Kika/Leiner-Chef Gütebier: "Bin absolut für Sonntagsöffnung"

Kika/Leiner-Chef Reinhold Gütebier
Am 13. und 20. Dezember sollten Möbelhäuser aufsperren dürfen, um Kundenansturm nach Lockdown besser zu verteilen.

Um nach dem Lockdown das Weihnachtsgeschäft noch zu retten, fordert Kika/Leiner-Vorstandschef Reinhold Gütebier von der Politik die Möglichkeit, seine Möbelhäuser an den beiden Sonntagen am 13. und 20. Dezember öffnen zu dürfen. "Ich bin absolut für die Sonntagsöffnung", sagte Gütebier am Samstag zum KURIER. "Wenn ich dürfte, würde ich ohne Wenn und Aber meine 42 Kika- und Leiner-Filialen an den beiden Sonntagen aufsperren", so der Firmenchef.

Die Sonntags-Öffnung sei absolut verbraucherfreundlich, da die Familien dann Zeit hätten, um langlebige Güter in Ruhe auszusuchen. Wer das nicht erkenne, agiere an den Bedürfnissen der Verbraucher vorbei. 

Gütebier unterstützt damit einen entsprechenden Vorstoß von Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer in dieser Woche, der jedoch umgehend auf Kritik von Seiten der Gewerkschaft, kleineren Händlern sowie Gesundheitsorganisationen gestoßen war. Das Risiko größerer Menschenansammlungen vor den Kassen und damit erhöhter Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus sei zu groß, hieß es. 

Kundenfrequenz besser verteilen

Die Sorgen einer erhöhten Covid-Ansteckungsgefahr durch den Sonntagseinkauf teilt Gütebier nicht. Im Gegenteil. Durch einen weiteren Öffnungstag vor Weihnachten würde sich die Kundenfrequenz besser verteilen. Nach drei Wochen Lockdown gebe es auf alle Fälle einen großen Nachholbedarf bei den Einkäufen. Es sei daher nur logisch, den Kundenansturm auf mehrere Tage zu strecken.

"Einkäufe werden ganz stark am Freitagnachmittag und am Samstag getätigt. Wenn wir da den Sonntag draufpacken, entzerren wir die Wochenend-Frequenz um einen kompletten Tag", argumentiert Gütebier. Für Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen werde in den Filialen natürlich gesorgt, die Abstandsregeln könnten auf  20.000 m2 großen Verkaufsflächen viel besser eingehalten werden als in kleinen Geschäften. Auch bei der Wiederöffnung der Geschäfte im Mai habe es zwar mehr Kundenfrequenz, aber keine Probleme mit den Abstandsregeln gegeben. 

Kika/Leiner-Chef Gütebier: "Bin absolut für Sonntagsöffnung"

"Bilder von Massen vor den Kassen waren doch völlig übertrieben, das hat sich in den Häusern gar nicht so abgespielt", meint Gütebier. Man müsse lernen mit dem Corona-Virus richtig umzugehen, dürfe dabei aber die Kundenbedürfnisse nicht außer Acht lassen. 

Kika/Leiner-Chef Gütebier: "Bin absolut für Sonntagsöffnung"

"Rechnet sich"

Auch wirtschaftlich würde sich für die Sonntagsöffnung für den Möbelhändler auszahlen. "Es gibt ganz klar Analysen, die zeigen, dass 60 Prozent des Sonntag-Umsatzes oben drauf kommen und 40 Prozent sich verteilen", erläutert Gütebier. Er verweist auf seine langjhährigen Erfahrungen als Handelsmanager in Deutschland (beim Möbelhändler Segmüller, Anm.) , wo an vier Sonntagen im Jahr geöffnet werden darf. "Die Sonntagsöffnung hat sich unterm Strich drei mal für uns gerechnet". Der positive Effekt einer Sonntagsöffnung sei nicht weg zu diskutieren. 

1.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit 

Die Kika/Leiner-Gruppe beschäftigt derzeit rund 4.500 Mitarbeiter in 26 Kika- und 16 Leiner-Möbelhäuser. Durch den Lockdown sind aktuell 1.500 Beschäftigte wieder vorübergehend in Kurzarbeit. Einen Mitarbeiterabbau sowie mögliche Filialschließungen aufgrund der Corona-Krise schließt Gütebier aus. Das Unternehmen setze nach den Sanierungsschritten wieder auf Expansion. 

Neuaufnahmen 2021

In den nächsten zwölf Monaten will der Firmenchef rund 200 Mitarbeiter neu einstellen, bevorzugt ältere Arbeitslose. Gespräche mit dem AMS habe es bereits gegeben. "Wir müssen uns der sozialen Aufgabe stellen". Gütebier hat seinen Vorstandsvertrag mit Eigentümer Signa um weitere drei Jahre verlängert. 

Die Signa-Gruppe des Tiroler Investors Rene Benko hatte Kika/Leiner im Juni 2018 im Rahmen eines Notverkaufs vom angeschlagenen deutsch-südafrikanischen Möbelkonzern Steinhoff übernommen. Bis Ende 2018 schloss die Möbelkette vier Standorte in Österreich, mehr als 700 Beschäftigte (auf Vollzeitbasis) verloren ihren Job.

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