Wohnen
10.01.2018

Eine Frage des Stils

Die Wohnung ist die Erweiterung unserer Persönlichkeit – sagt die Psychologie. Gleichzeitig bringt das Wohnen immer wieder neue Trends hervor. Einige davon hat Callwey im Bildband "Best of Interior – Die Wohntrends 2018" in Form von individuellen Homestorys festgehalten.

Die eigenen vier Wände sind der Ort, an dem wir uns von unserer persönlichsten Seite zeigen. Dort verbringen wir die schönsten Momente mit unseren Liebsten oder ziehen uns zurück, wenn es uns schlecht geht. Dort fühlen wir uns sicher, geborgen und können ganz wir selbst sein. Zugleich wird Wohnen immer mehr ins öffentliche Licht gerückt. In unserer Freizeit scrollen wir uns durch Tausende perfekt eingerichtete Wohnzimmer auf Instagram, sammeln die schönsten Wanddekorationen auf Pinterest oder blättern uns stundenlang durch Interior-Reportagen in Wohnmagazinen. Nicht nur, weil wir die neuesten Trends für das eigene Zuhause aufspüren möchten, sondern auch, weil es uns erlaubt, einen Blick in die Persönlichkeit unsere Mitmenschen zu werfen. Der 208-seitige Bildband "Best of Interior – Die Wohntrends 2018" von Tina Schneider-Rading, der die besten 30 Arbeiten aus zahlreichen Einsendungen sammelt, bietet ausreichend Gelegenheit dazu und zeigt, wie stilvolles Wohnen geht.

Eine Oase, die internationale Trends mit dem persönlichen Stil der Eigentümerin vereint, haben Carolin und Robert Stephan geschaffen. Eleganz und Exklusivität werden in dem 140 Quadratmeter großen Apartment im Münchner Glockenbachviertel großgeschrieben. Auf Wohnlichkeit und Wohlfühlfaktor wird trotzdem nicht vergessen. Das Duo ließ im gesamten Wohnbereich raumhohe Türen einsetzen, die für optische Weite sorgen. Der Boden aus heller Eiche wirkt kühl und sinnlich zugleich. Im Wohnbereich verschwindet der Fernseher hinter einer textilen Reliefwand und um die Intimität in die hohen Räume zurückzuholen, hat man im Schlafzimmer auf eine stoffbezogene Wand gesetzt.

"Modern, zeitlos, sinnlich, international und einzigartig", so skizziert Robert Stephan die Einrichtung, die durch besondere Stücke wie mundgeblasene Hängeleuchten im Wohnzimmer oder Samtsessel im Essbereich besticht. "Das Münchner Interior-Designer-Paar schafft Räume, in denen gelebt werden darf und Menschen Spuren hinterlassen", schreibt die Autorin. Letzteres etwa auf dem monumentalen Küchenblock aus naturbelassenen Messing, der das Herzstück des großen Wohnbereiches ist. "Die Patina und Wildheit dieses Materials sind ein Bruch zu sonst sehr ruhigen und in warmen Grautönen gehaltenen Wohnung. Jede Benutzung und jede Berührung hinterlässt eine Spur auf der Oberfläche", erklärt Carolin Stephan.

Graue Farbtöne ziehen sich auch durch Lisa Recks Altbauwohnung in Berlin. Die Interior-Bloggerin setzt auf minimalistisches Design und lenkt den Blick auf Kunst und wiederkehrende Muster. Der reduzierte Kandelaber, der aussieht wie zwei aus der Wand ragende Würfel, lädt auf ein Spiel mit optischer Täuschung ein. Die minimalistische Heizkörperverkleidung in der Küche sorgt dafür, dass die weiß gestrichenen Querstreben aus Holz mit den dahinterliegenden Lamellen ein in die Tiefe gehendes Schwarz-Weiß-Muster eingehen. Dass die gelernte Textilfachfrau nicht nur ein Faible für Muster, sondern auch für Stoffe hat, ist unübersehbar. "Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel Wirkung gut ausgewählte, natürliche Materialien auf einen Raum haben", sagt sie. So sind Felle, Strickdecken sowie Samt- und Leinenkissen überall im Wohnraum verteilt und nehmen die dunklen Farben des Hintergrunds perfekt auf.

Schlichten Purismus pflegt dagegen Sarah Ramroth in ihrer Zweizimmerwohnung in Hamburg. Wer dort warme Farben, dicke Teppiche oder volle Bücherregale sucht, wird nicht fündig. Der Boden ist nackt, einfach deshalb, weil die Bloggerin die Behaglichkeit des Holzes wirken lassen will. Die wenigen Möbel sind in schwarz, weiß und grau gehalten und so platziert, dass sie die Blicke auf sich ziehen. Am liebsten ist es der Hamburgerin, wenn die Stücke selbst eine Geschichte erzählen. Die Kinosessel etwa, die sie auf einem Roadtrip durch Italien entdeckt hat und unbedingt mitnehmen musste. Heute bilden sie zusammen mit den Metallspinden im Eingangsbereich ein Einrichtungs-Ensemble par excellence.

Buchtipp

„Best of Interior – Die Wohntrends 2018“ von Tina Schneider-Rading präsentiert außergewöhnliche Deko- und Einrichtungsideen für alle Räume. Callwey, € 39,95

KURIER: Was macht guten Geschmack für Sie aus?
Carolin Stephan:
Mut und Konsequenz zu einem Konzept, dass auch Brüche zulässt. Perfektion ist für mich in Stilfragen langweilig!

Was sind die wichtigsten Zutaten für eine gelungene Einrichtung?
Ein gelungenes Interior-Design erzählt immer eine Geschichte, die von der Architektur, der Umgebung und den Bewohnern inspiriert ist.

Woher holen Sie sich Inspiration für Ihre Interior-Designs?
Ich gehe mit offenen Augen durch die Welt und sauge meine Umgebung dabei auf wie ein Schwamm. Das hilft mir aus dem jeweiligen Objekt immer das Beste herauszuholen.

Was ist Ihnen persönlich wichtig, um sich in einer Wohnung wohlzufühlen?
Ich brauche eine gewisse Ordnung. Eine gut durchdachte Stauraumlösung ist vor allem im Eingangsbereich daher das Um und Auf. Außerdem müssen die Farben und Materialen authentisch und sinnlich sein. Und ich lege große Wert auf bequeme Möbel.

Was wird sich in Zukunft in Sachen Wohnen verändern?
Ich glaube, dass das Schlafzimmer die Küche als zentralen Wohnbereich ablösen wird. Oft wird dieser Raum heute, was die Einrichtung angeht, noch sehr stiefmütterlich behandelt, obwohl wir dort den Großteil unserer Zeit verbringen.