Verkaufsoffener Sonntag

© APA/dpa/Gero Breloer / Gero Breloer

Wirtschaft
11/19/2020

Heftige Debatte um Sonntagsöffnung neu entbrannt

WKO-Präsident Mahrer fordert Sonntagsöffnung für die Zeit nach dem Lockdown - und erntet dafür Zustimmung sowie harsche Kritik.

Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer fordert für die Zeit nach dem Lockdown längere Öffnungszeiten und das Aufsperren für den Handel auch am Sonntag. Einerseits soll damit der Umsatz in der Vorweihnachtszeit noch angekurbelt werden, andererseits gehe es auch "um das Entzerren der Kundenströme", sagte Mahrer im Ö3-Frühjournal des ORF-Radio.

Eingedeckt mit Waren

Der Wirtschaftskammer-Chef plädierte dafür, auch beim Online-Shopping "regional-digital" auf österreichischen Shopping-Portalen einzukaufen. "Wichtig ist jetzt, dass die Umsätze in Österreich bleiben." Der Lockdown sei ein schwerer Schlag für den Handel. "Die haben sich alle eingedeckt mit Ware für das Weihnachtsgeschäft, das ist für den Handel die stärkste Zeit im Jahr."

Prominenten Unterstützung bekommt er von Richard Lugner, Eigentümer der Lugner City in Wien. Er appelliert einmal mehr, die Geschäfte zumindest an einigen Sonntagen zu öffnen. "Sonst schnappen uns die Onlinehändler das ganze Geschäft weg, nicht nur am Black Friday." Der 1. Adventsonntag sei in der Lugner City im Vorjahr der umsatzstärkste Tag des Jahres gewesen, so Lugner, der sich eine Lösung wie in Berlin wünscht.

Zuschlag

"Dort haben die Geschäfte am zweiten und am vierten Einkaufssonntag im Advent offen. Jene Mitarbeiter, die zuletzt in Kurzarbeit waren, würden sich auch freuen, wenn sie den 100 Prozent Zuschlag für die Sonntagsarbeit bekommen", so sein Standpunkt.

Zahlen müssten diesen freilich nicht Shoppingcenter-Betreiber wie Lugner, sondern die Mieter, sprich Händler. "Auch für sie würde sich das rechnen, sie haben schließlich die Ware schon eingekauft und müssen sie anbringen", ist Lugner überzeugt,

Erholung

Die "Allianz für den freien Sonntag", zur der neben den Kirchen auch Gewerkschaften und zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen gehören, ist dennoch gegen eine Sonntagsöffnung in der Vorweihnachtszeit. Gerade die Handelsangestellten, die in den vergangenen Monaten arg drangekommen seien und sich einem gesundheitlichen Risiko aussetzten, bräuchten die Erholung am Sonntag, sagte Allianz-Koordinatorin Daniela Ebeert.

"Der Sonntag ist ein wichtiges wirtschaftliches Kulturgut in Österreich", so Ebeert. Die Menschen bräuchten einen gemeinsamen freien Tag, Kinder ihre Eltern. Wenn jeder an einem anderen Tag frei hätte, wären zum Beispiel ehrenamtliche Tätigkeiten gar nicht mehr möglich. "Da bricht so viel zusammen."

Kein Geld

Das Argument, den österreichischen Handel mit längeren Öffnungszeiten vor Weihnachten gegenüber dem US-Riesen Amazon zu stärken, lässt Ebeert nicht gelten. Viele Österreicher seien in Kurzarbeit gewesen oder arbeitslos, sie hätten jetzt nicht mehr Geld zum Ausgeben. An den verbleibenden Sonntagen vor Weihnachten könnte nicht alles nachgeholt werden.

Die Gewerkschaft ist über Mahrers Forderung empört. "Wir sind mehr als überrascht und verärgert. Mit uns wurde nicht einmal das Gespräch gesucht", sagte Barbara Teiber, Vorsitzende der Gewerkschaft GPA.

Skepsis bei Handelsverband

Mahrers Vorstoß sei eine Hauruckaktion und der Sozialpartnerschaft unwürdig, zumal es um hunderttausende Handelsangestellte gehe, die in der Coronazeit sehr belastet gewesen seien, so die Spitzengewerkschafterin. "Wir haben die Handelsangestellten dutzendfach zur Sonntagsöffnung befragt." Diese werde mit großer Mehrheit abgelehnt.

Auf Skepsis stößt Mahrers Vorschlag auch beim Handelsverband. Eine Sonntagsöffnung sei grundsätzlich zu begrüßen, müsse aber unbedingt auf Freiwilligkeit seitens der Händler basieren. Denn die Personalkosten am Sonntag seien hoch, heißt es.

 

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