Pick it like Beckham: Der Kult um die Panini-Sticker
Stickeralben von Panini begleiten die Fußball-WM seit 1970
Die Show in Kanada, Mexiko und den USA beginnt zwar erst am 11. Juni, aber: Wer ein echter Weltmeister, eine echte Weltmeisterin sein will, ist lange schon mitten drin im Fußballfieber – und kauft, reißt auf, klebt ein, tauscht.
Das dickste Album bisher
Anfang Mai brachte Panini das aktuelle Album und die Sticker zur Fußball-WM 2026 heraus. Es ist mit seinen 112 Seiten und 980 Pickerln das dickste und umfangreichste Sammelalbum überhaupt, das liegt auch an der Teilnehmerzahl von 48 Mannschaften. Bei der WM in Katar 2022 kam man noch mit 670 Stickern aus.
Mathematisch versierte Menschen in sozialen Medien haben nachgerechnet, wie viel es denn kosten würde, das 2026er Album vollständig zu füllen, und kamen auf Summen bis zu 1.600 Euro: Wegen der unvermeidlichen Doppelung der Sticker und dem Kauf von Nachschub sei nämlich der Erwerb von bis zu 1.000 Packerln nötig.
Sammelbilder in Schokoladetafeln
Diese Rechnung wurde aber ohne eine wichtige Variable aufgestellt, den (Tausch-)Transfermarkt in der Klasse, am Spielplatz oder – so es sich um Erwachsene handelt – im Büro. Sammelbildchen sind jedoch keine Erfindung des 20. Jahrhunderts: Schon in den 1850er-Jahren begann die Kölner Schokoladenmanufaktur Stollwerk, Einwickelpapiere mit Bildern zu bedrucken.
Eine Marketingstrategie
Später wurden den Süßigkeiten Bilder beigelegt, die als Serie konzipiert waren; die Bandbreite reichte von exotischen Tieren über Persönlichkeiten bis zu technischen Errungenschaften. Andere Unternehmen erkannten den Wert dieser Marketingstrategie und sprangen auf, Anfang des 20. Jahrhunderts tauchten Alben zum Einkleben auf.
- 1945: Veronica Panini erwirbt noch während des Zweiten Weltkriegs einen Zeitungsladen in Modena. Er wurde zunächst von ihrer Mutter Olga und den Brüdern Benito, Umberto und Franco Cosimo betrieben.
- 1955: Aus diesem Kiosk entsteht der Zeitungsvertrieb „Agenzia Distribuzione Gioarnali Fratelli Panini“. In der Zeit kam die Familie erstmals mit Stickern in Kontakt und verkauft Restbestände anderer Verlage.
- 1961: Giuseppe Panini entschließt sich, selbst Sticker herauszugeben und produziert das erste Stickeralbum des neu gegründeten Unternehmens. Sein Bruder Benito steigt im selben Jahr in die Firma ein; die Brüder Umberto und Franco folgten 1963.
- 1964: Umberto Panini entwickelt die „Fifimatic“: Diese Maschine diente zum Mischen und Einordnen der Pickerl in die Säckchen und sorgte dafür, dass sich die Sticker pro Sackerl nicht doppeln. Auch heute noch stehen 25 „Fifimatic“ in der Produktionshalle in Modena.
- 1970: Die WM von Mexico wird erstmals von einem Panini-Stickeralbum begleitet. Es hat einen Umfang von 48 Seiten und 248 - noch nicht selbstklebenden – Pickerln. Ein vollständiges und gut erhaltenes Album aus 1970 wird heute auf Verkaufsportalen mit Preisen von bis zu 5.500 Euro gehandelt.
- 1980: Panini bringt erstmals auch Stickeralben zu Europameisterschaften heraus.
- 1988: Nach 27 Jahren im Familienbesitz wird die Firma Panini an die Maxwell Group verkauft.
- 1994: Nach einem Intermezzo italienischer Investoren 1992 geht die Panini Group an den Marvel Konzern. Bereits 1999 übernimmt jedoch mit Vittorio Merloni erneut ein Unternehmer aus Italien; auch das bisherige Management der Panini Group ist eingebunden.
- 2006: Der Konzern geht Partnerschaften unter anderem mit Coca Cola ein und bringt für die WM in Deutschland erstmals auch in eigenes virtuelles Stickeralbum für Online-Sammler heraus.
- 2018: Die WM spielt in Russland. In dem Jahr nimmt Panini Group insgesamt mit allen Geschäftsfeldern laut eigener Angaben rund eine Milliarde Euro ein.
- 2026: Für die diesjährige WM in USA, Kanada und Mexiko produziert Panini das vorletzte Album, 2030 folgt das letzte. Danach geht die Lizenz an den US-Konzern Fanatics. Das 2026-Album wird das dickste der bisherigen Geschichte - 112 Seiten mit 980 Stickern. Ein Packerl mit sieben Pickerln kostet 1,50 Euro.
Ein Hauch Nostalgie schwingt 2026 aber mit – die Ära der Panini-WM-Sticker ist bald vorbei. Der Weltfußballverband FIFA vergab die Lizenz neu: Nach der WM 2030 kommt Topps, eine Tochter des US-Konzerns Fanatics, zum Zug. Das Unternehmen hat auch schon die Sticker für die Fußball-EM 2024 produziert.
Damit geht eine Geschichte zu Ende, die 1961 im italienischen Modena mit dem Familienbetrieb Panini begonnen hatte.
Ihr erstes Stickeralbum enthielt Bilder italienischer Fußballspieler, 1970 wurde erstmals eine WM mit einem Pickerlalbum begleitet. Davor erschienen andere Serien von Sammelalben abseits sportlicher Großereignisse, Flugzeuge etwa.
Die "Fifimatic"
Um die Sticker zu mischen und abzufüllen, entwickelten die Paninis eine eigene Maschine, die "Fifimatic". Zuvor nützten sie ein Butterfass oder warfen, so erzählt man sich in Modena, die Pickerln einfach in die Luft und schaufelten sie am Boden durcheinander.
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