© freiraum*Gärtner von Eden/Jürgen Becker

Wasser im Garten
05/25/2016

Eine erfrischende Liaison

Ob Naturpool oder Schwimmteich, Biotop oder Bachlauf: Moderne Wasserstellen spiegeln immer öfter die Architektur des Hauses wider und gehen eine ästhetische Verbindung mit dem Gebäude ein.

von Claudia Elmer

Die Gartenplaner Alexandra Zauner von freiraum*Gärtner von Eden und Stefan Hinterhölzl von Kramer & Kramer zeigen reizvolle Lösungen rund ums kühle Nass und erklären, was man berücksichtigen sollte, um sich den privaten Bade-Traum im eigenen Garten zu erfüllen.

Eine Frage der Persönlichkeit

Wasser, ob bewegt oder stehend, stellt in jedem Garten eine Bereicherung dar. "Hat man Gelegenheit, das Gewässer schon bei der Planung des Hauses zu berücksichtigen, spart man Zeit und Geld – etwa für den Aushub", sagt Stefan Hinterhölzl, Landschaftsplaner bei Kramer & Kramer. Festzulegen ist, ob die Elemente eine zentrale Rolle spielen und den Garten bestimmen oder sich einer Gestaltungsidee unterordnen soll. Zudem sollte man klären, welche Funktion gewünscht ist und welche Wasserqualität dafür verlangt wird – denn beim Schwimmen sind die Ansprüche um einiges höher als bei dekorativen Anlagen. Hinterhölzl: "Entscheidend ist, was man sich erwartet, was als störend empfunden wird und womit man leben kann. Nicht jeder will, dass sich dauerhaft Frösche ansiedeln. Auch den Reinigungsaufwand sollte man im Vorfeld bedenken."

Da das kostbare Nass viele Formen annehmen kann, können unterschiedliche Stile definiert werden. Mittels symmetrischen Becken wird etwa eine lineare Inszenierung erreicht. Es kann sich aber auch ein Bach frei durch den Garten schlängeln."Je größer das Platzangebot, desto größer der Spielraum", fasst Hinterhölzl zusammen.

In jedem Fall wird ein gut abgedichteter Behälter benötigt, der das Wasser festhält. Meistens wird ein Betonfundament benötigt. Außerdem sind konstruktive Hilfsmittel wie Folien oder Becken aus Kunststoff bzw. Fiberglas zur Abdichtung notwendig. Alle unterscheiden sich in Preis und Verarbeitung, was sich auf die Haltbarkeit niederschlägt. Die beste Bauzeit, vor allem für funktionale Systeme, ist ab Jänner oder Februar, sobald das Erdreich nicht mehr gefroren ist. Hinterhölzl: "Dann kann man es im Sommer schon zum Schwimmen nutzen."

Schwimmteich versus Naturpool

Wer ein naturnahes Umfeld bevorzugt, hat die Qual der Wahl: Schwimmteich oder Naturpool? Schließlich funktionieren beide ohne Chemie und sind formal flexibel: Sowohl geradlinige als auch freie Formen können problemlos gestaltet werden.

Was die beiden unterscheidet? Vereinfacht gesagt: Der Schwimmteich verfügt neben der Badezone über einen Regenerationsbereich. „Er ist ab einer Fläche von mindestens 80 Quadratmeter realisierbar“, sagt Hinterhölzl. Im niedrigen Regenerationsbereich erwärmt sich das Wasser schnell, Pflanzen und Algen bilden eine große Vielfalt. Sie übernehmen die Reinigung des Wassers, das frei zirkuliert und sich durch die Molekülbewegung selbstständig austauscht. Zudem stellt der Filterbereich einen fließenden Übergang in den Garten dar und bietet Gewächse und Tiere einen natürlichen Lebensraum. Doch auch wenn Seerosen, Hornblatt und Wasserknöterich für klare Verhältnisse sorgen: Zusätzliche Pflege ist unabdingbar. „Ab dem zweiten, dritten Jahr beginnen die Pflanzen zu wuchern. Dann ist ein Rückschnitt erforderlich. Abgestorbenes Material, abgesunkene Rückstände, Algen und Froschleichen sollten regelmäßig entfernt werden“, zählt Hinterhölzl auf.

Der Naturpool stellt bei wenig Platz eine Alternative dar. „Für ein Tauchbecken, in dem man sich nach dem Saunagang abkühlen kann, reichen schon wenige Quadratmeter “, sagt Hinterhölzl. Eine Regenerationszone benötigt der Naturpool nicht. Dafür braucht er technische Unterstützung. Zentraler Bestandteil ist ein mit Strom betriebener Biofilter, in dem Mikroorganismen für die Reinigung sorgen. Dieser ist meist unauffällig unter dem Steg oder unter einer bepflanzten Schotterbank versteckt. Die Technik hat ihren Preis: Der Naturpool vor allem in der Erhaltung teurer als der Schwimmteich.

Blauer Treffpunkt

Zugegeben: Aus ökologischer Sicht hat diese Variante keinen leichten Stand. Die Chemikalie schädigt nicht nur die Natur, sondern auch die Gesundheit des Menschen. „Damit das Chlor wirksam wird, muss Säure zugegeben werden, die den pH-Wert niedrig hält.“ Während dieser in natürlichen Gewässern 8,6 beträgt, erreicht er im Chlorpool nur 7,2. „Dies entspricht nicht der Haut und fügt ihr Schaden zu. Viele denken, dass Chlor alleine ungesund ist. Doch der niedrige pH-Wert sollte nicht außer Acht gelassen werden“, sagt Alexandra Zauner. Ebenso umstritten ist auch die Aufbereitung mittels Salzanlage, da ebenfalls Chlor benötigt wird.

Warum die Nachfrage trotzdem groß ist, eruiert Stefan Hinterhölzl: „Einerseit hat es mit Bequemlichkeit zu tun. Die Reinigung mit Roboter und Chemie ist weniger aufwendig und sicherer. Zweitens spielen ästhetische Gründe eine Rolle: Der klassische Pool wird bei modernen Architektenhäusern nach wie vor gerne integriert.“
Will man bestehende Objekte in ein naturnahes Pendant umbauen, muss man sich den Aufwand gut durchrechnen. Hinterhölzl: „Oft ist das vorhandene Becken nicht mehr verwendbar. Zudem wird ein Filterbereich und womöglich eine neue Folie benötigt. Meistens ist daher ein Neubau sinnvoller. Sollten die Anschlüsse und Verrohrungen aber intakt sein, ist ein Umbau durchaus möglich. Ob das wirtschaftlich ist, hängt vom Einzelfall ab.“

Worauf man bei der Entscheidung auf keinen Fall vergessen sollte: Über die Badesaison hinaus zu denken. Denn während ein Schwimmteich im Winter zum Eislaufen genutzt werden kann und dank der Bepflanzung ganzjährig Wirkung zeigt, kann der Chlorpool schnell zum unansehnlichen Fremdkörper im Garten werden.

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