Die Medizinbälle gefallen Radka Prutka besonders gut –  diese können originalgetreu zum Trainieren oder als Deko verwendet werden

© Kurier/Gerhard Deutsch

Wohnen
03/23/2019

Tschechisches Wohndesign: Turngeräte als Designobjekte

Liebevoll restauriert: Die Vintage-Möbel und alte Turngeräten aus Tschechien wirken wie neue Designstücke.

von Julia Gschmeidler

Bereits im Kinderzimmer habe sie ein Sideboard des Interior-Designers Jirí Jiroutek mit bunten Schubladen stehen gehabt, erzählt Radka Prutka. In der Nähe von Brünn aufgewachsen, hätten sich so ihre Leidenschaft und Faszination für tschechisches Design schon von Kindsbeinen an entwickelt. Heute verkauft sie ausschließlich alte Möbelstücke von Architekten und Designern sowie Leder-Turngeräte aus Tschechien in ihrem Shop – und liefert diese in die ganze Welt. Gerade erst ging wieder per Schiff ein Turnpferd als Dekoration in ein Fitnessstudio nach New York, verpackt in eine blaue Holzkiste, die Prutka selbst anfertigt.

 

Hohe Ansprüche

In dem alten Jugendstilhaus in der Zieglergasse, wo das Tschechische Wohndesign angesiedelt ist, reiht sich ein Designstück aus den 50ern und 60ern an das nächste und bildet so einen Kontrast zu den hohen und mit Stuck versehenen Decken. Miroslav Navratil, Jindrich Halabala, Jan Vanek: All die von ihnen designten Stücke sehen neuwertig aus, worauf Radka Prutka viel Wert legt. Bereits ihr Vater und Großvater waren Tapezierer, heute arbeitet sie mit tschechischen Handwerkern zusammen, die sie schon lange kennt und denen sie vertraut. Diese kümmern sich aber nicht nur um die Sessel und Kommoden, sondern bringen auch die teils zerrissenen Medizinbälle und aufgerissenen Turnmatten von 1920 mit alter Handwerkskunst und einer Wachspolitur wieder in Schuss.

Für die Sitzmöbel bestellt Prutka hochwertige Stoffe aus Holland und England, etwa von Colefax and Fowler. „Ich stecke wirklich viel Geld und Mühe in diese Sachen, sie sind so hochwertig, dass sie hundert Jahre halten“, sagt die Shopbesitzerin. Für ihre Homepage lässt sie die Möbelstücke extra in einem Atelier fotografieren. Umso schwerer fällt es Radka Prutka dann auch, sich wieder von den Dingen zu verabschieden. „Ich bin so traurig, wenn ich sie verkaufen muss, aber ich muss auch Rechnungen bezahlen“, sagt sie und lacht.

 

Eingewöhnungsphase

Hat Prutka ein Stück verkauft, ist es ihr wichtig, dass sich die Kunden ein Bild vom neu erworbenen Möbel in den eigenen vier Wänden machen können: Wie wirkt es zu Vorhängen, Teppich und Boden? „Es ist das neue Familienmitglied und sollte hundertprozentig dazu passen“, sagt sie und gewährt deswegen eine einwöchige Rückgabefrist. Allerdings käme so gut wie nie etwas zurück.

Vor allem die ehemaligen Turnutensilien sind besonders beliebt und werden oft auf kreative Art zweckentfremdet. Eine Sprossenwand hat die gebürtige Tschechin kürzlich in ein Büro geliefert, die Angestellten dort nutzen diese zur sportlichen Pause. Ein Paar, das auf einem Bauernhof in Niederösterreich lebt, hat sich diese Sprossenwände für das Badezimmer gekauft – als Handtuchhalter. Der Stufenbarren mit den Höhen verstellbaren Holmen kann so beispielsweise als begehbare Garderobe dienen. Während Radka Prutka durch den Shop führt, bedauert sie immer wieder, dass der Platz für all die osteuropäischen Designstücke längst nicht mehr reiche. Sie träumt von einem größeren Verkaufsraum – eine alte Klavierfabrik mit über 300 hat sie bereits besichtigt.

Tschechisches Wohndesign
Zieglergasse 65, 1070 Wien
www.tschechisches-wohndesign.at

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