 1. Bezirk entdeckt, dort war die Hölle los und dort musste ich hin“, schildert er. Ohne Geld, aber mit viel Motivation konnte er die Bank überzeugen, sein Projekt zu finanzieren. Das „Vulcania“, nur wenige Gehminuten vom Stephansplatz entfernt, wurde sein neues Zuhause. „Ich war wirklich 360 Tage im Jahr bis spät in die Nacht vor Ort“, sagt Glavanics.

Es folgten schon bald weitere Lokale in der Wiener Innenstadt. Auch Veranstaltungen, wie das Burgenland Kultinarium und das Bierfest in Wien tragen seine Handschrift als Organisator und Gastronom. Ab 2012 hat er seine Lokale in Wien verkauft. „Es hat wirklich alles super funktioniert, aber ich wollte etwas anderes“, schildert der 47-Jährige. Es zog ihn in die Heimat und ins Gasthaus nach Markt Neuhodis. Heute ist er eher Frühaufsteher, als Nachtmensch. Es war auch der Start seines Catering-Unternehmens. Bald folgte das Burghotel in Schlaining, wo er zahlreiche Hochzeiten ausrichtete.

An Arbeit fehlt es ihm im Moment trotz Lockdown nicht, durch seine Neuanschaffungen gibt es viel zu tun. Ein weiteres Großprojekt hat er in Oberwart in der Pipeline. „Wir planen eine Großküche, für Catering, Essen auf Rädern und ein Restaurant“, sagt Glavanics. Derzeit läuft die Einreichung und die Ausschreibung. 1.500 Essen sollen jeden Tag ausgegeben werden. „Der Bedarf ist da“, ist sich der Unternehmer sicher.

Seine 30 Mitarbeiter sind derzeit in Kurzarbeit, doch wenn die Gastronomie aufsperren darf, rechnet er mit einer Verdoppelung seiner Angestellten bis Ende 2021. Denn alle neu gekauften Lokale will er heuer noch öffnen. „Ich investiere nicht in die aktuelle Corona-Zeit, sondern in die Zeit danach.“

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