Zeitumstellung: Weshalb eine Stunde so viel Wirbel macht
Die Zeitumstellung wird immer wieder heftig debattiert (Symbolbild)
Selten kommt es in diesen Tagen vor, dass europäische Politikerinnen und Politiker Donald Trump recht geben würden. Aber in dem Fall mag es durchaus sein: Der US-Präsident bezeichnete nämlich den halbjährigen Wechsel zwischen Sommer- und Normalzeit vor Kurzem als „lästiges Ärgernis“.
Permanente „daylight saving time“
Er lobte gleichzeitig das Repräsentantenhaus, deren Abgeordnete vor rund einer Woche mit deutlicher Mehrheit für die permanente Sommerzeit votiert haben, in den Staaten „daylight saving time“ genannt. Nun ist der US-Senat am Zug; sollte auch er dafür sein, das Hin und Her zu beenden, könnte das halbjährige Uhrentheater – in den USA in den 1960er-Jahren eingeführt – wohl bald Geschichte sein.
Allerdings werden Pro und Contra über Abschaffung oder Beibehaltung ähnlich heftig debattiert wie in der EU, der Senat ist uneins. Zudem beteiligen sich schon jetzt nicht alle US-Bundesstaaten an der Zeitumstellung.
„Die Zeit Gottes“
Dennoch, in Übersee bewegt sich etwas. 2022 schaffte bereits Mexiko die Umstellung ab. Dort gilt nur noch die Normalzeit, vom damaligen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador pathetisch „Die Zeit Gottes“ genannt. Weltweit vollführen noch an die 70 Staaten den zweimaligen Zeitwechsel pro Jahr, die meisten von ihnen in Europa. In der EU ist das Prozedere seit 1996 sogar Pflicht.
Eigentlich wäre die EU früher dran gewesen mit der Abschaffung als Mexiko und die USA, 2021 hätte es so weit sein sollen: Das war der Plan, den die Verkehrs- und Umweltminister der Union bei einem informellen Ministerrat im Oktober 2018 in Graz schmiedeten.
Onlinebefragung in der EU
Etwas früher in diesem Jahr (Anfang Juli bis Mitte August) durften die Bürgerinnen und Bürger der EU in einer Onlinebefragung abstimmen, ob sie den Wechsel zwischen Normal- und Sommerzeit behalten oder beenden wollen.
4,6 Millionen Menschen nahmen teil, das mag bei damals mehr als 400 Millionen volljährigen EU-Bürgern wenig wirken. Aber im Vergleich zu anderen Online-Befragungen der Kommission war das eine dennoch beachtliche Größenordnung, sie brachten es bis dorthin nur auf maximal 500.000 Teilnehmer.
Die Stimmungslage war eindeutig: 84 Prozent sprachen sich für das Ende der Zeitumstellung aus, die EU-Kommission erstellte einen entsprechenden Vorschlag. „Die Menschen wollen das, wir machen das“, versprach der damalige Kommissionschef Jean-Claude Juncker. Das EU-Parlament folgte 2019, 410 Abgeordnete stimmten für die Abschaffung, 192 dagegen.
Eine Frage der Struktur
Mittlerweile ist es 2026 – und? Nichts. Das liegt zum einen an der Struktur der EU: Damit die Abschaffung tatsächlich umgesetzt wird, muss das Thema nicht nur durch Parlament und Kommission, sondern auch durch den Ministerrat, in dem Fall jenem der Verkehrsminister. Doch das geht nicht einfach so: Jenes Land, das gerade die EU-Präsidentschaft innehat, bestimmt, was auf die Agenda für den Ministerrat kommt – zuletzt stand die Zeitumstellung 2019 drauf (ohne Beschluss, offensichtlich).
Zudem bleibt es jedem Mitgliedsstaat überlassen, selbst zu entscheiden: Permanente Normalzeit? Dauerhafte Sommerzeit? Kritiker warnen vor einem unüberschaubaren Fleckerlteppich an Zeitzonen; auch ein Grund dafür, dass das Thema in der Politik so gar nicht mehr pressiert.
Am 25. Oktober ist es wieder so weit
Und so wird allen Abstimmungen und Beschlüssen zum Trotz weiterhin an jedem letzten Sonntag im März die Uhrzeit um eine Stunde nach vorne und an jedem letzten Sonntag im Oktober die Uhrzeit um eine Stunde zurückgedreht. Am 25. Oktober ist es wieder so weit.
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