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Der Tod kommt mit dem Schiff: Wenn Seefahrer Seuchen bringen

Die Angst, dass mit den Schiffen Krankheiten kommen, ist berechtigt. Warum zeigt ein Blick zurück.
Der Anker der „Grand Saint Antoine“

Pest, Cholera, Lepra, Typhus, Corona: Schiffe werden schnell zu Seuchenherden. Wenn Passagiere oder Crew erkranken, bleibt oft nur eins: Quarantäne auf See. Auch am Beginn der Pandemie 2020 saßen die Menschen fest. Sie durften tagelang nicht von Bord der „Diamond Princess“ in Japan oder der „Artania“ vor Australien gehen. Und jetzt ist auf einem Kreuzfahrtschiff das Hantavirus ausgebrochen.

Quarantäne ist schon lange die Ultima Ratio. „Ab dem 14. Jahrhundert ist es üblich für reisende Händler, dass sie sich in Quarantäne begeben müssen, wenn sie aus dem außereuropäischen Raum kommen“, sagt die Medizinhistorikerin Daniela Angetter-Pfeiffer. Die Venezianer greifen die Idee auf, um die Pest in den Griff zu bekommen. 40 Tage (quaranta giorni) müssen die Schiffe vor der Küste ankern. An Land gehen? Streng verboten. Von dieser Maßnahme kommt das Wort „Quarantäne“.

Auch Waren dürfen nicht einfach so von Bord gebracht werden. „Vor der Ausschiffung werden sie speziellen Reinigungsmaßnahmen unterzogen: ausgeräuchert, in kochendes Salzwasser getaucht oder mit Essig gewaschen.“ Doch nicht jeder Kapitän hält sich daran. „Es gibt Schlupflöcher für Händler, und manche kaufen sich von der Quarantäne frei“, sagt die Historikerin.

Der Kapitän lügt

1720 löst in Marseille die Lüge eines Kapitäns einen Pestausbruch aus. Schon auf der Fahrt sterben ein Passagier, sieben Seeleute und der Schiffsarzt. Als die „Grand Saint Antoine“ in der Hafenstadt anlegt, sagt der Kapitän, schlechtes Essen sei dafür verantwortlich gewesen. Die Behörden verkürzen die Quarantäne. Ein großer Fehler: Mitglieder der Mannschaft sterben an Land. Das Schiff wird versenkt, doch es ist zu spät: Die letzte Pestepidemie Westeuropas fordert 100.000 Menschenleben.

Die Erfahrungen sitzen tief. Die Novara-Expedition, erste Weltumsegelung der österreichischen Marine (1857–1859), steht im Zeichen der Seuchenvorbeugung. „Schon im Vorfeld hat man sich überlegt, was man tun muss, um Erkrankungen an Bord zu verhindern.“ 

Novara

Heute klingt das naheliegend: Aborte nutzen, das Schiff sauber halten, Ungeziefer bekämpfen. Und gute Ernährung muss sein: mit viel Vitamin C. Aus Salzwasser kann schon Trinkwasser gemacht werden; Zitronensaft soll das Wasser schmackhafter machen. Die Zitrone zerstört aber die Bleirohre. So kommt es zu Vergiftungen. Man lernt nie aus.

Rum als Prophylaxe

Alkohol an Bord gehört dazu: Rum und Grog. Typisch Seefahrer. Auf der Novara gibt es aber auch Crewmitglieder, die keinen Alkohol trinken und Vegetarier sind. Damals ist das dem Schiffsarzt einen Eintrag ins Logbuch wert.

Einige Traditionen haben sich erhalten. Läuft eine Yacht einen ausländischen Hafen an, setzt sie eine gelbe Flagge. Sie steht im Flaggenalphabet für Q wie Quarantäne.

Heute bedeutet sie allerdings nur: Zollformalitäten nicht erledigt, alle gesund.

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